gesponsertNeue Technologien, neue Spielregeln Strategien für Resilienz und Wachstum

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Jan Moll, CEO der dtm group, über den technologischen Wandel, wie Unternehmen durch Innovation, Digitalisierung und kluge Investitionen wettbewerbsfähig bleiben und welche Impulse das netforum für C-Level-Entscheider und IT-Verantwortliche bietet.

(Bild:  netfforum)
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Ein Interview mit Jan Moll, CEO der dtm group

Die Welt verändert sich derzeit in vielerlei Hinsicht in rasantem Tempo, worauf müssen Unternehmen besonders achten, wenn es um den technologischen Wandel geht?

Jan Moll, CEO dtm group(Bild:  netforum)
Jan Moll, CEO dtm group
(Bild: netforum)

Der technologische Wandel vollzieht sich in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit, am Thema KI lässt sich das beispielhaft gut abgreifen. Die KI-Entwicklung treibt Milliarden-Investitionen in Datacentern und IT-Infrastrukturen voran – ein enormes Geschäftspotenzial für Datacenter-Betreiber und auch den deutschen IT-Channel. Hier zeigt sich deutlich, wie aus technologischen Durchbrüchen konkrete Marktchancen entstehen können. Das Potenzial ist groß, denn die Digitalisierung und Transformation – und damit letztlich auch die IT – bestimmen über die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, deren Resilienz, Wert, Nachhaltigkeit, Attraktivität für Partner und Arbeitnehmer und vieles mehr. In Verbindung mit der übergreifenden Infrastruktur – Beispiel Klimaneutralitätsnetz, Energieversorgung und -autarkie – sind Digitalisierung und Transformation maßgeblich verantwortlich für die wirtschaftliche Standortattraktivität und Perspektive.

Der Impact neuer Technologien macht also längst nicht mehr bei der Steigerung von Effizienz und Co halt, sondern definiert zukünftige Prozesse und ermöglicht veränderte beziehungsweise neue Geschäftsmodelle bis hin zur Disruption.

Unternehmen und deren Topmanagement können sich heute nicht mehr auf eher granulare Entscheidungen ihrer Fachabteilungen stützen. Sie müssen Technologien und damit in Verbindung stehend Risiken und Chancen ganzheitlich verstehen, um ihr Unternehmen zukunftssicher und wertstabil zu halten. Die Digitalisierung muss Kernkompetenz nahezu eines jeden Unternehmens werden, Entscheidungen hinsichtlich technologischer Möglichkeiten wandern damit merklich mehr in Richtung des C-Level-Managements. Unternehmen beziehungsweise ihre Lenker, die diese Tendenz ignorieren, begeben sich auf dünnes Eis.

Die Vorzeichen des Wandels mit Sicht auf die geopolitischen Veränderungen sind nur bedingt positiver Natur. Welche Chancen und welche Gefahren sehen Sie für Unternehmen?

Insbesondere deutsche mittelständische Unternehmen stehen in einem herausfordernden, aber auch chancenreichen Transformationsumfeld. So sprechen wir auf der einen Seite von stockendem Export und schwachen globalen Märkten in Verbindung mit wenig skalierbaren europäischen Marktpotenzialen. Lokal kämpfen Verantwortliche mit Standortnachteilen wie hohen Energiekosten und Steuern, fehlender Infrastruktur sowie einem eklatanten Fachkräftemangel in Verbindung mit einem schleppenden Wandel der Bildungssysteme.

Dazu kommen Negativbooster wie globale Handelswirren, Protektionismus und Kriege. Und in all dem müssen Unternehmer es trotzdem bewerkstelligen, mit dem technologischen Wandel Schritt zu halten. Mit anderen Worten: maximale Fragilität und Volatilität in Bezug auf Absatz und Strategie – und das bei gleichzeitigem Bewusstsein für die Dringlichkeit technologischer Investitionen. Auf der anderen Seite eröffnen diese Herausforderungen aber auch völlig neue Geschäftsfelder und Marktchancen für Unternehmen, die jetzt bereit sind, gezielt Innovationen voranzutreiben.

Die wirtschaftlichen Möglichkeiten Deutschlands sind unverändert: Dazu zählen die mittelständische Innovation und Agilität genauso wie unsere Hidden Champions, um welche uns die Welt beneidet. Wir dürfen und müssen hier durchaus selbstbewusst bleiben. Kritik ist immer wichtig, aber bitte konstruktiv und in Maßen. Auf jeden Fall sollten Unternehmensverantwortliche wahrnehmen, dass der technologische Wandel und globale Geschehnisse einen sehr unmittelbaren Impact auf unser Geschäft haben. Wir müssen uns verändern und sollten – in Sachen Geschwindigkeit – den globalen Wettbewerb dabei genaustens im Auge behalten.

