FIT-Kongress „ Frauen in der IT – Future of IT“ Traut Euch mehr!

Redakteur: Sylvia Lösel

Weniger Selbstzweifel und mehr Mut – diesen Rat gibt Diana Coso, CEO bei Axians, ihren Geschlechtsgenossinnen. Coso ist Keynote-Sprecherin auf dem FIT-Kongress, der am 9. November in Berlin stattfindet.

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Diana Coso, CEO Axians
Diana Coso, CEO Axians
(Bild: Axians)

ITB: Stehen wir Frauen uns manchmal selbst im Wege?

Coso: Frauen und Männer sind unterschiedlich, und das ist gut so. Das heißt aber auch, dass wir Frauen vor Hindernissen stehen, die Männer so gar nicht sehen. Wir üben zum Beispiel mehr Selbstkritik und zweifeln sehr viel stärker an uns selbst. Außerdem meinen viele Frauen, dass sie zwischen Familienplanung und Karriereplanung wählen müssen. Besonders wenn sie eine Beförderung erhalten haben oder etwa durch Schulungen weitergebildet werden, fühlen sie sich verpflichtet, Privates hinten anzustellen. Das ist ein großer Showstopper. Ich sage: Es ist völlig legitim, sich ein Baby zu wünschen und gleichzeitig Karriere zu machen. Hier geht es nicht um Männerrechte, sondern um Menschenrechte. Frauen dürfen jedoch nicht darauf warten, dass die Männerwelt ihnen den Weg ebnet. Stattdessen müssen sie aufstehen und ihre Rechte für sich einfordern. Sie müssen selbstbewusster und mutiger werden und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Es gilt, die klassischen Blockaden zu erkennen und sich aus den Denkfallen zu befreien. Dafür sind weibliche Vorbilder bewusstseinsbildende Maßnahmen, ich halte Coaching und Mentoring von Frau zu Frau für sehr wichtig.

ITB:Transform to perform – müssen wir Frauen uns anpassen und wenn ja, wie?

Coso: Ein Stück weit ja. Die Werte in der Wirtschaft, der Duktus und Habitus sind männlich geprägt, weil oft nur Männer unter sich sind – it’s a man’s world. Das ist anfangs ein bisschen befremdlich. Hier dürfen Frauen nicht verzagen, sondern müssen die Männerwelt kennenlernen und sich gegebenenfalls ein wenig anpassen. Dabei dürfen sie ihre weibliche Seite aber durchaus beibehalten, denn diese ist ein Mehrwert für Unternehmen. Frauen warten zum Beispiel meist darauf, dass man ihr Talent entdeckt und rufen nicht laut: Ich bin die Beste. Viel zu oft lassen sie sich von ihrem inneren Zweifler zurückhalten, der bei Frauen sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei Männern. Wenn dann ein männlicher Kollege an ihrer Stelle befördert wird, sind sie enttäuscht. Ich versuche, jungen Kolleginnen Mut zu machen und sage ihnen: Traut euch bitte mehr! Je mehr Frauen aufstehen und auch Führungspositionen für sich beanspruchen, umso eher wird sich die Kultur ändern. Wir müssen uns nicht nur in der Digitalisierung entwickeln, sondern auch in Bezug auf menschliche Werte.

ITB:Welche Impulse waren ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?

Coso: Ich habe eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht und dann Wirtschaftsinformatik studiert. Anschließend habe ich meine Karriere bei dem IT-Hersteller HP begonnen. Technik, PCs und Programmierung haben mich immer interessiert. Ich sehe IT als Problemlöser, der Prozesse effizient macht und Dinge vereinfacht – und genau das bin ich auch. Mein Beruf erfordert sehr viel Kreativität, weibliches Denken und Effizienz. Dass ich heute dort bin, wo ich bin, verdanke ich auch den vielen weiblichen Mentorinnen, die mich während meiner Karriere begleitet haben. Dasselbe möchte ich nun für junge Kolleginnen tun.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Leistung geschlechtsunabhängig ist. Nur weil ich eine Frau bin, mache ich meinen Job nicht unbedingt besser als ein Mann. Das muss ich auch nicht – diesem Druck sollte sich keine von uns aussetzen. Aber ich kann meine weibliche Denkweise einbringen. Männer können viel von Frauen lernen und Frauen von Männern. Wir haben unterschiedliche Wertesysteme, reagieren anders – diese Gegensätze zeichnen uns aus und wir können uns gegenseitig ausbalancieren. Wenn wir in gemischten Teams zusammenarbeiten, macht uns das stark.

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