Nach der Entscheidung zu Download-Lizenzen U-S-C zum EuGH-Urteil über Gebrauchtsoftware: „Sensationell“

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Katrin Hofmann / Katrin Hofmann

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Weiterverkauf gebrauchter Download-Lizenzen sorgt in der Branche für Wirbel. Was die Entscheidung für den Anbieter gebrauchter Lizenzen U-S-C bedeutet, erklären die beiden Geschäftsführer Peter Reiner und Walter Lang.

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Peter Reiner (links) und Walter Lang, die beiden Geschäftsführer von U-S-C
Peter Reiner (links) und Walter Lang, die beiden Geschäftsführer von U-S-C

Gebrauchte Download-Software darf grundsätzlich weiterverkauft werden. Das hat der EuGH im Streit zwischen dem Gebrauchtsoftware-Händler usedSoft und Oracle entschieden. Während sich Oracle über das Urteil enttäuscht zeigte, jubeln die Gebrauchtsoftware-Anbieter. Laut U-S-C aus München hat aber auch mancher der Secondhand-Händler Grund genug, wenig euphorisch auf die EuGH-Entscheidung zu reagieren. Warum erläutern die beiden U-S-C-Chefs im Interview mit IT-BUSINESS und erklären außerdem, was das Urteil für den Umgang mit Volumenlizenzen bedeutet.

ITB: Wie schätzen Sie das Urteil ein?

Reiner: Dieses Urteil ist für alle Seiten überraschend und zugleich sensationell. Der Europäische Gerichtshof hat nicht einfach die drei Fragen des Bundesgerichtshofs zum Download-Verkauf mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet. Sondern es wurden gleich alle weiteren offenen Punkte im Rahmen des Verkaufs von gebrauchter Software exakt und ohne Interpretationsspielraum geklärt. So wurden vermeintliche Gewinner zeitgleich zu großen Verlierern.

ITB: Wie meinen Sie das?

Reiner: Das EuGH ist bekannt für seine positive Stellung zum freien Wettbewerb – und jetzt haben die Hersteller den Kampf gegen gebrauchte Software wirklich und endgültig verloren. Aber auch nur wenige Gebrauchthändler können sich wirklich freuen, denn gleichzeitig haben meiner Meinung nach große Gebrauchthändler bei genauer Betrachtung eine dramatische Schlappe erlitten. Es ist meiner Ansicht nach kein Zufall, dass manche Gebrauchthändler in ihren Pressemitteilungen wichtige Passagen des Urteils (wie das Verbot der Aufspaltung von Lizenzen) weglassen, denn gerade diese Passage stellt ja plötzlich deren Geschäftsmodell über Nacht in Frage.

ITB: Was wurde denn vom EuGH exakt geklärt?

Lang: Viele Dinge sind nun eindeutig geklärt. Office 2007 zum Download beispielsweise kann nun offiziell und legal gebraucht gehandelt werden. Außerdem wurde das deutsche OEM-Urteil (Thema: Software von der Hardware trennen) extra nochmals wörtlich bestätigt und gilt jetzt plötzlich für ganz Europa. Und der Knaller: Komplette Lizenzverträge dürfen jetzt auch wieder verkauft werden, auch wenn dies in den AGBs verboten wurde. Das EuGH hat ausdrücklich hervorgehoben, dass solche Verbote nichtig sind. Einfach sensationell. Jetzt lebt unser Geschäftsmodell für gebrauchte Software wieder zur vollen Blüte auf und zwar vom EuGH absolut rechtssicher bestätigt. Das Verbot der Lizenz-Aufspaltung tangiert unser Geschäft ja nicht.

Mehr dazu, was das Urteil fürs Volumenlizenz-Geschäft U-S-C zufolge bedeutet und ob es Raubkopierern eventuell Rückenwind geben könnte, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

ITB: Was bedeutet das Urteil für das Geschäft mit aufgespalteten Lizenzen?

Reiner: Ich glaube, das Geschäftsmodell mit den aufgespalteten Lizenzen ist am Ende. Alle anderen Darstellungen zum Beispiel für Office scheitern aus unserer Sicht, da immer mit einer einzigen „Master-CD“ die Software-Verteilung durchgeführt wird: ob das nun ClientServer heißt oder anders. Und diese Master-Kopie kann man beim Teilverkauf nicht löschen, was aber grundsätzlich gefordert wird. Aber der U-S-C ist dies auch egal, da wir dieses Geschäftsmodell wegen diesem Restrisiko nie angeboten haben.

ITB: Was bedeutet die Entscheidung für die Kunden, die bereits Teil-Lizenzen erworben haben?

Lang: Meiner Meinung nach könnten diese Kunden und deren Händlern nun ein Mega-Problem am Hals haben. Ich bin kein Jurist, aber diese Kunden haben wahrscheinlich falsch gekauft und im Streit mit Microsoft wohl schlechte Karten. Sie haben sich für den Kauf von Teil-Lizenzen mit Restrisiko entschieden, das jetzt leider für sie eingetreten ist.

ITB: Macht das Urteil Raubkopierern das Leben leichter?

Lang: Nein. Wer seriös gebrauchte Software ankauft oder handelt, wird sicherstellen, dass die Kette der Lizenznehmer offengelegt wird. Es werden die Lizenznummern der Hersteller offen weiter gegeben und man sorgt dafür, zum Beispiel durch eidesstattliche Versicherung, dass der alte Lizenznehmer keine Programmkopie mehr hat. Für den Käufer gilt, wie auch schon in der Vergangenheit: Wenn sich jemand ein Auto kauft, viel zu billig, ohne KFZ-Schein und ohne Originalschlüssel, braucht er sich nicht wundern, wenn das Auto gestohlen ist.

ITB: Was bedeutet dieses Urteil für die zukünftige Strategie von U-S-C?

Reiner: Wir können nun unser fast zehnjähriges Geschäftsmodell absolut rechtssicher weiterführen und sehen mit diesen neuen Rahmenbedingungen für die Zukunft ein sehr großes Potenzial: europaweit.

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