Schwerpunktthema: Unterbrechungsfreie Stromversorgung und Racks Unbesorgt versorgt mit USV-Systemen

Redakteur: Dr. Andreas Bergler

Angesichts steigender Energiepreise zieht auch das Geschäft mit USV-Systemen wieder an. Gefragt sind umfassende Lösungen, die bis hin zu Cooling-Konzepten reichen.

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Störungen im Stromversorgungsnetz, die das IT-Equipment eines Unternehmens beeinträchtigen können, treten durchschnittlich mehr als einmal pro Monat auf.
Störungen im Stromversorgungsnetz, die das IT-Equipment eines Unternehmens beeinträchtigen können, treten durchschnittlich mehr als einmal pro Monat auf.
( Archiv: Vogel Business Media )

Während Software-Hersteller mit hoch komplexen Produkten die Zahl der psychischen Ausfälle bei den Anwendern hochtreiben, ist eine der Hauptursachen für Ausfallzeiten bei PCs und Servern ganz simpel: Netzstörungen. Wirksamen Schutz davor bieten unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USVs).

Der Ausfall eines lokalen Transformators durch Blitzeinschlag oder das Abschalten eines regionalen Stromnetzes genügt, um einem angeschlossenen Unternehmen hohe finanzielle Folgeschäden zu bescheren. An einem typischen Firmenstandort kommt es laut dem USV-Hersteller APC by Schneider Electric pro Jahr zu etwa 15 Ausfällen, die groß genug sind, um Fehlfunktionen von IT-Systemen zu verursachen. Jeder zehnte Ausfall dauert länger als fünf Minuten, jeder hundertste länger als eine Stunde. USV-Systeme können die Stromversorgung für eine bestimmte Zeit überbrücken und so helfen, Datenverluste zu vermeiden. Innerhalb der Laufzeit müssen entweder die zu schützenden Systeme heruntergefahren werden oder ein Notstromaggregat muss anlaufen können.

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Eine wichtige Aufgabe von USV-Systemen ist die Aufbereitung der Netzspannung. Werden die Verbraucher elektrisch unsauber versorgt, drohen Fehlfunktionen und Sachschäden. Für Arbeitsplatzrechner, Server und Netzwerk-Equipment können Über- und Unterspannungen gefährlich werden. Betroffen sind alle Leitermaterialien wie Stromversorgungsleitungen, Telefon-, Daten- und Signalleitungen. Auch wenn die meisten Spannungsstöße nur wenige Millisekunden dauern, kann ihre Energie so stark sein, dass es zu Hardwareschäden oder Fehlfunktionen kommt. Moderne Absicherungen weisen deshalb getrennte Kabelkanäle für Strom- und Datenleitungen auf.

Die wesentliche Ursache für Datenverluste bei längeren Stromausfällen liegt in der unsachgemäßen Beendigung von Anwendungen oder Betriebssystemen.

Sind Daten während der Störung noch in Bearbeitung, können Dokumente, Dateisystemstrukturen oder Anwendungsdaten beschädigt werden. Die Wiederherstellung dauert meist sehr lange und ist teuer. Beinhaltet die USV-Lösung keine Software zum Herunterfahren der versorgten Server, oder wurde versäumt, diese zu installieren, so verzögert die Überbrückungszeit nur das Problem.

Für einen korrekten Shutdown mehrerer Geräte muss das Netzwerk aktiv sein. Komponenten wie Hubs und Switches dürfen bei der Stromversorgung nicht vergessen werden. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass einzelne Systeme zum Herunterfahren unterschiedlich lange brauchen. Für eMail-Server mit vielen Konten sind schon einmal bis zu 20 Minuten einzuplanen.

Know-how gefragt

Bei den Anwendern herrscht oft noch Unklarheit über die verschiedenen Arten von USV-Systemen, deren Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten. Gerade hier sind Reseller mit einem soliden Wissen darüber gefragt, wie eine bedarfsgerechte USV-Topologie aufzubauen ist.

  • Einzelne oder mehrere Arbeitsplatzrechner lassen sich am effizientesten mit Offline-Modellen absichern. Bei einem Spannungsabfall liefert der Akku der USV die elektrische Leistung. Zweckmäßig ist dies jedoch nur bis zu einer Gesamtausgangsleistung von etwa einem kVA.
  • Die höchste Verbreitung weisen Line-Interactive-USV-Systeme auf. Das liegt sowohl an ihrer hohen Zuverlässigkeit als auch an der Möglichkeit zum Einbau in 19-Zoll-Racks. Zwar eignet sich diese Technologie zur Spannungsversorgung von verteilten Servern, allerdings gilt dies nur für Ausgangsleistungen von bis zu fünf kVA.
  • Doppelwandler-USVs ab einem kVA lassen sich wirtschaftlich einsetzen und sorgen für sehr gute Qualität der Ausgangsspannung.
  • In größeren Installationen spielen USV-Systeme mit Delta-Umwandlung ihre Stärken aus. Die hohen Wirkungsgrade dieser Technologie führen zu erheblichen Einsparungen bei den Betriebskosten.

Verfügbarkeit und Kosten

Hauptmotiv der Hersteller bei der Entwicklung moderner USV-Systeme ist der steigende Anspruch an die Verfügbarkeit der Daten – sowohl in Rechenzentren als auch in kleineren Serverräumen. Als »verfügbar« wird der geschätzte Prozentsatz der Zeit bezeichnet, in der die Wechselspannung für die Versorgung kritischer Lasten zur Verfügung steht. Obwohl viele unterschiedliche USV-Konfigurationen auf dem Markt sind, lässt sich das Gros der Systeme einer der vier redundanten Auslegungen N, N+1, 2N und 2(N+1) zuordnen.

