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Glasfaser oberirdisch verlegen VATM will mehr Macht für Telekom-Wettbewerber

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Sarah Maier / Sarah Gandorfer

Die TK-Branche trägt enorm zum deutschen Wirtschaftswachstum bei. Damit das so bleibt, fordert der VATM mehr Planungssicherheit für Wettbewerber der Deutschen Telekom. Zudem zeigt der VATM-Präsident auf, wie schnelles Internet auch in ländliche Regionen gebracht werden kann.

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Die TK-Branche ist wichtig für das hiesige Wirtschaftswachstum.
Die TK-Branche ist wichtig für das hiesige Wirtschaftswachstum.
(Bild: VBM-Archiv)

Mit zwei Studien möchte der Verband der Anbieter von Telekommunkations- und Mehrwertdiensten (VATM), indem sich die Wettbewerber der Deutschen Telekom zusammengeschlossen haben, belegen, wie wichtig Alternative TK-Anbieter für den Breitbandausbau sind. Die Untersuchungen stammen von DIW econ und WIK-Consult.

Insgesamt trug die TK-Branche im Jahr 2012 in Deutschland zu Bruttowertschöpfungseffekten von rund 76,0 Milliarden Euro bei. Das besagt die Studie „Wachstumsfaktor Telekommunikation – Ökonomische Studie zur Ermittlung des Beitrags der Telekommunikationsbranche zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland“ von DIW econ. Damit liegt die Branche auf Platz drei hinter den Segmenten „Kraftwagen und -teile“ und „Chemische Erzeugnisse“. „Für jeden in der Telekommunikationsbranche verdienten Euro werden in anderen Branchen der deutschen Volkswirtschaft weitere 2,30 Euro Wertschöpfung erzielt“, sagt der Autor Ferdinand Pavel, Manager bei DIW ECON.

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Zudem löst die Nutzung von TK-Technologien weiteres Wirtschaftswachstum aus. So können beispielsweise 41 Prozent oder 57,5 Milliarden Euro des gesamten realen BIP-Wachstums im Zeitraum von 2002 bis 2012 auf die Nutzung von Breitband-Internet zurückgeführt werden.

„Der Anteil der Wettbewerber der Telekom hieran ist in Deutschland mit 31,5 Milliarden Euro oder 55 Prozent, deutlich höher als bei der direkten Wertschöpfung von 44 Prozent. Die Wettbewerbsunternehmen sind aus gesamtwirtschaftlicher Sicht deshalb besonders bedeutend, weil sie durch eine andere Investitionsstrategie höhere Beiträge zum Anstieg der Breitbandpenetration und des Wirtschaftswachstums leisten als die Deutsche Telekom“, erklärt Pavel. Seiner Mein Meinung nach investieren gerade kleinere Unternehmen oft dort, wo die Großen nicht agieren und erschlössen so neue Regionen und ländliche Bereiche für das schnelle Internet.

Kritik an der Macht der Telekom

VATM-Präsident Peer Knauer nutzte diese Argumentation, um die Machtposition der Deutschen Telekom zu kritisieren: „Sie verdient aufgrund ihrer ehemaligen Monopolstellung immer noch massiv an der gesamten Wertschöpfungskette mit. Die Wettbewerber müssen zentrale Vorleistungen unverändert bei ihr einkaufen“, betont Knauer. Bereinigt um Vorleistungen betrage der Marktanteil der Wettbewerbsunternehmen „lediglich“ 44 Prozent, während er gemessen an den Außenerlösen noch bei 56 Prozent liegt. Trotz niedrigerer bereinigter Marktanteile liege der Anteil der Wettbewerber an den Investitionen in Sachanlagen mit einem Anteil von 53 Prozent über dem der Telekom.

