EU-Kommission weitet Ermittlungen wegen Fusionskontrolle aus Übernahme von Sun durch Oracle verzögert sich

Redakteur: Harry Jacob

Anders als die US-amerikanischen Wettbewerbshüter winkt die EU-Kommission den Oracle-Sun Deal nicht einfach durch. Bis zu 90 Arbeitstage wollen sich die Europäer Zeit nehmen, die Auswirkungen auf den Datenbank-Markt zu untersuchen.

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„Erhebliche Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt” meldet die EU-Kommission nach einer ersten Prüfung der geplanten Übernahme von Sun durch Oracle. Sie hat deshalb eine eingehendere Untersuchung angekündigt, die ergebnisoffen geführt werde. Der Stein des Anstosses sind die Datenbanken, die die beiden Unternehmen in Portfolio führen. Bis zum 19. Januar 2010 hat die Kommission nun Zeit, eine endgültige Entscheidung zu treffen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erläutert die Bedenken der EU-Kommission: „Wenn das weltweit führende Unternehmen im Bereich proprietäre Datenbanken das weltweit führende Unternehmen im Bereich Open-Source-Datenbanken zu übernehmen gedenkt, muss die Kommission die Auswirkungen auf den Wettbewerb in Europa äußerst sorgfältig prüfen. Insbesondere muss sie sicherstellen, dass die Kunden nach der Übernahme nicht mit einem geringeren Angebot oder höheren Preisen konfrontiert werden. Datenbanken sind ein wesentliches Element der IT-Systeme von Unternehmen. In der derzeitigen Wirtschaftslage streben alle Unternehmen nach kostengünstigen IT-Lösungen, und so stellen Systeme, die auf Open-Source-Software basieren, zunehmend eine wirtschaftliche Alternative zu proprietärer Software dar. Die Kommission muss gewährleisten, dass solche Alternativen vorhanden bleiben.“

Schutz der Open-Source-Alternative

Nach den bislang gewonnenen Erkenntnissen der Wettbewerbshüter kontrollieren nur drei Unternehmen – Oracle, IBM und Microsoft – 85 Prozent des Datenbankmarktes (nach Umsatz), wobei Oracle der Marktführer ist. Bei den Open-Source-Alternativen ist wiederum MySQL von Sun das führende Produkt. Oracles Datenbanken und MySQL stünden im direkten Wettbewerb, und dieser verschärfe sich mit der zunehmenden Funktionsvielfalt der Open-Source-Software. Bei ihrer eingehenden Untersuchung will die Kommission nach eigenen Angaben daher auf eine Reihe von Sachverhalten eingehen, zum Beispiel welche Anreize Oracle hat, MySQL als Open-Source-Datenbank weiterzuentwickeln.

Nun drohen Auflagen

Die Wettbewerbshüter haben drei Alternativen: Ablehnen, bedingungslos genehmigen oder die Übernahme nur mit Auflagen zu gestatten. Dass der Del vollständig untersagt wird, ist kaum anzunehmen, aber auch nicht, dass der Deal in der bisher geplanten Form grünes Licht bekommt. Womöglich muss MySQL wieder aus Sun herausgelöst werden – weniger als zwei Jahre nach der Übernahme. Denkbar wäre aber auch, dass die Kommission damit zufrieden wäre, wenn die Weiterentwicklung von MySQL über ein unabhängiges Konsortium sichergestellt wird.

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