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Provider-Roaming, RAN-Sharing & Co. Strategien für ein gutes Mobilfunknetz in ländlichen Regionen

Autor / Redakteur: Tom Luke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Von flächendeckender Breitband-Mobilfunkversorgung ist Deutschland noch sehr weit entfernt – sowohl bei LTE als auch bei 5G. Dabei gäbe es Lösungen, wie das Provider-Roaming, bei dem Anbieter ihre Netze für Kunden anderer Anbieter öffnen.

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Muss und wird jeder Mobilfunknetzbetreiber seine eigenen Masten auf den grünen Wiesen bauen, oder tun sich auch in Deutschland die Netbetreiber zusammen, um das gnaze Land flächendeckend zu versorgen?
Muss und wird jeder Mobilfunknetzbetreiber seine eigenen Masten auf den grünen Wiesen bauen, oder tun sich auch in Deutschland die Netbetreiber zusammen, um das gnaze Land flächendeckend zu versorgen?
(Bild: © Uwe Moser - stock.adobe.com)

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung lebt in Städten und in vielen anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Verständlicherweise liegt der Fokus der Mobilfunkanbieter daher stark auf den Ballungszentren. Das führt dazu, dass im ländlichen Raum nicht überall gutes und manchmal sogar überhaupt kein Mobilfunknetz verfügbar ist. Diese digitale Kluft beschäftigt weltweit und in Deutschland die Gesetzgeber sowie Regulierungsbehörden. Das äußerte sich beispielsweise durch hohe Anforderungen der deutschen BNetzA an die Netzabdeckung im Vorfeld der 5G Frequenzauktionen.

Um die digitale Kluft zu schließen, scheinen Eingriffe der Regierungen erforderlich. Denn für Netzbetreiber stellt der Ausbau des Netzes außerhalb der Ballungszentren große Herausforderung in technischer und ökonomischer Hinsicht dar. Die entlegene Lage macht den Bau und Anschluss des Funkturms schwierig und kann für höhere Betriebskosten sorgen als bei einem Standort in der Stadt. Gekoppelt mit einer niedrigeren Bevölkerungsdichte – was weniger Kunden pro Funkmast bedeutet und die höheren Kosten nicht rechtfertigt – ist die Abdeckung ländlicher Gebiete für die ökonomisch orientierten Mobilfunkanbieter ein unattraktives Unterfangen.

Weltweit gibt es verschiedene Strategien zur Verbesserung der Anbindung ländlicher Gebiete. Einer der jüngsten Versuche ist der Plan der vier wichtigsten Mobilfunknetzbetreiber Großbritanniens zur Gründung eines neuen Unternehmens, um die 4G-Abdeckung auf dem Land zu verbessern. Sie wollen ihre Mobilfunktürme gemeinsam nutzen, um den Wettbewerb zu fördern und weiße Flecken zu beseitigen. Ob dieses Vorhaben umgesetzt wird und ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten.

Großbritannien ist nicht das erste Land, das sich mit diesem Thema beschäftigt: Weltweit gibt es bereits erfolgreiche Strategien, um die Verfügbarkeit des Mobilfunknetzes im ländlichen Raum zu verbessern. Sie könnten auch für deutsche Betreiber und Initiativen zur Verbesserung der Netzabdeckung ein Vorbild sein. Welche Modelle wurden also bereits getestet, und wie erfolgreich sind sie?

Kanada – Regionales Network Sharing zwischen den führenden Betreibern

Obwohl Kanada eines der bevölkerungsärmsten Länder (Einwohner pro Quadratkilometer) der Welt ist, decken die Mobilfunknetze dort die große Mehrheit der Bevölkerung mit LTE ab. Die Mobilfunknetze in Kanada sind im Vergleich so gut ausgebaut, dass laut einer Studie von Deloitte mehr als 25% der Kanadier auch zu Hause über das Mobilfunknetz surfen.

Das liegt zwar zum Teil auch an den „weißen Flecken“, in denen es keinen Zugang zu kabelgebundenem Internet gibt, deutet aber auch auf den Erfolg der Mobilfunknetzbetreiber bei der flächendeckenden Bereitstellung ihrer Dienste hin.

Dieser Erfolg basiert auch darauf, dass zwei der national führenden Provider ihre Infrastruktur teilen. Bell und Telus teilen sich seit gut 20 Jahren ihre Mobilfunktürme, damit ihre Kunden im ganzen Land Zugang zu Mobilfunkdiensten haben. Das hat zweifellos die Konnektivität in ländlichen Gebieten verbessert, auch wenn es Kritik gibt, dass der Wettbewerb in diesen Gegenden darunter leidet.