Auch das Thema Call-by-Call spielt für den deutschen Markt noch eine wichtige Rolle. Call-by-Call und Preselection gelten aus gutem Grunde seit jeher als Synonym für Wettbewerb und das Ende der TK-Monopolstrukturen. Ohne die Betreibervorauswahl könnten die Kosten für die Verbraucher und mittelständische Betriebe steigen. Hierzulande wird die Anzahl der Call-by-Call-Nutzer auf sechs bis sieben Millionen geschätzt. „Fällt diese Alternative weg, bedeutet das für diese Menschen unter Umständen nicht nur eine finanzielle Mehrbelastung, sondern auch eine erzwungene Einschränkung ihrer Wahlmöglichkeiten", sagt sagt VATM-Mitglied Oliver Rockstein, Geschäftsführer des Call-by-Call-Anbieters Tele2.

„Es kann nicht sein, dass die europäische Politik bestimmt, welche Produkte vom Verbraucher bevorzugt und genutzt werden dürfen“, findet Knauer. Auch Dieter Elixmann, Senior Consultant bei WIK-Consult und Mit-Autor der WIK-Studie „Die Regulierung der Märkte 1 und 2 als Voraussetzung eines nachhaltigen und infrastrukturbasierten Dienstewettbewerbs“ untermauert die Aussage des VATM-Präsidenten: „In fast allen EU-Ländern besteht ebenso wie in Deutschland aktuell Regulierungsbedürftigkeit für den TK-Markt. Für Deutschland gilt dies auch für die absehbare Zukunft. Ohne Dienstewettbewerb durch die infrastrukturbasierten Verbindungsnetzbetreiber ist ein funktionsfähiger und effektiver Wettbewerb auf dem TK-Markt schwer vorstellbar und wäre mit Schaden für die Verbraucher verbunden“, stellt Elixmann klar. Dies gelte nicht nur für private Verbraucher, sondern auch für den Geschäftskundenbereich.

Erfolgsrezept Wettbewerb

„Eine De-Regulierung würde auf eine Monopolstellung der Telekom hinauslaufen. Das würde sich sehr nachteilig auf den Innovationswettbewerb auswirken. Deutschland würde in Europa ins Hintertreffen geraten“, fährt Knauer fort. Vor diesem Hintergrund erläutert Elixmann: „Das deutsche Erfolgsmodell basiert auf der Ausgewogenheit zwischen erfolgreichem Netzausbau und erfolgreichen Diensten auf dem Netz. Nur, wenn sich diese Faktoren im Einklang befinden, entsteht Nutzen für Gesamtwirtschaft und Verbraucher.“

Oberlandleitungen für Glasfaser nutzen

VATM-Präsident Knauer kritisiert die EU, da sie statt Investoren, die das TK-Netz ausbauen möchten, Planungssicherheiten zu bieten, diese mit ihrer Politik eher verunsichern. Er ruft vor allem den neuen Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, auf, für „deutliche Verbesserungen“ zu sorgen. So schlägt Knauer beispielsweise vor, dass man bereits bestehende Überlandleitungen nutzen könne, um ländliche Gemeinden mit Glasfaser zu verbinden. Knackpunkt an dieser Idee ist derzeit, dass es zwar eine klare Regelung für den unterirdischen Leitungsverlauf gibt, aber keine für die oberirdische Nutzung.

VATM-Präsident Knauer unterstreicht am Ende seiner Rede nochmals: „Es darf keine einseitige Politik zugunsten eines Marktmodells oder gar eines Marktteilnehmers geben. Nur die gesunde Mischung aus kleineren und großen Unternehmen, aus Dienste- und Infrastrukturwettbewerb wird Deutschland als Wirtschaftsstandort voranbringen können. Genau in diesem Sinne müssen sich die Wettbewerbs- und Investitionsbedingungen für Infrastruktur ausbauende Unternehmen und für die Unternehmen, die Dienste auf die Netze bringen, deutlich verbessern, wenn Europa zu den USA und den asiatischen Staaten aufschließen soll.“ □

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