Top-Act für Cisco: Wider die Komplexität durch Virtualisierung und Cloud Unified Computing System brilliert mit einfacher Server-Verwaltung

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter* / Ulrike Ostler

Mit dem Server-Konzept „Unified Computing System“ ist Cisco in die Liga der Systemanbieter aufgestiegen. Dort warten allerdings schon IT-Schwergewichte wie IBM, HP, Dell und Oracle/Sun auf den Neuankömmling. Doch der Computing-Ansatz von Cisco soll sich deutlich von den bisherigen Angeboten abheben. Was hat es damit auf sich?

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( Archiv: Vogel Business Media )

Als der Netzwerkspezialist Cisco im Jahr 2009 mit einer eigenen Server-Linie auf den Markt kam, dachten einige Branchenkenner an eine weitere Exaltiertheit von Firmenchef John Chambers. Doch das Konzept von Unified Computing System (UCS) bringt tatsächlich frischen Wind in die Rechenzentren.

Dort gab es seit der Einführung der Blade-Server durch RLX im Jahr 2001 keine technischen Umwälzungen mehr. Mit UCS will Cisco das ändern und insbesondere die Art und Weise, wie Server im Rechenzentrum administriert werden, drastisch vereinfachen.

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Die Positionierung des UCS-Konzepts

Dabei geht es der Company nicht darum, sich als zusätzliche Server-Quelle zu etablieren. Sie strebt vielmehr nach Höherem, wie Giorgio Nebuloni, Senior Analyst, x86 Servers beim Marktforschungsinstitut IDC vermutet: „Cisco verfolgt das Konzept des Architecture Play, will also eine komplette Infrastrukturlösung anbieten.“

Das bedeute, so der Analyst weiter, einerseits eine Veränderung, andererseits aber keine komplette Revolution, weil ja wie bei den Mitbewerbern auch, Intel-Server zum Einsatz kommen. Die sind aber sehr eng mit dem Netzwerk integriert, was eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt. Dazu zählt neben Einsparungen bei der Anzahl der benötigten Komponenten insbesondere die sehr viel einfachere Verwaltung der Server – und das zählt insbesondere in virtualisierten Umgebungen.

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Der Aufbau von Unified Computing System

Cisco bietet UCS mit Rack- und Blade-Servern an. Kernstück der Lösung ist der Switch (Fabric Interconnect) – aus Sicherheitsgründen gibt es immer zwei davon. Er schafft über 20 Ports mit einer Bandbreite von jeweils 10 Gigabit Ethernet (sowie Fibre Channel over Ethernet = FCoE) die Verbindung der Server mit der Umwelt. Zusätzlich enthält er die zentrale Verwaltungssoftware für alle Server im Rack, den „UCS Manager“. (siehe: Abbildung 1 und 2)

Unterhalb der beiden Switche liegen die ebenfalls redundant ausgelegten Fabric Extender (FEX). Sie agieren als I/O-Multiplexer für die Server-Daten, die sie an die Switche weiterleiten. Dafür stehen je FEX vier 10-Gigabit-Verbindungen zur Verfügung.

Gerechnet wird mit Blades, die wie gewohnt im Chassis sitzen. Ein Standard-Rack fasst bis zu 20 Chassis. Dort finden entweder acht Blades mit halber Breite oder vier normalbreite Platz. Cisco bietet sechs Blade-Varianten an, die alle mit Xeon-Prozessoren arbeiten. Drei davon mit halber Breite, drei normalbreite.

Alle Macht kommt aus dem RAM

Besonderen Wert legt Cisco auf die Möglichkeit, die Server mit viel Hauptspeicher ausstatten zu können, denn: „Ram ist oft die Beschränkung bei der Server-Virtualisierung“, hat Ulrich Hamm festgestellt, der bei Cisco als Consulting System Engineer Data Center und Virtualisierung europaweit arbeitet.

Der Hauptspeicher des kleinsten „B200 M1“-Blade lässt sich bis auf 96 GB ausbauen, beim „B200 M2“ sind ist es doppelt so viel, „B230“ und der High-Performance-Server „B440“ erlauben 256 GB RAM und die beiden Angebote für besonders ausbaubaren Hauptspeicher, „B250 M1“ und „M2“ fassen sogar bis zu 384 GB.

Die Blades enthalten einen Adapter, der nicht von Cisco stammen muss, um den I/O-Verkehr zu lenken. Cisco hat mit der „Virtual Interface Card“ aber selbst einen entwickelt, der virtualisiert werden kann.

