Aktueller Channel Fokus:

Storage und Datamanagement

Unsicherheitsgefühl

Surveillance: Die Zeichen stehen auf Umsatz

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Unsicherheitsfaktoren treiben die Umsätze von Sicherheitslösungen voran.
Unsicherheitsfaktoren treiben die Umsätze von Sicherheitslösungen voran. (Bild: Maksim Kabakou/ Fotolia.com)

Die Politik setzt auf Videoüberwachung des öffent­lichen Raumes nach britischem Vorbild. Gewerbliche und private Kunden ziehen nach. Die Surveillance-Branche profitiert vom steigendem Unsicherheitsgefühl.

Selbst in Polit-Talk-Runden wird am laufenden Band von diesem Produktsegment gesprochen: Überwachungs- und Sicherheitstechnik. Die neuen Zahlen der polizei­lichen Kriminalstatistik, die Bundes­innenminister Thomas de Maizière im April vorgestellt hat, sowie das Abrutschen Deutschlands im Ranking der sicheren Reiseländer im „The Travel & Tourism Competitiveness Report 2017“ der Schweizer Stiftung Weltwirtschaftsforum um 21 Plätze auf Rang 51 liefern eine Faktenbasis für Emotionen.

Steigendes Unsicherheitsgefühl

Ein steigendes Unsicherheitsgefühl kommt also nicht von ungefähr. Da das Thema Sicherheit inzwischen Wahlen auf Bundesländerebene prägt und im Herbst eine wichtige Bundestagswahl ansteht, investiert die öffentliche Hand derzeit vermehrt in Sicherheitstechnologie. Ob Videokameras an öffentlichen Plätzen die Kriminalität wirklich eindämmen oder diese im Zweifel nur an weniger überwachte Orte verlagert, sei mal dahingestellt. Doch ob nun Aktionismus oder sinnvolle Konzepte dahinterstehen – Fakt ist, dass die Zeichen auf Umsatz stehen. Schließlich gibt es mehr Befürwortung als Skepsis bei der Frage, ob die Videoüberwachung öffentlicher Plätze ausgeweitet werden soll. Nach einer Umfrage von ARD/ Infratest Dimap, die Anfang des Jahres durchgeführt wurde, finden 79 Prozent der Befragten, dass wir mehr Videoüberwachung brauchen. 19 Prozent sind gegenteiliger Meinung.

Hilft Videoüberwachung?

Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern
Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister des Innern (Bild: Henning Schacht)

Vor dem Hintergrund dieser Stimmung wird zwar weiterhin gestritten, inwieweit Videoüberwachung hilft, aber Ereignisse schaffen Fakten. Auch der Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz hat die Debatte geprägt. Das Bundeskabinett hat zwei Tage danach ein Paket an Gesetzen beschlossen, das die Ausweitung der Videoüberwachung in Deutschland vereinfacht. De Maizière hat die Gesetzesvorschläge schon vor dem Anschlag eingebracht, diese fielen aber in Folge der Ereignisse sicherlich auf fruchtbareren Boden. Mehr Überwachung öffentlicher Orte soll die Sicherheit der Bevölkerung erhöhen, so die Stoßrichtung des Bundesinnenministeriums. Auch Gesichtserkennungssoftware soll dabei eine Rolle spielen. Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) lehnte im April (vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen) ein „pauschales Mehr an Videoüberwachung ab“. „Auf keinen Fall soll es mit dem neuen Gesetz eine Generalerlaubnis zum Einsatz von Kameras geben“, sagte Poppenhäger der Deutschen Presse-Agentur. Inwieweit der Widerstand im Zuge des öffentlichen Drucks abnehmen wird, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen.

Die Kassen klingeln aber nicht nur im öffent­lichen Sektor.

Noch besser ist die Geschäftslage laut einer Mitgliederumfrage vom BHE Bundesverband Sicherheitstechnik im gewerblichen sowie privaten Bereich. Auch ein Blick in die Kristallkugel lässt Fach-Errichter von Sicherheitsanlagen frohlocken: Mit der Schulnote 1,95 bewerten die Sicherheitsprofis die künftige Geschäfts­lage ein bisschen mehr als „gut“. Personalabbau ist folgerichtig eher nicht geplant, während das Gros sogar aufstocken will.

Smart-Home treibt Absatz

Sicherheit ist fast immer Teil von Smart-Home-Konzepten.
Sicherheit ist fast immer Teil von Smart-Home-Konzepten. (Bild: Black Jack/ Fotolia.com)

Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Einbindung von Kameras im Rahmen von Smart-Home-Szenarien geradezu anbietet. Digitalisierung und Automatisierung verlassen dank ausgefuchster und günstiger werdender Systeme das Nischendasein und erobern den Alltag. Eine in ein Smart-Home-Netzwerk eingebundene Kamera ermöglicht es, von unterwegs oder der Couch aus, zu prüfen, ob es dem Familienhund, der Oma oder dem im Garten spielenden Kind gut geht. War der Paketzusteller vormittags da? Welche Katze löst in der Nacht immer die Bewegungsmelder aus? All diese Fragen spielen in der Alltagswirklichkeit auch abseits der Wohnungseinbruchsproblematik eine Rolle. Apropos: Zwar sank die Zahl der Wohnungseinbrüche laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2016, allerdings stieg die Zahl der versuchten Wohnungseinbrüche weiterhin an. Welche Rolle private Überwachungs- und Sicherheitstechnik bei diesem Trend spielt, ist unklar. Aber es sind Förderungen für Wohnungs- und Hausbesitzer im Gespräch, die in Sicherheitstechnik investieren wollen.

Die Studie „Smart Home Monitor 2016“, die von Splendid Research durchgeführt wurde, zeigt, dass 52,8 Prozent der in Deutschland installierten Smart-Home-Systeme eine Nutzung für die Gebäude- und Wohnungssicherheit vorsehen. Auch hier ist das Wachstumspotenzial noch groß.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44705577 / Security)