Fachkräftemangel

Systemhäuser und die fehlenden Fachkräfte

| Autor / Redakteur: Andreas Wartenberg / Heidemarie Schuster

Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu.
Der Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu. (Bild: magele-picture - stock.adobe.com)

Deutsche IT-Dienstleister erwarten für 2020 einen Umsatzanstieg von über zehn Prozent. Doch die wachsende Auftragslage bringt laut einem Bericht von Lünendonk auch die Beratungs- und Systemhäuser an ihre Grenzen, denn auch hier fehlen an vielen Stellen Fach- und Führungskräfte.

Mit rund 124.000 unbesetzten Stellen (Bitkom, 2019) war die IT-Branche im vergangenen Jahr mitunter am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen – und ist es auch weiterhin. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) in ihrem kürzlich herausgegebenen Mittelstandsbarometer 2020. Demnach klagt jeder dritte Mittelständler über Vakanzen im IT-Bereich.

Aufgrund der fehlenden Mitarbeiter mit entsprechender Digitalkompetenz sind immer mehr Unternehmen auf externe Dienstleister angewiesen. Für 2020 erwarten die Anbieter von IT-Beratungs- und Umsetzungsleistungen deshalb ein Umsatzwachstum von etwa 10,8 Prozent. Zu dieser Erkenntnis gelangten die Marktforscher von Lünendonk in einer Umfrage unter 70 Beratungs- und Systemhäusern sowie 140 Verantwortlichen aus großen und mittelständischen Anwenderunternehmen, die 2019 durchgeführt wurde.

Besonders hoch ist die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen im Industrie- und Finanzsektor – hier vor allem im Automobilbereich und im Bankwesen. In der Summe generierten die Dienstleister fast die Hälfte ihres Umsatzes in der Industrie- und Finanzbranche.

Fehlende Wissensträger in Anwendungsunternehmen

Ein wesentlicher Grund für den stark angestiegenen Bedarf ist der Digitalisierungsdruck. Vielen Unternehmen fehlt das notwendige Know-how, um die digitale Transformation aus eigener Kraft erfolgreich umzusetzen. Um bei den neuesten IT-Trends nicht zurückzufallen gegenüber dem Wettbewerb, holen sich zahlreiche Firmen Unterstützung von außen. Im Fokus stehen insbesondere Themen wie Big Data Analytics, IT Security und agiles Software-Engineering. Weiterhin haben viele Unternehmen die Orchestrierung von Cloud-Lösungen, KI-basierte Anwendungen sowie den Microservices-Ansatz auf ihrer Agenda.

Von den befragten IT-Dienstleistern erwarten 89 Prozent für 2020 eine wachsende Nachfrage nach Implementierungsservices. Denn durch die Flut an neuen Softwarelösungen und digitalen Produkten nimmt auch der Integrationsbedarf in die bestehende IT-Umgebung der Kunden zu.

Beim Software-Development gewinnen agile Entwicklungsmethoden zunehmend an Bedeutung. Mario Zillmann, Partner und Autor der Lünendonk-Studie dazu: „In immer mehr Fällen wird die (agile) Softwareentwicklung und -integration als Gesamtpaket an einen Dienstleistungspartner vergeben, um Schnittstellenbrüche zu vermeiden und die Umsetzungsgeschwindigkeit hochzuhalten“.

Ein Thema, das die IT-Branche und die Nachfrage in den nächsten Jahren ebenfalls prägen wird, ist aus Sicht des Studienautors der Wechsel hin zu SAP S/4 HANA, die neueste Business Suite von SAP.

Fachkräftemangel betrifft auch Dienstleister

Die wachsende Auftragslage bringt die Beratungs- und Systemhäuser zum Teil an ihre Grenzen, da auch hier Fachkräfte fehlen. In der Folge mussten Kundenaufträge in der Vergangenheit bereits abgelehnt werden, weil Projekte nicht entsprechend besetzt werden konnten. Hiervon waren mittelständische Dienstleistungsfirmen zuletzt stärker betroffen als große, internationale Häuser wie beispielsweise Accenture oder Capgemini. Diese konnten bei Bedarf auch Berater anderer Landesgesellschaften hinzuziehen oder holen sich ebenfalls Unterstützung von außen, indem sie zum Beispiel mit Freelancern zusammenarbeiten.

Fazit

Der IT-Fachkräftemangel und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Probleme sind nicht neu, doch spitzt sich die Lage am Markt weiter zu. Wenn dringend benötigtes Knowhow weder intern noch extern zur Verfügung steht, kommen angestoßene Digitalisierungsprojekte rasch zum Erliegen. Der Mangel an IT-Fachkräften wird inzwischen als eines der größten Risiken für den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich gesehen. Um dem entgegenzuwirken hat die Bundesregierung eine Anwerbe-Offensive beschlossen. Damit sollen verstärkt IT-Profis aus dem Ausland gewonnen werden. Was im Silicon Valley längst normal ist, könnte also ab März dieses Jahres auch in Deutschland Standard werden.

Über den Autor

Andreas Wartenberg ist Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung und Chairman of the Board der Horton Group International.
Andreas Wartenberg ist Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung und Chairman of the Board der Horton Group International. (Bild: Hager Unternehmensberatung)

Andreas Wartenberg ist Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung und Chairman of the Board der Horton Group International. Als Business Unit Manager ist er für die Industry Digital & Technology – insbesondere für die Branche IT Services – und für die Industry Professional Services verantwortlich.

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