Es ist aber auch möglich, die Angebote anderer Hersteller, etwa von QLogic, Emulex und Intel zu nutzen und in einem Blade-Chassis gemischt einzusetzen. Und: „Was der Adapter dem Betriebssystem oder dem Server zur Verfügung stellt, bildet sich im Fabric Interconnect ab – automatisch“, beschreibt Hamm die Arbeitsweise im UCS.

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Im Reich der Stateless-Server

In virtuellen Umgebungen soll der physische Server möglichst schnell und einfach als virtueller Server konfiguriert werden, daher wird oft aus dem Speichernetz heraus gebootet, weil er dann kaum vordefinierte Parameter enthält. Man bezeichnet einen solchen Server als „stateless“. Er verfügt noch nicht über die Konfigurationsattribute, die ihn als neuen Rechner im Rechenzentrum identifizieren – er besitzt noch keine Identität.

Die schafft erst der Administrator durch die Architektur, die er ihm verleiht, indem er die unzähligen Parameter des neuen Servers festlegt. Dazu zählen unter anderem das Raid-Level, die Anzahl der Hostbus-Adapter, die BIOS-Settings, Firmware für Netzwerkschnittstellenkarten (NICs), VLAN und dergleichen mehr. (siehe: Abbildung 8)

Wer nur einen Server zu konfigurieren hat, ist beschäftigt, auf wen zig solche warten oder andere, die schnell ihre Persönlichkeit ändern wollen, der will die Aufgabe vereinfachen und standardisieren. Dazu legt er am besten Profile für Server an, die er dann dem Server zuweisen kann.

Cisco hat mit „UCS Service Profile“ die Möglichkeit dazu geschaffen. Offenbar ist das gut gelungen, weil die ersten Anwender damit laut IDC-Analyst Nebuloni sehr zufrieden waren: „Die Funktion des Stateless-Computing, die die Hardware verdeckt und per Templates die automatische Orchestrierung erlaubt, wird von den Anwendern gut bewertet.

Der UCS Manager regiert das gesamte System

Im Konzept von Cisco werden die Profile im UCS Manager, der zentralen Verwaltungskonsole im Switch, erstellt und abgelegt. Die Software verwaltet alle Systemkomponenten wie die Adapter, Blades, Chassis, Blades, Fabric Extender und die Fabric Switches. Sie agiert aber auch als integrierte Aufsichtsinstanz der Lösung und liefert Statistiken, fährt Diagnose-Routinen, übernimmt das Monitoring und erlaubt die Konfigurierung der Komponenten.

Schließlich enthält der UCS Manager auch die APIs für die Integration bestehender und zukünftiger Infrastrukturkomponenten. „Das Management ist also Bestandteil der Infrastruktur. Konfiguriert wird am Switch“, fasst Cisco-Manager Hamm die Aufgaben und Positionierung des UCS Managers zusammen.

Und noch eines ist Hamm wichtig: „Die Switche stellen sich für die Ethernet-Umgebung wie ein Endgerät dar.“ Das bedeutet, dass der Administrator für die gesamte Lösung mit all den vielen physischen und virtuellen Servern nur einen Switch in das Unternehmensnetz integrieren muss. Im herkömmlichen Blade-Design bringt jeder Server oder zumindest jedes Chassis einen Switch mit, der zu administrieren ist.

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Gute Technik und was sonst noch eine Rolle spielt

Die UCS-Lösung von Cisco als integrierte Lösung für das Rechenzentrum konsolidiert Rechner und Switch in ein einheitliches System. Damit sollen sich die Anzahl der benötigten Infrastuktur-Komponenten um ein Drittel und mehr reduzieren, das Ausrollen neuer Server vereinfachen und beschleunigen sowie die Verwaltung und Wartung vereinfachen lassen.

Der Vorteil der Lösung ist zugleich ihr Nachteil: Der Anwender lässt sich auf nur einen Hersteller ein, es gibt keine zweite Lieferquelle. Dafür lässt sich bei einem Fehler die Verantwortlichkeit einfacher klären und das Fingerzeigen auf den jeweils anderen Lieferanten entfällt.

„Außerdem spart man eventuell bei den Wartungskosten“, skizziert Wolfgang Schwab, Senior Adviser & Program Manager Efficient Infrastructure bei der Experton Group, einen weiteren Vorteil. Allerdings erkaufe man sich diesen aber möglicherweise durch einen höheren Einstandspreis, warnt der Berater.