Welche Rolle und Verantwortung kommen dabei Europa beziehungsweise der EU zu?

Ich glaube, dass wir verstehen müssen, dass unsere Länder nur eine Chance im Verbund der EU, im weiteren Sinne Europas haben. Das gilt für wirtschaftliche Herausforderungen gleichermaßen wie für die Sicherheit der einzelnen Länder. Auch diese hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Standortattraktivität und entsprechende Investitionen aus dem Ausland, das wird nur leider gerne übersehen.

Grundsätzlich sehe ich zwei im Mittelpunkt stehende Aufgabenstellungen. Erstens die Stärkung der EU-Position im Kontext konkurrierender globaler Wirtschaftsregionen, also maßgeblich von den USA, China, Russland und Indien. Zum Zweiten benötigen wir eine deutlich höhere Resilienz und Attraktivität unseres europäischen Standortes und das bedeutet eine vielschichtige Skalierbarkeit. Wenn wir es nicht schaffen, die Exportabhängigkeit außerhalb Europas zu reduzieren, werden wir auf Dauer Spielball der führenden Wirtschaftsregionen bleiben. Wenn auch nicht in der EU vertreten, ist die Schweiz – in Sachen Zollstreit mit den USA – ein aktuell negatives Beispiel für die Auswirkungen. Eine solche fehlende Planungssicherheit ist kein guter Berater für die Bestandswirtschaft, Investoren und Start-ups und verhindert nicht nur neue Investitionen, sondern führt zur Abwanderung der Industrie.

Wir wären meines Erachtens gut beraten, Normen und Standards länderübergreifend zu definieren, bürokratische Hürden abzubauen – siehe Omnibus-Verordnung – sowie eine minimale, aber notwendige, Vereinheitlichung der Infrastruktur vorzunehmen und nicht zuletzt das Zusammenspiel der Stärken der einzelnen Länder zu identifizieren und zu fördern.

Dazu muss sich die EU auf das Wesentliche konzentrieren, sich enger mit der Wirtschaft verzahnen und deren Bedürfnisse verstehen. Insbesondere die Regulierung muss verträglich, leistbar und gewinnbringend sein. Wir brauchen Praxisnähe und Schnelligkeit, davon ist die EU, aber auch einzelne Länder, noch weit entfernt. Hier sehe ich noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

Die gute Nachricht ist: Wir haben bereits starke Grundlagen geschaffen und können durch eine wirklich fokussierte Zusammenarbeit und eine bessere Koordination künftig entscheidende Durchbrüche erzielen. Damit wären für Unternehmen und deren Management eine wirtschaftlich deutlich höhere Diversifikation und damit verlässliche Planung und Resilienz möglich. Ein skalierter Binnenmarkt ist dauerhaft unerlässlich, ansonsten verbleiben wir in der kleinteiligen Denke von „Gemarkungen und Burgen“.

Empfinden Sie eine Veränderung der Unternehmerkultur in Deutschland?

Ich sehe eine Veränderung auch in der Unternehmerkultur, insbesondere aber – und das halte ich für bedenklich – in der Basis, also in der Gesellschaft. Es geht um das Thema gerne gestellter Forderungen und angenommener Selbstverständlichkeiten und um die Verlagerung von Verantwortung in Verbindung mit der fehlenden Bereitschaft, seine eigene Rolle zu verstehen und selbst aktiv zu werden, also Mut und Ehrgeiz einzubringen.

Unternehmerisch fehlt mir die Sicht und das Verständnis für Veränderung – technologisch und geopolitisch – aber auch unser Selbstbewusstsein, aufzubrechen. Ganze Branchen haben auf Basis ihrer vermeintlich starken Marktstellung in ihrer Nische verweilt. „Untouchable“ – bis zu dem Moment, in dem die Weltmärkte mit brachialer Geschwindigkeit an ihnen vorbeigezogen sind. Und allzu oft wurde die Verantwortung zunehmend in die politischen Lager verschoben. Ja, wir haben stark mit unserer Politik der vergangenen zehn Jahre zu kämpfen, das ist unstrittig. Aber die Politik ist kein Netz und doppelter Boden für Unternehmen, genauso wenig wie sie und Unternehmen keine Wohlfühloasen der Gesellschaft sind.