Das kanadische Modell – RAN-Sharing (Radio Access Network) zwischen Betreibern und begrenztes Off-Network-Roaming in abgelegenen Gebieten – hat ein technologisch fortschrittliches Netz geschaffen. Das kanadische Netz erreicht sogar landesweit eine der höchsten Punktzahlen beim Tutela Consistent Quality Score weltweit. Allerdings ist der Datenverbrauch pro Nutzer in Kanada im Vergleich zu anderen Ländern, wie z.B. den USA, deutlich geringer. Auch der Preis pro Gigabyte ist nach wie vor hoch – ein Faktor, der oft mit mangelndem Wettbewerb verbunden wird.

Finnland – Ein regionales Joint Venture

Auch Finnlands Mobilfunkbetreiber haben einen Weg gefunden, ihre ländlichen Regionen zu versorgen, allerdings mit einem anderen Ansatz als in Kanada.

Beispielsweise werden ländliche Gebiete hier direkt von regionalen Anbietern versorgt. Diese kleinen regionalen Mobilfunkunternehmen und Genossenschaften haben Roaming-Verträge mit den großen Mobilfunknetzanbietern. Ein Beispiel dafür sind die Aland-Inseln. Dort bietet der örtliche Anbieter Ålcom Telefondienste an. Seine Kunden kommen jedoch auch in den Genuss von vollständigem National Roaming im Mobilfunknetz des Telekommunikationskonzerns Elisa, welches den Großteil des restlichen Landes abdeckt.

Das ist nur eine von mehreren Vereinbarungen über Network-Sharing, die es in Finnland gibt. Ähnlich wie in anderen Ländern, wo eine Verpflichtung zu einer bestimmten Netzabdeckung Teil der Frequenzversteigerungen war, waren die Anbieter Telia und DNA hier verpflichtet, bis Ende 2018 mit seinem 4G-Netz eine Abdeckung von 99 % der Bevölkerung zu erreichen. Dafür gründeten Telia und DNA ein Joint-Venture-Unternehmen (Suomen Yhteisverkko), das von beiden Müttern gemeinsam geführt wird und seine eigene Infrastruktur besitzt sowie betreibt. So teilen sich die beiden Betreiber die hohen Kosten für den Bau und die Instandhaltung der Infrastruktur im ländlichen Raum, während sie in dicht besiedelten Gebieten weiterhin miteinander konkurrieren.

Finnische Netzwerke erreichen eine ausgezeichnete Consitent Quality. Zudem nutzen die Finnen ihre Mobilfunknetze offensichtlich gern für den Internetzugang. Sie sind weltweit führend bei der Nutzung von SIM-Karten mit reinen Datentarifen und liegen in Europa weit vorn beim Datenverbrauch pro SIM-Karte. All das beweist den Erfolg der angewandten Strategien.

Mexiko – Der Wholesale Network Approach (neutraler Host)

Ein drittes Modell, das in Mexiko erprobt wird, ist das Red Compartida. Das Wholesale Network wird hier von einem Dritten, ALTAN Redes, betrieben. Die mexikanische Telekommunikations-Regulierungsbehörde hat diesen Ansatz eingeführt, um den Wettbewerb zu fördern und die Versorgung des ländlichen Raums zu verbessern. Der Ansatz steckt noch in den Kinderschuhen und sein Erfolg kann noch lange nicht bewertet werden. Trotzdem könnte sich diese Strategie als sehr wertvoll für ein schnelleres und zuverlässiges Netz in Mexiko erweisen und für die Mobilfunknutzer in ländlichen Gebieten erhebliche Verbesserungen bedeuten.

Der Vorteil eines Wholesale Network Approachs ist, dass er den Mobilfunkanbietern die Abdeckung ländlicher Gebiete bei minimalen Investitionen ermöglicht. So kann das Netz schneller skaliert werden, um der Nachfrage gerecht zu werden. Wenn ALTAN mehrere Mobilfunkanbieter als Kunden gewinnen kann, werden die Kosten für die ländliche Infrastruktur auf sie aufgeteilt, was wirtschaftliche Vorteile für alle Beteiligten bringt.

Fazit

Die drei genannten Beispiele zeigen, dass es keinen einzigen „richtigen“ Weg gibt, um die aktuelle Herausforderung der guten Netzabdeckung auf dem Land anzugehen. Trotzdem können die Erfolge der Ansätze in Finnland und Kanada wertvolle Denkanstöße hierzulande liefern. Die Modelle Network Sharing und Partnerschaften verschaffen Kunden zuverlässig eine gute mobile Nutzererfahrung, unabhängig von ihrem Standort und unter Erhalt des landesweiten Wettbewerbs.

Tom Luke.
Tom Luke.
(Bild: Tutela)

Da Netzwerkbetreiber aktuell ihr Angebot um 5G-Frequenzen erweitern, ist es jetzt besonders wichtig, dass auch ländliche Regionen und nicht nur die Städte von den neuesten Fortschritten in der Mobilfunktechnologie profitieren.

Über den Autor

Tom Luke ist VP Market Development bei Tutela Technologies.

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