IT-Ausfallsicherheit Trotz Ausfällen und Downtimes krisenfest: das Internet

Autor / Redakteur: Tobias Schneider / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Das Internet hat die massiven und pandemiebedingten Mehrbelastung im Frühjahr 2020 gut weggesteckt. Dennoch zeigt der dramatische Anstieg von Internetausfällen im Lauf des vergangenen Jahres die Notwendigkeit von Performance-Optimierung und erhöhter IT-Ausfallsicherheit.

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Spätestens die Krise im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie wichtig Netzwerk- und Performance-Überwachung und -Management auf breiter Ebene sind.
Spätestens die Krise im vergangenen Jahr hat gezeigt, wie wichtig Netzwerk- und Performance-Überwachung und -Management auf breiter Ebene sind.
(Bild: ThousandEyes)

Die Ereignisse des Jahres 2020 sind beispiellos und haben dem Internet einiges abverlangt: Mit dem kurzfristigen Übergang zu Homeoffice, Home-Schooling sowie der verstärkten Nutzung von On-Demand-Entertainment-Services gab es Internetausfälle in noch nie dagewesenem Ausmaß. Allein im März stiegen die Ausfälle im Vergleich zum Jahresanfang, vor den Auswirkungen der Pandemie, um mehr als 60 Prozent – das zeigt der aktuelle Internet Performance Report von ThousandEyes [Registrierung erforderlich]. Viele Unternehmen ziehen daraus Konsequenzen und setzen auf die Optimierung ihrer Performance und erhöhte Ausfallsicherheit in der IT-Infrastruktur.

Dauerbelastung des Internets während des Lockdowns

Mit dem Beginn des Lockdowns war für viele Unternehmen der Druck groß, quasi über Nacht Homeoffice zu ermöglichen. Problematisch war vor allem, dass dabei keine Zeit für strategisch wichtige Technologieentscheidungen blieb, da die Unternehmen teilweise nur 48 Stunden Zeit hatten, um ihre Lösungen anzupassen oder neue Lösungen zu implementieren.

Viele Organisationen lösten dieses Problem, indem sie ihre bestehende Infrastruktur erweiterten oder schnell auf Lösungen umschwenkten, die sie in längerfristigen Planungen bereits im Vorfeld evaluiert hatten. Dazu weiteten viele Unternehmen ihre VPN-Lizenzen aus oder wechselten den jeweiligen VPN-Provider in Nacht-und-Nebel-Aktionen. Zusätzlich erweiterten sie ihre Lizenzen für Collaboration-Tools oder setzten diese gänzlich neu auf. Im Hintergrund wurde am Netzwerk gearbeitet, um sicherzustellen, dass eine einwandfreie Vernetzung der gesamten Infrastruktur gewährleistet werden konnte.

Allerdings sahen sich viele Unternehmen mit zahlreichen Schwierigkeiten hinsichtlich der Internet-Performance konfrontiert. Die schnelle Etablierung von Cloud-Diensten, die weit verbreitete Nutzung von SaaS-Anwendungen und die zunehmende Abhängigkeit vom Internet haben für Unternehmen in den letzten Jahren bereits hohe Risiken für die Geschäftskontinuität mit sich gebracht. Durch die neue Ausnahmesituation verschärfte sich die Lage zusätzlich dramatisch.

Weltweite Ausfälle nahmen zu

Wie erwartet zogen diese Veränderungen, die mit heißer Nadel gestrickt waren, weitreichende Konsequenzen nach sich. IT-Teams wurden mit Support-Tickets von Nutzern überhäuft, die es bislang nicht gewohnt waren, von zu Hause zu arbeiten und dort vielfach auch nicht über die passende Infrastruktur verfügten. Internetstörungen weltweit erlebten einen beispiellosen Anstieg. Laut dem Internet Performance Report von ThousandEyes nahmen diese im März um 63 Prozent gegenüber Januar 2020 zu und blieben bis zum Ende der ersten Jahreshälfte 2020 im Vergleich zum Stand vor der Pandemie konstant erhöht. Im Juni wurden im Vergleich zum Januar 44 Prozent mehr Störungen verzeichnet.

Internet Service Provider waren dabei am stärksten betroffen, während die Netzwerke der Cloud Provider insgesamt stabiler waren. Am einprägsamsten zeigt sich dies, wenn man die Zahl an absoluten Ausfällen miteinander vergleicht. Zwischen Januar und Juli erlebten Cloud Provider weltweit ca. 400 Ausfälle. Bei den ISP-Netzwerken wurden hingegen mit rund 4.500 Störungen mehr als die zehnfache Menge verzeichnet. Bezogen auf die Gesamtzahl der Ausfälle traten mehr als 80 Prozent in ISP-Netzwerken und weniger als 10 Prozent in Netzwerken von Cloud Providern auf.

Gleichzeitig zeigt der Internet Performance Report auch, dass in der EMEA-Region, im Vergleich zum nordamerikanischen oder pazifischen Raum, mehr Internetausfälle während der regulären Geschäftszeiten stattfanden. Besonders prekär gestaltet sich dieser Umstand für Unternehmen in dieser Region: Mitarbeiter konnten nicht auf die notwendigen Infrastrukturen zugreifen und Dienste nicht wie gewohnt zur Verfügung gestellt werden.

Dennoch gute Gesamtnoten

Dennoch hat sich das Internet während der Zeit des Lockdowns insgesamt gut gehalten. Trotz nie dagewesener Zustände und einer Zunahme von Netzwerkstörungen konnten sich die auf dem Internet basierenden Infrastrukturen behaupten, was auf eine insgesamt hohe Kapazität, Skalierbarkeit und Flexibilität der Betreiber hindeutet. Diese Eigenschaften waren die Grundlage dafür, dass sich die Betreiber den unvorhergesehenen Anforderungen anpassen konnten.

