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Geschäfte, Lager und Wohnungen durchsucht

Über 100.000 DVDs bei PC Fritz sichergestellt

| Redakteur: Harry Jacob

Billigstpreise dank Raubkopien? Microsoft schätzt den eigenen Schaden auf einen siebenstelligen Euro-Betrag.
Billigstpreise dank Raubkopien? Microsoft schätzt den eigenen Schaden auf einen siebenstelligen Euro-Betrag. (Collage: IT-BUSINESS, Quelle: PC Fritz, Daimler AG)

Wenn sich bestätigt, was die Staatsanwaltschaft vermutet, dann ist der deutsche Softwarehandel um einen unlauteren Mitspieler ärmer. Microsoft schätzt, dass die PCFritz.de Onlinestore GmbH einen Millionenschaden durch Raubkopien verursacht hat.

Am Mittwoch haben rund 100 Zollbeamte Geschäftsräume und Lager des Online-Händlers PC Fritz durchsucht, ebenso Privatwohnungen von Tatverdächtigen, teilte Microsoft mit. Hintergrund des Einsatzes waren Raubkopien von Windows 7, die in immer größerer Zahl von Kunden bei Microsoft zur Echtheitsüberprüfung eingereicht worden waren. Zahlreiche dieser Raubkopien hatte nachweislich PC Fritz vertrieben.

Nach den bisherigen Feststellungen sind die schwarz gebrannten Datenträgern den Reinstallations-DVDs von Dell-Rechnern nachempfunden. Die Verpackung stammt nicht von Microsoft, und auch die beiliegenden Echtheitszertifikate sind gefälscht. Wer die Raubkopien hergestellt hat, ist bislang offen.

Verdächtige Angebote

Parallel zu den festgestellten Raubkopien hatten sich auch andere Software-Händler immer öfter über die Angebote von PC Fritz bei Microsoft beschwert. Seit vergangenem Winter hatte der Online-Shop, der neben Büro-Software auch Hardware, PC- und Videospiele sowie allerlei Consumer Electronic führt, mit nicht nachvollziehbaren Preisen den seriösen Händlern zunehmend Kunden abgejagt. Aktuell bietet der Online-Shop pcfritz.de mit dem Hinweis „Unser Topseller“ Windows 7 Professional in einer 64-Bit-Version zum Preis von 29,90 an, nach eigenen Angaben 60 Prozent unter dem üblichen Preis.

Damit ist PC Fritz noch nicht einmal der günstigste Anbieter. Wenn man nur Angebote in Betracht zieht, die zumindest den Anschein eines Originals inklusive entsprechender Verpackung erwecken, dann findet man leicht auch einen Online-Shop, der nur 25 Euro verlangt.

Bestände sichergestellt

In Berlin und Halle wurden Geschäftsräume, Lager und Privatwohnungen durchsucht sowie Unterlagen und Software-Pakete sichergestellt.
In Berlin und Halle wurden Geschäftsräume, Lager und Privatwohnungen durchsucht sowie Unterlagen und Software-Pakete sichergestellt. (Microsoft Deutschland GmbH)

Microsoft hatte aufgrund der Kunden- und Händlerhinweise zunächst eigene Ermittlungen angestellt und schließlich Strafanzeige erstattet. Nach weiteren Ermittlungen der Behörden haben dann unter Federführung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Organisierte Kriminalität in Halle mehr als 100 Beamte der Zollfahndungsämter Dresden und Berlin-Brandenburg insgesamt 18 Objekte durchsucht. Dabei wurden über 100.000 Datenträger sichergestellt. Auch hunderte Postsendungen von PC Fritz an Kunden wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft abgefangen.

Nun werden die sichergestellten Datenträger überprüft, um festzustellen, ob es sich um Raubkopien handelt.

Raubkopien schaden nicht nur Microsoft

Die Überprüfung der DVDs ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch Joachim Rosenögger, Ermittlungsleiter Produktpiraterie bei Microsoft, kommentierte bereits direkt im Anschluss an die Durchsuchungsaktion: „Wir sind erleichtert, dass dem Treiben von PC Fritz vorerst ein Ende gesetzt worden ist.” Dies sei der guten Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden geschuldet.

Er wies noch einmal darauf hin, dass Softwarepiraterie eine ernstzunehmende Straftat ist und auch diese Form der Wirtschaftskriminalität konsequent verfolgt wird. Die wirtschaftlichen Einbußen bei Microsoft belaufen sich im Falle von PC Fritz ersten eigenen Schätzungen zufolge auf einen siebenstelligen Betrag. Hinzu kommt der Schaden, der Kunden und Händlern entsteht, die Fälschungen aufgesessen sind.

Bei Zweifeln: Prüfen lassen!

Verdächtige Produkte können auch weiterhin zur Analyse an den Microsoft Produktidentifikationsservice (kurz: PID-Service) eingeschickt werden.

Wie die rechtliche Situation aussieht, das erläutert die Rechtsanwalts-Kanzlei Rassi Warai in diesem Artikel.

UPDATE: Einstweilige Verfügung gegen Microsoft erwirkt

Wie angekündigt hat die PCFritz.de Onlinestore GmbH gegen Microsoft eine einstweilige Verfügung erwirkt. Vier Aussagen werden in dem Beschluss des Landgerichts Köln (AZ 33 O 215/13) aufgeführt, die Microsoft nicht mehr verbreiten darf:

  • das PC Fritz gefälschte Software und Raubkopien von Windows 7 besitze und/oder vertreibe;
  • dass Microsoft durch das Verhalten von PC Fritz wirtschaftliche Einbußen sowie Kunden und Händlern Schäden entstanden seien;
  • dass PC Fritz die gefälschten Datenträgern Sicherungskopien nachempfunden habe;
  • und dass PC Fritz Raubkopien mit eigenen Verpackungen und gefälschten Echtheitszertifikaten versehen und zu weit unter dem Marktpreis liegenden Konditionen vertrieben habe.

Microsoft hat die entsprechende Pressemitteilung zunächst von der Website genommen, obwohl zum Zeitpunkt der Nachfrage durch IT-BUSINESS die Verfügung noch nicht eingegangen war. Der Software-Hersteller will den Beschluss nach Zustellung prüfen und behält sich weitere rechtliche Schritte vor.

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