MySQL und Bea werden übernommen Sun und Oracle auf Shopping-Tour

Redakteur: Harry Jacob

Gleich zwei große Übernahmen machen in diesen Tagen Schlagzeilen: Sun kauft den Datenbank-Spezialisten MySQL für eine Milliarde US-Dollar und Oracle schafft im zweiten Anlauf die Einigung mit Bea Systems für 8,5 Milliarden US-Dollar. Viel Geld geht da über den Tisch, doch die Käufer erwarten sich viel von den Deals.

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Die Vierfaltigkeit der Web-2.0-Designer nennt sich LAMP: Linux, Apache, MySQL, PHP/Perl/Python sind die Technologien, die vielen aktuellen Webseiten zugrunde liegen. Ein Teil des Quartetts, die Open-Source-Datenbank MySQL, wird nun von Sun übernommen. Eine Milliarde US-Dollar kostet die schwedische Firma, die laut Suns CEO Jonathan Schwartz das führende und gleichzeitig das am schnellsten wachsende Unternehmen in einem 15-Milliarden-Dollar-Markt ist.

Die neuen Partner sind sich sicher, dass die Verbindung von Sun und MySQL das Wachstum beider Firmen anheizt. Sun als Eigentümer biete die Garantie dafür, dass Unternehmen den benötigen Service bekommen, um MySQL auch in unternehmenskritischen Bereichen einzusetzen. Viele Großkonzerne setzten die Open-Source-Datenbank schon in bestimmten Bereichen ein, mit guten Erfahrungen. Dort könnte man zusätzliche Einsatzgebiete erschließen, da sich die Unternehmens-IT zunehmend in Richtung Web-basierter Architekturen wandle.

Mit Verzögerung sei dieser Trend auch bei kleineren und mittleren Unternehmen zu sehen. MySQL sei aber schon da, wo die Unternehmen nun hinwollten, so der CEO des Datenbankunternehmens, Marten Mickos. Der Unterschied zu den Wettbewerbern sei daher ein großer Vorteil: »MySQL wurde von Anfang an auf den Web-Einsatz hin designt.«

Sun wiederum verspricht sich ebenfalls steigende Geschäfte. Zum einen, weil man allen Unternehmen und Organisationen näher komme, die auf LAMP setzen, denn auch die Produkte und Services von Sun haben hier einen guten Namen. Zum anderen, weil man bestehenden wie potenziellen Kunden nun ein erweitertes Portfolio bieten könne. Schwartz verwies auf das Geschäftsmodell von IBM, HP und anderen Branchengrößen: »Wir müssen Kunden eine komplette Infrastruktur bieten können«. Dafür sei mit der MySQL-Übernahme ein wichtiger Schritt getan.

Oracle läßt mehr springen

Die zweite große Übernahme hat bereits eine längere Vorgeschichte. Recht unversöhnlich waren Oracle und Bea Systems im vergangenen Oktober auseinander gegangen. 17 Dollar je Aktie war die Ellison-Company bereit, für den SOA-Spezialisten zu bezahlen. Das Bea-Management forderte jedoch 21 Dollar je Anteil – für Oracles President Charles Phillips ein »unmöglich hoher Preis für Oracle oder jeden anderen potenziellen Käufer«. Das Gegenangebot sei ein Aufschlag von 80 Prozent auf den Aktienkurs des Papiers verglichen mit der Zeit, bevor erste Aktionäre einen Verkauf des Unternehmens gefordert hätten. Niemand würde ernsthaft erwägen, das Elffache des Jahresumsatzes der Wartungsverträge für eine Software-Firma zu zahlen, rechnete Phillips vor. Zu den harten Verhandlungen gehörte auch die Drohung von Larry Ellison, dass ein Angebot in Höhe von 17 Dollar kein zweites Mal gemacht werde.

Die angekündigte Prüfung »anderer Kandidaten« nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs scheint für Oracle aber nicht sehr vielversprechend gewesen zu sein. Wie sonst wäre es zu erklären, dass nun statt der 6,6 Milliarden Dollar vom vorigen Herbst sogar 8,5 Milliarden US-Dollar gezahlt werden. Das entspricht einem Preis von 19,375 Dollar pro Aktie. Mit dem Bea-Management sei bereits eine bindende Vereinbarung zu Übernahme unterzeichnet, teilte Oracle mit. Offenbar hatte es nun Verhandlungen hinter verschlossenen Türen gegeben und keine zweite Auseinandersetzung über die Medien.

Das Bea-Portfolio werde Oracles Fusion Middleware erheblich ausbauen, kommentierte Ellison den Deal. Aufgrund der offenen Architektur könnten die Kunden die SOA-Komponenten von Bea mit allen Funktionen des Oracle-Produktes verbinden, so dass Unternehmen ihre IT-Infrastruktur schnell in Richtung Service-Oriented Architectures erweitern kund Java-Anwendungen implementieren können. »Das stärkt unsere strategischen Beziehungen zu Kunden und Partnern und hilft uns bei der Erschließung von Schlüsselmärkten wie beispielsweise China«, erläuterte Charles Phillips die Erwartungen aus dem nun doch noch erreichten Zukauf.

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