Urheberrechtsstreit: Google versus Oracle Update: Google stellt Buchhaltungs-Software von Oracle auf SAP um

Autor / Redakteur: dpa-AFX / Ira Zahorsky

In einem wegweisenden Urteil hat das Oberste Gericht der USA einen Urheberrechtsstreit um das Smartphone-System Android zu Gunsten von Google entschieden. Der Software-Konzern Oracle geht damit leer aus. Google legt nun nach und stellt seine Buchhaltungs-Software von Oracle auf SAP um.

Firmen zum Thema

Das oberste Gericht der USA hat im Softwarestreit für Google und gegen Oracle entschieden.
Das oberste Gericht der USA hat im Softwarestreit für Google und gegen Oracle entschieden.
(Bild: H_Ko – stock.adobe.com)

Google hatte für Android etwas mehr als 11.000 Zeilen Software-Code der Programmiersprache Java verwendet. Es handelte sich dabei um Schnittstellen, die zur Ausführung bestimmter Funktionen dienen. Dank dieser Schnittstellen müssen Programmierer dafür nicht jedes Mal neuen Software-Code schreiben.

Oracle, das Java 2010 mit der Übernahme von Sun Microsystems gekauft hatte, hatte Google noch im selben Jahr verklagt. Der zuständige Richter entschied zunächst, dass die Java-Schnittstellen grundsätzlich nicht urheberrechtlich schützbar gewesen seien. In Berufungsverfahren wurde dieses Urteil jedoch gekippt.

Die Richter des Supreme Courts entschieden am Montag mit sechs zu zwei Stimmen, dass Google keine Urheberrechtsverletzung begangen habe. Die Verwendung der Schnittstellen sei als „fair use“ (faire beziehungsweise angemessene Nutzung) rechtens gewesen, lautete ihr Urteil. Google habe nur das Nötige kopiert, damit Entwickler in einer neuen Computer-Umgebung arbeiten konnten, ohne auf Elemente bekannter Programmiersprachen verzichten zu müssen, argumentierte der Supreme Court. Stellte man hier eine Urheberrechtverletzung fest, würde dies die Kreativität künftiger Programme einschränken.

Die zwei Gegenstimmen kamen von den als sehr konservativ bekannten Richtern Clarence Thomas und Samuel Alito. Thomas kritisierte, dass Urteil widerspreche der Maßgabe, dass Software-Code schützbar ist. Die Richterin Amy Coney Barrett, die erst im vergangenen Herbst in den Supreme Court berufen wurde, enthielt sich. Das Oberste Gericht hatte sich des Falls bereits 2019 angenommen.

Google-Manager Kent Walker begrüßte die Entscheidung als einen „großen Sieg“ für Innovationen und die Kompatibilität von Computersystemen. Oracle kritisierte in einer Stellungnahme nach dem Urteil, die Marktmacht von Google sei nun noch größer geworden.

Update

SAP hat Google als neuen großen Kunden für seine Buchhaltungs-Software gewonnen. Für den deutschen Konzern ist es auch ein Prestige-Erfolg im Wettbewerb mit dem Erzrivalen Oracle, von dem der Internet-Riese zu den Deutschen wechselt. Ein Google-Sprecher bestätigte das Vorhaben in der Nacht zum Dienstag dem US-Sender CNBC. Laut einer internen E-Mail ist der Wechsel für Mai angesetzt. Die Umstellung habe monatelange intensive Vorarbeit erfordert, hieß es unter Berufung auf eine informierte Person.

Google und Oracle sind Konkurrenten im Cloud-Geschäft – und dieser Wettbewerb wurde oft mit harten Bandagen geführt. So weigerte sich Oracle über Jahre, seine Datenbanken-Software für Googles Cloud-Dienste zu zertifizieren. Das hatte zur Folge, dass Oracle-Kunden sich nicht sicher sein konnten, ob sie dafür Googles Cloud nutzen konnten, ohne die Lizenzbedingungen zu verletzen. Der Google-Sprecher betonte bei CNBC, dass der Internet-Konzern eine technische Lösung dafür anbiete. "Aber das ist völlig unabhängig von unserer Entscheidung, als Unternehmenskunde unsere Finanzsysteme von Oracle auf SAP umzustellen."

Oracle-Gründer Larry Ellison verkündet oft und gern, dass der US-Konzern SAP Kunden abjagen werde. Für den deutschen Rivalen geht es auch um einen Schub für die seine Datenbank-Technik HANA. Von SAP und Oracle gab es zunächst keinen Kommentar.

(ID:47326319)