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Die Cloud ist ein Mann?!

Über die zunehmende Emanzipation in der IT

| Autor / Redakteur: Johannes Hiemer* / Florian Karlstetter

In genereller Hinsicht integrieren Frauen häufig wichtige Soft-Skills wie Sensibilität und Empathie in ihre berufliche Tätigkeit, was das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit unter Umständen erheblich verbessern kann.
In genereller Hinsicht integrieren Frauen häufig wichtige Soft-Skills wie Sensibilität und Empathie in ihre berufliche Tätigkeit, was das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit unter Umständen erheblich verbessern kann. (Bild: © Gorodenkoff Productions OU - stock.adobe.com)

Objektiv bestimmbar, dem Beweis zugänglich, sachlich. Die Materien der IT-Branche stellen sich dem naiven Betrachter meist als entbunden von persönlichen Blickwinkeln dar. Doch gibt es subjektive Einflüsse? Wirkt sich die Identität, insbesondere das Geschlecht der Programmierenden auf Bedienung und Möglichkeiten des Produkts aus?

Frauen in der IT. Ein branchenweit hinreichend diskutiertes Thema. Die Statistiken sprechen für sich. Gleichwohl die Zahl der Studentinnen im Studienfach Informatik von 270 (Stand WiSe 1972/73) auf 19.947 (Stand: WiSe 2016/17) und damit vergleichsweise eklatant angestiegen ist, entpuppt sich diese Entwicklung in Anbetracht der insgesamt 110.108 Studierenden im betreffenden Studiengang (Stand: 2016/17) als marginal.

Man(n) dominiert...

Die Informationstechnologie wird von Männern dominiert. Diese Tatsache ist als solche weder verwunderlich noch im Sinne einer emanzipatorischen Kritik zu problematisieren. In Zeiten drastischen Fachkräftemangels dürfte sich kein Unternehmen einer Frau als Führungskraft im IT-Bereich verweigern, lediglich das Interesse der Mehrheit des weiblichen Geschlechts an informationstechnologischen Fragestellungen scheint gering. Dies könnte insbesondere an der Herangehensweise und Präsentation der sog. MINT-Fächer seitens der betreffenden Bildungsinstitute liegen. Ansätze, um die geschlechtliche Unausgewogenheit in der Branche auszugleichen, liegen somit insbesondere in frühen Bildungsstadien. Schülerinnen müssen mittels kreativer Strategien für die Materie begeistert, das Berufsbild des IT‘lers von seinem zweifelsohne männlichen Image befreit und attraktiver gemacht werden.

Von Männern für Männer gemacht?

Die Frage, die man sich jedoch abseits solcher Bestrebungen stellen sollte, ist eine andere. Inwiefern hat die überwiegend männliche Kompetenz die basalen Elemente der Informationstechnologie bereits vorgeprägt? Sprechen die Quellcodes eine (Programmier-)Sprache, die von Männern für Männer gemacht ist? Dafür spricht zunächst einmal die Einschätzung befragter IT-Unternehmen. 54,5 Prozent geben als Grund für die Einstellung weiblicher Fachkräfte deren neue Ideen bzw. Sichtweisen an. Hierbei sind mehrere Aspekte voneinander zu trennen.

„empathic in advice“

In genereller Hinsicht integrieren Frauen häufig wichtige Soft-Skills wie Sensibilität und Empathie in ihre berufliche Tätigkeit, was das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit unter Umständen erheblich verbessern kann. Weibliche Einfühlsamkeit kann insbesondere der Lösung von Konflikten unter männlichen Angestellten dienen. Damit ist ein gewisser Frauenanteil in sozialen bzw. zwischenmenschlichen Belangen von großer Bedeutung für ein Unternehmen. Dies gilt auch für die IT. In spezifisch-fachlicher Hinsicht können besagte Kompetenzen ebenso hilfreich sein, so etwa in der Kommunikation mit dem Kunden.

Die evoila GmbH, ein IT-Mittelständler aus Mainz, ist auf Cloud-basierte Komplettlösungen spezialisiert. Gerade im Bereich solcher „Rundum-Sorglos-Pakete“ steht natürlich ein gewisses Wohlbehagen des Kunden im Vordergrund. Beispielsweise möchte ein Gründer und Geschäftsführer nicht nur Aufbau, sondern auch Wartung bzw. Administration der neuen IT-Strukturen seines jungen Unternehmens an den Anbieter delegieren. Er ist neu in der Branche, baut sich noch sein Führungsteam auf und muss sich nebenher trotzdem mit der Einrichtung einer tauglichen Firmen-IT beschäftigen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Selbstverständlich möchte er keine unterschiedlichen Provider, kein personelles Kabelgewirr. Er möchte einen einzigen Ansprechpartner, am besten 24/7. Er möchte nachts ruhig schlafen.

