Interview mit Christoph Dassau von Ingram Micro TV-Markt bleibt schwierig

Redakteur: Erwin Goßner

Flache TV-Geräte gelten als größter Wachstumsmotor der Unterhaltungselektronik, für viele aber auch als Schlüssel zum Konvergenzmarkt. Über dieses Thema sprach IT-BUSINESS mit Christoph Dassau vom ITK-Distributor Ingram Micro.

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ITB: Herr Dassau, wie verläuft die Entwicklung bei TV-Displays?

Dassau: Im letzten Jahr hat sich der LCD-TV-Umsatz verdoppelt, im Jahr 2007 wird er mehr als zwei Drittel des TV-Markts ausmachen. Dazu kommen Plasma-TVs mit einer Umsatzsteigerung von 25 Prozent. Die herkömmlichen Röhrenfernseher machen nur noch ein Siebtel des Gesamtmarkts aus, ihr Anteil dürfte sich dieses Jahr halbieren. Der Fokus bei Flat-TVs liegt aktuell auf Full-HD, und es kommt darauf an, in Zukunft genügend hochauflösende Inhalte anzubieten. Die Fernsehtechnologie ist dafür bereit. In Großbritannien und in den USA ist es möglich, viele Spartenprogramme, vom Sport bis hin zu den Nachrichten, rund um die Uhr relativ preiswert in HD-Qualität zu empfangen. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Je länger wir darauf bei TV- und Pay-TV-Kanäle warten müssen, desto größer sind die Chancen für Internet-TV, eines der diesjährigen CeBIT-Themen.

ITB: Sind Flat-TVs im IT-Channel richtig positioniert oder besser im CE-Bereich aufgehoben?

Dassau: Neben IT-Herstellern, die ihr Portfolio mit TVs erweitert haben, sind auch neue CE-Hersteller am Markt vertreten. Beispiele dafür sind etwa Haier und Funai, die vergangenes Jahr zur CeBIT beziehungsweise zur IFA an den Start gingen. Diese Anbieter müssen sich profilieren, meistens funktioniert das primär über den Preis. Bei einem europäischen Vergleich der Absatzkanäle haben unabhängige Anbieter und Kooperationen verloren, Massenmärkte, Retailer, E-Tailer sowie die angrenzenden Lebensmittelmärkte gewonnen. Die Gewinner verkaufen über den Preis, ohne hohe Marge. Ich glaube allerdings nicht, dass sich dieser Trend fortsetzt, da Beratung wieder mehr zählt. Deshalb wird auch in Zukunft kein Weg am Fernsehfachhandel vorbeiführen – aber dazu gehört mittlerweile auch der eine oder andere ehemals klassische IT-ler.

ITB: Lassen die klassischen CE-Anbieter dies überhaupt zu?

Dassau: Die Frage müsste vielmehr lauten: Lassen die Panel-Anbieter das zu? Denn die größten Hersteller verkaufen einerseits unter eigenem Brand, sind andererseits aber auch im OEM-Geschäft aktiv, und können so den Markt steuern. Im Unterschied zu Japanern und Koreanern haben die Taiwanesen durch weniger bekannte Marken mehr Probleme, ihre TV-Geräte über den Fernsehfachhandel zu verkaufen. In zunehmendem Maße muss sich der Handel aber mit digitalen Produkten aus dem Bereich Content-Streaming, etwa von Cisco, Linksys, Buffalo oder AVM, beschäftigen, wodurch sich auch für Flat-TVs von IT-Anbietern dieser Markt öffnen könnte.

ITB: Welche Erfahrungen hat Ingram Micro mit dem Fernseher im IT-Absatzkanal bereits gemacht?

Dassau: Bei jedem neuen Produkt gibt es Early Adopters, im Fall digitaler Produkte sind die meist auch unter unseren IT-Kunden zu finden. Wenn davon fünf- bis zehntausend einen Flat-TV für den Eigenbedarf kaufen, setzen sie sich damit erstmals mit der Thematik auseinander. In einigen Fällen lassen sich die Ergebnisse direkt in Form von Projektgeschäften ablesen. Die Bandbreite reicht dabei vom 17-Zoll-Multifunktionsgerät mit integriertem TV-Tuner bis zum Public Display. Bei Umsatz und Stückzahl verschwimmen die Grenzen zwischen den verschiedenen Produktkategorien – nicht jedoch bei den Applikationen. Ein TV ist einfach installiert, beim Hotel-TV oder im Public Sector steckt aber immer eine Lösung dahinter. Es sollte deshalb genau hinterfragt werden, was der Endkunde genau benötigt.

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