„Potenzielle Kunden sollen sich davon nicht abschrecken lassen“, rät hingegen Josef Blank, Country Manager bei Magirus. Die Company aus Stuttgart ist als Distributor derzeit an der Markteinführung der UCS-Lösung beteiligt. „Nur 30 Prozent aller IT-Investitionen entfallen auf die Innovation – also die Anschaffung – aber 70 Prozent auf den Unterhalt“, zitiert Blank Marktforschungsergebnisse.

Gelingt die Markteinführung?

Analysten und Mitbewerber verfolgen mit Argusaugen, ob und wie es Cisco gelingt, im Server-Markt Fuß zu fassen.“Cisco gibt an, in seinem ersten Fiskalquartal 2010, das von Ende Juli bis Ende Oktober läuft, mit UCS einen weltweiten Umsatz von 500 Millionen Dollar aufs Jahr gerechnet – also rund 125 Millionen in Quartal – erzielt zu haben“, hat IDC-Analyst Nebuloni ausgerechnet.

Das ist nicht viel, wenn man die IDC-Zahlen gegenüberstellt: Danach lag der weltweite Umsatz mit x86-Servern im dritten Kalenderquartal – Anfang Juli bis Ende September 2010 – bei 7,9 Milliarden Dollar, wovon rund 1,5 Milliarden auf die Blade-Verkäufe entfallen.

Von der deutschen Cisco-Zentrale war nur zu erfahren, dass man hier pro Woche fünf neue Kunden für UCS gewinne. Kurz- bis mittelfristig will man in Deutschland die Nummer drei werden.

Blank und sein Team bei Magirus sollen dem Hersteller dabei helfen, das Ziel zu erreichen: „Der Markt für UCS ist auch Dank Cloud-Computing da, das Potenzial groß.“ Jetzt komme es darauf an, die Chancen zu nutzen und die gute Technik richtig zu vermarkten.

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Drei Faktoren für den UCS-Erfolg

Blank nennt drei Faktoren, die seiner Meinung die Markteinführung gelingen lassen: Die richtigen Reseller finden und gewinnen, eine gelungene Marktaufbereitung sowie die notwendigen Prozesse etablieren.

Zu letzterem zählt er Channel-Strategien etwa, wie mit den bisherigen und zukünftigen Zertifizierungen für UCS umgegangen wird aber auch die Preisprozesse, etwa, wie schnell auf aktuelle Straßenpreise reagiert wird. „Es ist nicht die Technik, sondern diese Basics“, die über einen raschen Erfolg entscheiden werden, glaubt der Manager.

An einen Misserfolg denkt niemand, dazu hat Cisco zu viel investiert. Schließlich hat man ja schon Kunden gewonnen. Zudem ist die Company finanziell bestens aufgestellt, es droht also keine Gefahr, dass man die Anfangsinvestitionen nicht stemmen könnte. Macht die Company bei der Markteinführung alles richtig, dann bleibt noch die Konkurrenz, die Cisco das Leben schwer machen wird.

Ein neuer Markt mit anderen Gesetzen

Cisco ist ein Newcomer im Server-Markt und muss sich auf die dort herrschenden Gegebenheiten einstellen. Das sind zum einen die im Vergleich zum Netzgeschäft niedrigeren Margen mit denen die Server-Hersteller operieren. „Cisco will kein reiner Server-Anbieter werden, weil da die Gross-Margen nur bei 25 bis 40 Prozent liegen, im Netzwerkgeschäft aber bei 50 bis 60 Prozent“, glaubt IDC-Marktforscher Nebuloni.

Mitbewerber wie IBM, Dell und Hewlett-Packard sind an Preiskämpfe gewöhnt und verstehen es, auch mit geringeren Margen profitabel zu bleiben. Das muss Cisco erst noch beweisen und auch, dass es den Support flächendeckend organisieren kann, wie Experton-Analyst Schwab zu Bedenken gibt.

Allerdings muss Cisco sein Produktportfolio erweitern, denn Hersteller wie IBM und vor allem HP rücken mit eigenen Netzwerkprodukten und ebenfalls integrierten Rechenzentrumslösungen in den Markt. Bislang kann Cisco im Netzwerkbereich mit mehr als 60 Prozent Marktanteil dort sicherlich gut kontern - das dürfte im Server-Markt nicht zu erreichen sein.

Die Autorin:

Kriemhilde Klippstätter ist Autorin und Coach/Mediatorin in München.

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