Negative Performance-Indikatoren wie Verzögerungen bei der Datenübertragung, Verluste von Daten und Instabilität hinsichtlich des Datenverkehrs blieben im Allgemeinen innerhalb tolerierbarer Grenzen, sodass es keine Anzeichen für einen systemischen Notstand gab. Trotz der gestiegenen Anzahl an Ausfällen zeigte sich also, dass das Internet belastbarer war als viele Beobachter noch vor der Krise vermutet hatten – ein Umstand, der wesentlich zu einer Stabilisierung der gesamten Lage beitrug.

Homeoffice und Home-Schooling werden zur Normalität

Erst kürzlich war die Arbeit im Homeoffice in vielen Unternehmen noch nicht die Regel. Laut Eurostat arbeiteten im Jahr 2019 nur rund 5,2 Prozent der Deutschen von zu Hause aus. Doch während des Beginns der Coronapandemie, als Unternehmen gezwungen waren, Homeoffice zu ermöglichen, haben Führungskräfte und Mitarbeiter vermehrt die Vorteile einer höheren Produktivität und besseren Work-Life-Balance erkannt.

Eine kürzlich vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung durchgeführte Studie hat gezeigt, dass sich 83 Prozent der deutschen Unternehmen in der Informationsindustrie und 70 Prozent der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes infolge der Pandemie nun bewusst sind, dass sich weit mehr Tätigkeitsbereiche für die Arbeit im Homeoffice eignen als ursprünglich angenommen. Viele Unternehmen hatten zwar anfangs Mühe, sich kurzfristig auf die Remote-Arbeit einzustellen, allerdings ist nun ein eindeutiger Wandel hin zu dauerhaften Vorkehrungen für Homeoffice-Szenarien zu beobachten.

Wir befinden uns derzeit im „New Normal“ – Homeoffice und Home-Schooling haben sich zur Normalität entwickelt und Organisationen wollen besser auf weitere Ausnahmesituationen vorbereitet sein: Unternehmen analysieren ihre Netzwerkstrukturen und ihre Sicherheitsarchitektur und denken darüber nach, wie sie Ausfälle erkennen und beheben können, falls diese auftreten sollten. Dies führt zu einer Neuausrichtung der Netzwerkinfrastruktur, die sich deutlich von den Netzwerkplattformen unterscheiden, die vor März 2020 im Einsatz waren.

Dennoch ist das Internet naturgemäß unvorhersehbar und Ausfälle sind selbst unter normalen Bedingungen unvermeidlich. Insbesondere durch die gesteigerte Abhängigkeit wichtiger Cloud-Services und SaaS-Anwendungen, sowohl vonseiten der Unternehmen wie auch vonseiten der Zivilgesellschaft, können plötzlich auftretende Störungen existenzbedrohend sein. Denn im Fall von Störungen ist es IT-Teams meist nicht möglich, die Ursache schnell zu identifizieren und angemessen darauf zu reagieren. Selbst wenn sie die Kapazitäten dazu haben sollten, können bis zur endgültigen Problemidentifikation und -lösung Tage oder sogar Wochen vergehen. Instabile Netzwerke und Störungen jeglicher Art führen daher oftmals zu Umsatz- und Reputationsverlusten, die Unternehmen nachhaltig schädigen können.

Performance-Optimierung und kurze Reaktionszeiten sind essenziell

Gerade deswegen sind Einblicke in die Netzwerkinfrastruktur unabdingbar. Für Unternehmen ist es allerdings im Gegensatz zum eigenen Firmennetzwerk sehr viel schwieriger, einen Überblick über den grundsätzlichen Zustand des Internets zu erhalten. Neue Monitoring-Technologien ermöglichen Unternehmen jedoch, durch Tausende globaler Sensoren, die täglich Milliarden von Messungen aufzeichnen, eine bessere Sichtbarkeit in Cloud- und Internet-Netzwerke. Auf diese Weise erhalten IT-Verantwortliche wichtige Einblicke in den Zustand des Internets. So können diese schneller auf Ausfälle reagieren, bei Problemen in kürzester Zeit aktiv werden und sich um deren Beseitigung kümmern. Damit wird die Zeit zur Ursachenfindung und Problemlösung erheblich verkürzt und eine bessere Kommunikation mit den Kunden ermöglicht. Ein weiterer Vorteil dieser Möglichkeiten ist zudem, dass Ausbau und Optimierung der eigenen Infrastrukturen und Performance auf Basis solider Informationen stattfinden können.

Fazit

Angesichts der Störungen, die Unternehmen in den ersten Monaten des Jahres 2020 erlebt haben, und angesichts der Tatsache, dass sie sich auf dauerhaftere Homeoffice-Szenarien vorbereiten, beginnen sie nun damit, die Performance, die sie von ihren bestehenden Netzwerken und Infrastruktureinrichtungen erhalten, neu zu bewerten. Neue Monitoring-Technologien bieten umfassende Einblicke in die Cloud und das Internet.

Tobias Schneider.
Tobias Schneider.
(Bild: ThousandEyes)

Diese Einblicke benötigen Unternehmen, um zu verstehen, wie ihre Ist-Situation aussieht und wie sie eine bessere und widerstandsfähigere IT-Umgebung planen können, um weiterhin eine Infrastruktur aufzubauen, die die externen Abhängigkeiten von Cloud- und Internet-Netzwerken bewältigen kann. Denn nur durch Performance-Informationen, die nahezu in Echtzeit vorliegen, lassen sich wichtige Geschäftsentscheidungen hinsichtlich der zugrundeliegenden Infrastruktur treffen.

Über den Autor

Tobias Schneider ist Digital Experience Monitoring Sales Specialist bei ThousandEyes.

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