Ergänzendes zum Thema
 
Über evoila

Ein solcher Kunde darf nicht von fachlicher Kompetenz erdrückt, die zugrundeliegenden Sachverhalte müssen ihm vielmehr in seiner Sprache vermittelt werden. Auf dieser Kommunikationsebene sind die oben genannten Kompetenzen unentbehrlich, sofern man den Kunden behalten bzw. langfristig an sich binden will. Es muss eine Terminologie gefunden werden, die den fachlichen Aspekten in ihrer Sachlichkeit zwar genügt, den ggf. fachfremden Gegenüber jedoch dort abholt, wo er steht. Es ist Sensibilität erforderlich. Wenn nun bei Frauen die Fähigkeit dazu nachweislich höher ausgeprägt ist, sollten weibliche Fachkräfte im Dialog mit dem Kunden doch eigentlich Gold wert sein. Es geht allerdings nicht nur um das Consulting und den Kontakt mit Menschen. Es geht auch um die technische Arbeitsumgebung.

Critical with device

Seit jeher ist die Entwicklung von Computern, Programmiersprachen und Software eine Männerdomäne. Die erste Spracherkennungssoftware konnte beispielsweise im ersten Versuch keine Frauenstimmen erkennen. Dies legt den Schluss nahe, dass Frauen in der IT mit Werkzeugen arbeiten müssen, die ursprünglich für das andere Geschlecht geschmiedet wurden. Dennoch gibt es zahlreiche Frauen, die den Umgang damit gleichermaßen meistern. Doch führt diese Anpassung zu einem Leistungs- bzw. Qualitätsverlust? Was wäre möglich, wenn das Handwerkszeug der IT-Fachkräfte von Frauen entwickelt werden würde?

Studie zeigt: Frauen programmieren anders

Im Rahmen einer Studie der California Polytechnic State University und der North Carolina State University wurden die Unterschiede männlichen und weiblichen Programmierens anhand von 1,4 Millionen Nutzer der Open-Source-Plattform „GitHub“ analysiert. Diese Community bietet die Möglichkeit, selbstverfassten Code zur Diskussion zu stellen. Über sogenannte „Pull requests“ können andere User dann ihrerseits Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Diese wiesen bei Frauen eine höhere Erfolgsrate auf. Daraus schlussfolgern die Forscher, dass Frauen selbstkritischer programmieren. Eine solche Haltung ist gerade dann ungemein wichtig, wenn die betreffende Software nicht zu Selbstzwecken, sondern für einen (zahlenden) Kunden programmiert wird. Darüber hinaus ließe sich in der Konklusion der Forscher auch ein Indiz dafür sehen, dass Frauen in Teams von Programmierern durch kritische Reflexion der Ergebnisse einen Mehrwert bieten könnten. Diese selbstkritische Haltung folgt unter Umständen aus den Vorurteilen bzw. Ressentiments, denen Frauen in informationstechnologischen Studiengängen auch heute noch ausgesetzt sind. Männer hingegen ziehen aus der personellen Dominanz ihres Geschlechts vom Hörsaal bis in die Chefetage womöglich ein gewisses Selbstbewusstsein. Diese Gewissheit, man sei „unter sich“, könnte sich in der Machart bestehender informationstechnologischer Strukturen niedergeschlagen haben.

Ist die Cloud nun ein Mann?

Johannes Hiemer ist Inhaber und Geschäftsführer der evoila GmbH.
Johannes Hiemer ist Inhaber und Geschäftsführer der evoila GmbH. (Bild: Mickey Markovic / evoila)

Zur Beantwortung dieser Frage muss man zunächst ihr Wesen bestimmen. Die Cloud ist keine physische Größe, sie dient vielmehr als Begrifflichkeit, um ein globales Netzwerk an Servern zu beschreiben. Die Cloud ist pluralistisch, eine Plattform zur Verknüpfung verschiedenster Inhalte. Sie darf nicht als unabänderliche Struktur, sondern muss vielmehr als ein auf Weiterentwicklung beruhendes, sich stets im Wandel befindendes Konstrukt begriffen werden. Die Cloud bietet somit überhaupt erst die Möglichkeit, auch subjektive, insbesondere geschlechtsspezifische Blickwinkel (nachträglich) zu integrieren. Sollte es sich also bestätigen, dass die weibliche Komponente unterrepräsentiert ist und es damit an einer gewissen Heterogenität mangelt, ist die Cloud ganz bestimmt nicht das Problem. Sie ist eine Chance.

Der Autor: Johannes Hiemer ist Inhaber und Geschäftsführer der evoila GmbH.

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