Aktueller Channel Fokus:

IT-Security

Bitkom-Umfrage

Unternehmen kommen bei DSGVO-Umsetzung kaum voran

| Autor / Redakteur: dpa / Heidemarie Schuster

Die DSGVO ist seit dem 25. Mai 2018 in Kraft.
Die DSGVO ist seit dem 25. Mai 2018 in Kraft. (Bild: Pixabay)

Sie gilt als historischer Wurf – seit dem 25. Mai gilt eine europaweit einheitliche Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Doch Unternehmen in Deutschland tun sich weiter schwer – und haben den Aufwand für sich offenbar kräftig unterschätzt, wie eine Bitkom-Studie belegt.

Erst ein Viertel der Unternehmen in Deutschland hat laut einer Bitkom-Umfrage die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bis heute vollständig umgesetzt. Vier Monate nach Inkrafttreten des neuen Regelwerks beklagen acht von zehn Unternehmen deutlich mehr Arbeit für die geforderte Anpassung der Betriebsabläufe, sagt Susanne Dehmel, Rechtsexpertin des Digitalverbands Bitkom. „Die Bilanz ist ernüchternd.“ Viele Firmen hätten sich offenbar deutlich verschätzt. Noch vor einem Jahr hatten in einer vergleichbaren Studie ebenfalls ein Viertel der Unternehmen angegeben, gut auf die DSGVO vorbereitet zu sein.

Während vor einem Jahr noch 42 Prozent der Befragten kompliziertere Geschäftsprozesse erwartet hatten, sehen das nun 63 Prozent. Dass die DSGVO ihrem Unternehmen Vorteile bringen würde, sagen heute noch 30 Prozent, im Juli 2017 waren es noch 39 Prozent. Vielen Unternehmen sei offenbar erst bei der Umsetzung klar geworden, welchen Nachholbedarf sie in Sachen Datenschutz haben, sagte Dehmel am Donnerstag zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage des Verbands. Das Stimmungsbild hinsichtlich der neuen Verordnung habe sich innerhalb eines Jahres deutlich verschlechtert.

Die Datenschutzbeauftragte von Niedersachsen, Susanne Thiel, zeigt sich von den Ergebnissen überrascht. In den vergangenen vier Monaten sei offenbar nicht viel passiert. „Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir Datenschutz nicht mehr groß erklären müssen“, so Thiel. In Deutschland habe es ja seit jeher ein hohes Datenschutz-Niveau gegeben. „Ganz plötzlich haben viele kleine Unternehmen erkannt, dass Datenschutz nicht nur für Facebook und Google gilt.“

Die EU-Datenschutzgrundverordnung war nach zweijähriger Übergangszeit europaweit am 25. Mai offiziell in Kraft getreten. Auch für die Behörden sind damit erheblich mehr Aufgaben hinzugekommen. Wenn man wisse, wie die Aufsichtsbehörden tatsächlich ausgestattet seien, ergebe sich schon ein Bild wie David gegen Goliath, sagte Thiel. 50 Mitarbeiter seien für rund 300 000 Unternehmen zuständig.

Die Zahl der Anfragen von Bürgern sei nach dem 25. Mai förmlich explodiert, sagt Thiel. Viele seien etwa auch von Arztpraxen und Apotheken gekommen – „für uns völlig unerwartet“. Zudem sind die Rechte von Beschwerdeführern deutlich gestärkt worden, die Behörden müssten nun alle einschließlich eines Rechtsbehelfs angemessen und zügig bewerten. Die Zahl der Beschwerden hätten sich seither versechsfacht.

Im Nachhinein werde klar, dass das neue Regelwerk auch von Seiten der Politik deutlich stärker hätte beworben werden müssen. Viele Unternehmen hätten sich allein gelassen gefühlt. Aber es gebe auch eine andere Seite der Medaille: So habe ihre Behörde frühzeitig damit begonnen, Unternehmen für das neue Regelwerk zu sensibilisieren. „Da wurde zunächst aber eigentlich immer abgewunken.“ Erst Ende 2017 seien dann die angebotenen Informationskurse überfüllt gewesen.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45519660 / Studien)