Cancom wächst weiter Systemhaus im Höhenflug

Autor / Redakteur: Michael Hase, / Marisa Metzger

Cancom konnte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres den Konzernumsatz und die Profitabilität deutlich steigern. Zu der Entwicklung trug unter anderem Cloud Computing bei. Mit IBM und Also als Kooperationspartnern treibt das Unternehmen jetzt die Internationalisierung seines Flaggschiffs, der AHP Enterprise Cloud, voran.

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Das Systemhaus Cancom hat zum Höhenflug angesetzt.
Das Systemhaus Cancom hat zum Höhenflug angesetzt.
(Bild: © dade72 - Fotolia)

Das Systemhaus Cancom hat im ersten Halbjahr 2016 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 492,2 Millionen Euro erzielt und ist damit um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) liegt mit 33,1 Millionen Euro fast 40 Prozent über dem Vorjahreswert in Höhe von 23,7 Millionen Euro. Für Wachstums­impulse haben laut dem Münchner ­Unternehmen unter anderem Big Data, ­Mobility und Security gesorgt.

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Konzernprofitabilität

Die EBITDA-Marge von Cancom ist im ersten Halbjahr auf 6,7 Prozent gestiegen. Verglichen mit dem Vorjahreswert von 5,5 Prozent hat das Unternehmen damit seine Profitabilität verbessert.

Ein weiterer Treiber war den Angaben ­zufolge die Cloud. In diesem Geschäft hat sich Cancom laut Analysten zu einem führenden Dienstleister und Provider in Deutschland entwickelt. „Der IT-Konzern hat schon frühzeitig mit einem ­umfassenden Cloud-Portfolio am Markt agiert, welches er jetzt kontinuierlich und zukunftsgerichtet ausbaut“, beobachtet Heiko Henkes, Director Advisor bei der Experton Group. Tatsächlich deckt Cancom das Spektrum von Managed Private Cloud über Managed Hosting bis Managed Public Cloud ab. Zu den Leistungen, die das Systemhaus dabei erbringt, zählen Beratung, Implementierung, Infra­struktur- und Anwendungsbetrieb sowie Services rund um Public-Cloud-Ange­bote von AWS, Microsoft und Softlayer.

AHP Enterprise Cloud

Als „Flaggschiff“ bezeichnet Cancom die AHP Enterprise Cloud. Dabei handelt es sich um eine schlüsselfertige Workplace-Architektur. Sie bietet Kunden eine ­mobile und flexible IT-Arbeitsplatzum­gebung, die inklusive Management und Nutzer-Provisionierung in einer Private Cloud bereitgestellt wird. Ein hoher Standardisierungs- und Automatisierungsgrad soll die Betriebskosten möglichst gering halten. Mit dem Konzept adressiert Cancom vor allem Unternehmen mit mehr als 250 ­IT-Arbeitsplätzen.

In Deutschland besitzt das Systemhaus mit dem Angebot bereits eine starke Marktposition. Um die internationale Reichweite der AHP Cloud zu erhöhen und die Vermarktung im Ausland zu fördern, haben die Münchner in den vergangenen Wochen Kooperationen mit IBM und Also geschlossen. Ende Juni kündigten sie eine mehrjährige Partnerschaft mit dem IT-Konzern an, in deren Rahmen die AHP Cloud über die Plattform der IBM-Tochter Softlayer bereitgestellt wird. Durch diese Zusammenarbeit können Cancom-Kunden weltweit auf IaaS-Leistungen aus knapp 50 Rechenzentren zugreifen. Auf diese Weise erhöhe sich „die globale Verfügbarkeit unserer Cloud-Services, was gerade für jene Unternehmen interessant ist, die von Deutschland aus internatio­nale Märkte bedienen“, betont ­Rudolf Hotter, Vorstand von Cancom. Hierzulande betreibt IBM eine Softlayer-Cloud in Frankfurt/ Main.

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Klaus Weinmann trennt sich von Cancom-Aktien

Der CEO und Gründer von Cancom, Klaus Weinmann, hat Aktien des Systemhauses im Gesamtwert von über vier Millionen Euro verkauft: Am 16. Juni trennte sich der IT-Unternehmer von 50.000 Aktien im Wert von 2,35 Millionen Euro.

Klaus Weinmann, Vorstandsvorsitzender bei Cancom
Klaus Weinmann, Vorstandsvorsitzender bei Cancom
( Bild: Cancom )

Am folgenden Tag machte er weitere 40.000 Anteilsscheine im Wert von 1,87 Millionen Euro flüssig. Auch das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Raymond Kober gab Cancom-Anteile ab. Er veräußerte 40.000 Aktien im Gegenwert von 1,91 Millionen Euro.

Partnerschaft mit Also

Über den Cloud-Marktplatz des Distributors Also bietet Cancom die AHP Enterprise Cloud künftig in Dänemark, Finnland, Norwegen, Osteuropa, Schweden und der Schweiz an. Damit können Fachhändler in diesem Ländern das Workplace-Konzept beziehen und an ihre ­Endkunden vermarkten. Die Koopera­tion ist insofern bemerkenswert, als sie deutlich macht, wie im Cloud-Geschäft die Rollen von Resellern und ­Anbietern mittlerweile ineinander übergehen.

Der deutsche Markt bleibt bei der Also-Partnerschaft zunächst außen vor. Immerhin verfügt Cancom hierzulande mit fast 30 Geschäftsstellen über ein dichtes Vertriebsnetz. Seine Salesforce hat das Systemhaus erst Ende Juli mit dem Kauf des Deutschlandgeschäfts von Misco ­gestärkt. Der Frankfurter ITK-Versandhändler, der vor allem Unternehmen des gehobenen Mittelstands und Konzerne bedient, soll künftig das gesamte Produkt- und Service-Portfolio von Cancom an seine Kunden vermarkten.

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Cloud 28+ treibt Nutzung von SaaS-Anwendungen voran

Die Initiative Cloud 28+ ist ein Zusammenschluss von Cloud-Service-Providern, Cloud- Resellern, unabhängigen Software-Anbietern (ISVs), Systemintegratoren und Behörden, der darauf abzielt, die Nutzung der Enterprise-Cloud in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) voranzutreiben. Cloud 28+ bietet die Möglichkeit, Informationen auszutauschen und über einen Online-Service-Hub, der in Europa bereitgestellt wird und lokal gesichert ist, vertrauenswürdige Cloud-Services und Enterprise-Apps anzubieten. Durch die zentrale Bündelung der Cloud-Applikationen sollen Service Provider ihren Endkunden ein breiteres Portfolio anbieten und zugleich ihre geografische Reichweite erhöhen können. Das Programm wurde von Hewlett Packard Enterprise (HPE) ins Leben gerufen.

Nicht zuletzt haben die Münchner im ­April einen Marktplatz gelauncht, der von ihrer Kölner Hosting-Tochter Pironet betrieben wird. Über den „BusinessCloud Marketplace“ sind Anwendungen großer Anbieter wie Microsoft oder Google sowie kleinerer Spezialisten zu beziehen. Zudem erhalten Software-Hersteller, die der europaweiten Initiative Cloud 28+ angehören, einen Zugang zur Plattform. „Mit unserem BusinessCloud Marketplace ­haben wir nun die Möglichkeit geschaffen, Anwendungen an einem Ort zu erwerben und sie anschließend per Single Sign-on zu nutzen“, erläutert Hotter.

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