Wir ruhen uns auf den Früchten der vergangenen Dekaden aus, aber diese sind schneller aufgezehrt als wir glauben. Unsere Gesellschaft sieht aber diesen Wohlstand zunehmend als nimmer endende Selbstverständlichkeit an. Wir denken zu sehr in einer Blase, müssen unseren Blick aber über die Grenzen hinaus schärfen sowie das Große und Ganze verstehen. Gerade Asien schläft nicht und steht in Sachen Wettbewerb vor unserer Tür.

Deutschland verfügt über alle Voraussetzungen für eine starke Wettbewerbsposition – wir müssen sie nur konsequenter nutzen und den Mut zur Veränderung aufbringen. Dafür brauchen Manager und Mitarbeitende Entschlossenheit und neues Denken. Erfolg bedeutet, kontinuierlich einen Schritt voraus zu sein, also Motivation, Engagement und harte Arbeit. Wir brauchen mehr Commitment zu unserem Standort und zu unseren Unternehmen. Diese Bindung und Werte gehen meines Erachtens zunehmend verloren. Kehrt sich eine derartige Haltung nicht wieder um, sondern entwickelt sich so weiter, können wir im internationalen Wettbewerb nicht bestehen und unseren Wohlstand nicht erhalten. Dieser ist sehr verletzlich und eben alles andere als selbstverständlich. Und um es klar zu sagen, meine Wahrnehmung bezieht sich nicht nur auf die neue Generation unserer Bevölkerung.

Was haben diese Sichtweisen und Erkenntnisse mit Ihrem Veranstaltungsformat, dem netforum, zu tun?

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den technologischen Wandel unserer Wirtschaft aktiv mitzugestalten. Manager wären aus meiner Sicht gut beraten, sich mit den Chancen neuer Technologien und Märkte auseinanderzusetzen, ein Umdenken zu initiieren und Mitarbeiter zu motivieren. Wird eine solche Entwicklung von oben gelebt, wird eine Änderung des Mindsets möglich.

Das netforum existiert seit 28 Jahren, wir haben kontinuierlich versucht, das Format an die veränderten Bedürfnisse anzupassen. Dabei stehen drei Aspekte im Vordergrund: praxisnah, mehrwertschaffend und authentisch.

Wenn Sie so wollen, ist das netforum ein relevantes Format für das C-Level-Management, Fachentscheider sowie Interessierte und unser Beitrag zu den aktuellen Bedürfnissen von Unternehmen und Wirtschaft.

Mit der aktuellen Veranstaltung, dem netforum am 10. und 11. September 2025 im Festspielhaus Bregenz, bringen wir C-Level-Entscheider und IT-Verantwortliche zusammen, um gemeinsam den digitalen und technologischen Wandel voranzutreiben. Mit Schwerpunkten wie Smart Energy, Geopolitik und KI in der Arbeitswelt 4.0 schaffen wir dafür eine praxisnahe Plattform für gegenseitigen Austausch und neue Impulse. Mit Vorträgen, beispielsweise von Karl-Theodor zu Guttenberg, laden wir unser branchenübergreifendes Publikum, allen voran C-Level-Management und Entscheider, zum Dialog über globale Sichtweisen ein.

Herr Moll, vielen Dank für das Gespräch.

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Über das netforum und die dtm group

Angeregte Podiumsdiskussion(Bild:  netforum)
Angeregte Podiumsdiskussion
(Bild: netforum)

Das netforum hat sich seit 1997 zu einer festen Größe in der IT-Branche entwickelt. Der zweitägige Strategiekongress widmet sich zentralen Fragestellungen der digitalen Transformation – von technologischen Innovationen über branchenspezifische Entwicklungen bis hin zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten.

Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung stehen unter anderem die Themen digitale Souveränität, intelligente Stromnetze, Cybersecurity, Liquid Cooling, Netzwerktechnik, IT-Infrastrukturen und Künstliche Intelligenz. Erwartet werden mehr als 30 renommierte Referenten aus Wirtschaft, Politik, Forschung und IT.

Networking und gute Laune(Bild:  netforum)
Networking und gute Laune
(Bild: netforum)

Organisiert und veranstaltet wird das netforum von der dtm group, einem Familienunternehmen, das sich sowohl in der Forschung als auch im operativen Geschäft mit Rechenzentren und Datenmodellen sowie mit Blockchain, KI und deren umfassenden Auswirkungen auf Unternehmen und Geschäftsmodelle beschäftigt.

Direkt zur Veranstaltung netforum 2025

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