Münchner Firma stellt sich breiter auf U-S-C-Geschäftsführer: „Gebrauchtsoftware-Geschäft ist womöglich endlich“

Redakteur: Katrin Hofmann

Peter Reiner, Geschäftsführer des Unternehmen U-S-C, das Endkunden und Resellern neue und gebrauchte Software, Hardware und Lizenz-Beratung offeriert, ist skeptisch, was die Zukunft des Gebrauchtsoftware-Handels betrifft. Warum er das glaubt und wie sich U-S-C deshalb positioniert, erläutert Reiner im Interview mit IT-BUSINESS.

Firmen zum Thema

Peter Reiner ist einer von zwei Geschäftsführern bei U-S-C.
Peter Reiner ist einer von zwei Geschäftsführern bei U-S-C.
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Wie entwickelt sich derzeit Ihr Geschäft und wie das mit Second-Hand-Software?

Reiner: 2010 haben wir im Vergleich zu 2009 unseren Umsatz um 45 Prozent erhöht. Der Umsatz mit gebrauchter Software ist im vergangenen Jahr – aber auch schon 2009 – in etwa konstant geblieben. Wachstumstreiber für U-S-C sind Software-Asset-Management-Dienstleistungen (SAM) oder der Verkauf neuer Software an Endkunden und Reseller. Dabei ist für mich SAM das interessanteste Thema, da es für uns mit dem meisten Wachstum verbunden ist.

Einen weiteren Fokus richten wir seit Januar 2011 auf den Verkauf von Hardware, um dem Kunden alles aus einer Hand bieten zu können. Wir machen inzwischen auch einen erheblichen Umsatzanteil mit neuen Adobe-Lizenzen und gerade mit unserer Abteilung für die Händlerbetreuung. So passen wir uns der Nachfrage an.

ITB: Warum stagniert aus Ihrer Perspektive der Gebrauchtsoftware-Verkauf?

Reiner: Die Ursachen dafür sind die bei Kunden fruchtende Verunsicherung durch die Hersteller und nach wie vor bestehende rechtliche Rest-Risiken, wie die Aufteilung von Volumenlizenzen bei anderen Gebrauchtsoftware-Anbietern. Daneben gibt es aber auch die technologischen Sprünge. Nachdem beispielsweise 2007 Vista erschienen war, suchten viele Anwender nach gebrauchten XP-Lizenzen, in Verbindung mit Nachfrage nach Office 2003. In der Krisenzeit 2009 und 2010 wurden viele IT-Projekte vorerst eingestellt und nachdem dies abgeklungen ist, beobachten wir den Trend hin zum Kauf der aktuell verfügbaren Software-Versionen: Windows 7, Office 2010, aber auch Server-Betriebssystemen wie Windows Server 2008. Diese sind schlicht und ergreifend gebraucht noch nicht verfügbar. Dagegen spüren wir seit rund einem halben Jahr einen Aufschwung bei der Nachfrage nach neuer Software.

ITB: Welche Auswirkungen hat aus Ihrer Sicht Cloud Computing?

Reiner: Cloud Computing – wenn sich dieser Trend, wie ich glaube, weiter verstärkt – macht immer mehr Kauf-Software obsolet. Und bei einem Mietmodell gibt es keinen Weiterverkauf mehr. Gleichzeitig beschränkt immer mehr Download-Software den Handel – weil hier die Rechtslage noch unklar ist. Ebenso fraglich ist nach wie vor, wie ein Verbot des Weiterverkaufs in den AGBs von bestimmten Volumenverträgen zu handhaben ist. Da wir den Weiterverkauf von der Zustimmung des Herstellers abhängig machen, werden wir solche Lizenz-Bündel, die ab 2012 verstärkt gebraucht auf den Markt kommen werden, nicht anbieten. Wir sind darauf spezialisiert, nur rechtssichere Einzellizenzen und zudem nicht gesplittete Verträge zu offerieren: Und dies unter Einbeziehung des ursprünglichen Rechte-Inhabers bei der Lizenzübertragung.

ITB: Was glauben Sie, könnte der Europäische Gerichthof (EuGH), an den kürzlich der BGH eine Entscheidung übergeben hat, urteilen?

Reiner: Ich bin ein wenig skeptisch bezüglich der Freude manches Marktteilnehmers über die Weitergabe der Entscheidung an den EuGH. Der EuGH hat über Download-Software und ob nach dem ersten Kauf Erschöpfung eintritt – diese dann vom Erst-Käufer weiterverkauft werden kann – zu entscheiden. Ich könnte mir vorstellen, dass die europäischen Richter hierbei über den Gebraucht-Software-Handel hinaus auch an die Musik- und Spiele-Industrie und deren kostenpflichtige Downloads denken: und dann möglicherweise den Handel mit gebrauchten Download-Lizenzen nicht so locker sehen, wie es sich mancher Händler wünscht.

ITB: Sie offerieren auch Resellern spezielle Angebote. Welche?

Reiner: Wir haben mittlerweile – wegen des wachsenden Erfolges unserer Zusammenarbeit mit Händlern besonders im Jahr 2010 – eine eigene Abteilung aufgebaut mit drei Mitarbeitern, die rund um die Uhr Systemhäuser und Reseller betreuen. Wir bieten diesen Partnern spezielle Einkaufskonditionen und wollen mit Geschwindigkeit und Flexibilität überzeugen – ganz egal, ob es um große Posten neuer Software geht oder einen ausgefallenen Gebrauchtsoftware-Wunsch. Für die Vermittlung unserer Software-Asset-Management-Dienstleistungen an ihre Kunden können Systemhäuser – abhängig von der Größe des möglichen Auftrags und einer individuellen Absprache mit uns – auch Provision erhalten und darüber hinaus ihren Kunden einen zusätzlichen Nutzen bieten.

Wie andere Marktteilnehmer auf die Weitergabe des Urteils über Gebrauchtsoftware an den EuGH reagierten, erfahren Sie hier.

(ID:2050859)