Mit zunehmender Größe des Gebäudes nehmen zwar die Kosten pro Rack ab, doch nicht immer ist eine größere Stellfläche vorhanden, um die Kosten pro Fläche zu senken. In diesen Fällen bietet sich der Einsatz von skalierbaren Lösungen an. Modulare Systeme mit integrierter Kühlung erreichen ohne Doppelboden Leistungsdichten von bis zu 30 kW pro Rack und sind mit einer N+1-Redundanz oder höher ausgestattet. Die schrittweise Erweiterung von Kapazität und Verfügbarkeit verspricht gleichzeitig Investitionsschutz und einen energieeffizienten Betrieb.

Einbau ins Rack

Mittelständische Unternehmen verwenden immer häufiger 19-Zoll-Racks. Die systematische Verkabelung vereinfacht Erweiterungen und Service-Dienste. Horst Münnich, Channel Manager, AEG Power Supply Systems, empfiehlt beim Einbau einer USV ins Rack folgende Punkte:

  • Der Einbau erfolgt aufgrund des hohen Gewichts immer unten.
  • Hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer der Batterie, deshalb sollte diese unterhalb der USV eingesetzt und auf ausreichende Klimatisierung geachtet werden.
  • Empfehlenswert ist der Einbau einer manuellen Handumgehung – und zwar von Anfang an. Denn spätestens nach drei bis vier Jahren wird ein Service an der USV notwendig. Diese kann dann ohne Unterbrechung spannungsfrei geschaltet werden, ohne die Server herunterzufahren.

Planen mit Weitsicht

Sowohl für größere Unternehmen, die eigene Serverraum-Konzepte benötigen, als auch für private Verbraucher gilt, dass das gewünschte Maß an Verfügbarkeit nur mit der richtigen Technologie und Konfiguration auch zu vertretbaren Kosten erreicht werden kann. Dabei darf allerdings die Zukunftssicherheit nicht zu kurz kommen: Mit der Integration von Web-2.0-Anwendungen und multimedialen Applikationen steigen derzeit die Anforderungen an Kapazität und Verfügbarkeit in vielen Unternehmen schneller als erwartet.

Modular aufbaubare USV- und Infrastruktur-Lösungen erlauben es, auf neue Anforderungen flexibel und effizient zu reagieren. Ein wichtiger Punkt dabei ist die kompetente und ganzheitliche Beratung im Hinblick auf die Konzeption von Serverräumen, Rechenzentren oder umfassenden Stromversorgungskonzepten. Dazu muss sich der Reseller allerdings ein genaues Bild des jeweiligen Gesamtsystems machen. Viele Kunden, so weiß Andreas Gehrmann, Marketing Manager DACH & Israel bei APC by Schneider Electric, wünschen sich genau so einen Anbieter, der komplett von der Klimaanlage bis zur USV beraten kann.

IT-BUSINESS bat vier Insider um eine Stellungnahme zu den Chancen für die Reseller im Bereich »Unterbrechungsfreie Stromversorgung«.

Jacques Muller (APC by Schneider Electric)

Jacques Muller, Vice President DACH & Israel bei APC by Schneider Electric-MGE (Archiv: Vogel Business Media)

»Momentan beobachten wir, dass viele Unternehmen ihre Versorgungs- und Kühlsysteme in vorhandenen Installationen optimieren wollen. Resellern bietet sich damit eine gute Gelegenheit, Kunden gezielt über Energiesparmöglichkeiten zu informieren und Wege für Energie-Effizienz aufzuzeigen. Moderne USV-Systeme sind erheblich leistungsfähiger bei geringerem Stromverbrauch als Geräte, die bereits zwei bis drei Jahren alt sind.«

Sven O. Spitzley (Online USV-Systeme)

Sven O. Spitzley, Produktmanager bei Online USV-Systeme (Archiv: Vogel Business Media)

»Mit Margen bis 30 Prozent ist der Verkauf von USV-Systemen garantiert ein lukratives Geschäft. Serviceleistungen wie der jährliche Batteriecheck vor Ort sind darüber hinaus die Eintrittskarte zum Kunden und fast immer Garant für Folgegeschäfte. Ergänzend zum jährlichen Vor-Ort-Service eignet sich etwa unsere UNMS-Software zur kontinuierlichen Fernüberwachung. Mit ihr können alle installierten USV-Systeme zentral verwaltet werden.«

Horst Münnich (AEG Power Supply Systems)

Horst Münnich, Channel Mangager bei AEG Power Supply Systems (Archiv: Vogel Business Media)

»Durch den Einsatz von SNMP-Karten bietet eine USV die Möglichkeit, zusätzliche Signale wie Temperatur und Rauch oder die Zugänge zu überwachen. Hier hat der Dienstleister die Möglichkeit, alle wichtigen Daten aus dem Serverumfeld seines Kunden direkt auf seinem Monitor als eMail, SMS oder Grafik gemeldet zu bekommen. Dies ist ein zusätzlicher Service und so ein Mehrwert, der bereits im Standardlieferumfang unserer Anlagen enthalten ist.«

Christian Richter (Emerson Network Power)

Christian Richter, Key Account Manager bei Emerson Network Power (Archiv: Vogel Business Media)

»Das SMB-Segment benötigt heute hochwertigste USV-Anlagen, um geschäftskritische Systeme hochverfügbar zu betreiben. Eine adaptive Lösung ermöglicht es dem IT-Betreiber, beim Einsatz neuer Racksysteme, auf veränderte Lasten im Rechenzentrum optimal zu reagieren, ohne die Verfügbarkeit zu gefährden. Nur Reseller, die ihren Kunden diese Lösungen darstellen können, werden bei veränderter IT-Landschaft wieder herangezogen werden.«

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