Direkter Zugang zu Zentralbankgeld Unternehmen befürworten den „digitalen Euro“

Autor / Redakteur: Martin Hensel / Peter Schmitz

Die Pläne der Europäischen Zentralbank für einen „digitalen Euro“ werden derzeit häufig diskutiert. Einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge, haben die deutschen Unternehmen hierzu eine eindeutige Meinung.

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Die deutsche Wirtschaft steht dem "digitalen Euro" aufgeschlossen gegenüber.
Die deutsche Wirtschaft steht dem "digitalen Euro" aufgeschlossen gegenüber.
(Bild: Moritz320 / Pixabay )

Laut der Umfrage unter 652 Verantwortlichen für digitale Technologien oder Blockchain in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern positioniert sich die deutsche Wirtschaft eindeutig: Mehr als drei Viertel (78 %) der Befragten befürworten die Einführung eines „digitalen Euros“. Nur jedes fünfte Unternehmen (20 %) hält nichts von derartigen Plänen.

„Andere Nationen sind bei digitalem Zentralbankgeld schon weiter und haben bereits Pilotprojekte gestartet. Wir müssen unser Tempo erhöhen, um diesen Vorsprung aufzuholen“, meint Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Europa solle eine weltweit führende Rolle bei digitalem Zentralbankgeld anstreben. „Der digitale Euro ist ein ganz zentrales Element einer digital souveränen EU“, so Rohleder.

Zahlreiche Vorteile angeführt

Aus der Sicht der Unternehmen bietet ein „digitaler Euro“ zahlreiche Vorteile. Am häufigsten wurde genannt, dass ansonsten staatliche oder private Digitalwährungen zum Einsatz kämen, die europäische Werte untergraben könnten (78 %). 69 Prozent sehen im „digitalen Euro“ die Möglichkeit für nahtlose Zahlungs- und Abwicklungsprozesse auf dem künftigen Kapitalmarkt mit tokenisierten Wertpapieren. 64 Prozent sehen einen Vorteil darin, dass Bürgern auch bei abnehmender Bedeutung von Bargeld der direkte Zugang zur Zentralbank erhalten bleibt.

Sechs von zehn Unternehmen erwarten, dass ein „digitaler Euro“ in Krisenzeiten die effektivere Umsetzung neuer geldpolitischer Instrumente gestattet. 40 Prozent sehen den Bedarf für einen „digitalen, programmierbaren Euro“ in der Industrie, um Zahlungsprozesse zu automatisieren. Beispiel dafür sind etwa Machine-to-Machine-Zahlungen im Internet der Dinge. Nur 11 Prozent sehen im „digitalen Euro“ gar keine Vorteile.

Bedenken vorhanden

Trotz des Optimismus gibt es auch Bedenken: So sehen knapp zwei Drittel (65 %) der Befragten Datenschutzrisiken, falls die Zentralbank tiefere Einblicke in die Zahlungsprozesse erhält. Knapp die Hälfte (49 %) der Unternehmen sieht eine Gefahr für die Finanzstabilität, weil durch den „digitalen Euro“ der Einfluss der Banken in Krisenzeiten sinken könnte. Nur jedes zehnte Unternehmen sieht schlicht gar keinen Bedarf für einen „digitalen Euro“. 8 Prozent meinen, die Wirtschaft sollte lieber selbst Lösungen für einen Zahlungsverkehr der Zukunft entwickeln.

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