GfK-Konsumklimastudie

Stimmungskiller Brexit und Terror

| Autor: Heidemarie Schuster

Das Konsumklima in Deutschland schwächelt derzeit.
Das Konsumklima in Deutschland schwächelt derzeit. (Bild: Pixabay)

Die Konsumstimmung der Verbraucher in Deutschland hat sich im September insgesamt leicht abgeschwächt. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen.

Die Bundesbürger sehen die deutsche Wirtschaft in den nächsten Monaten auf einem schwächeren Wachstumskurs, ergab die GfK-Konsumklimastudie. Dies signalisiert der dritte Rückgang der Konjunkturerwartung in Folge. Auch die Einkommenserwartung und die Anschaffungsneigung verlieren in diesem Monat, behaupten aber ihr hohes Niveau, so die Marktforscher der GfK.

Konjunkturaussichten

Die Konsumenten sehen die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland für die nächsten Monate offenbar etwas verhaltener. Nach einem Minus von 1,8 Zählern im September sinkt der Indikator auf 6,8 Punkte. Dies ist bereits der dritte Rückgang in Folge. Trotz der Verluste bleibt die Konjunkturerwartung aber über der Nulllinie, das heißt über ihrem langjährigen Durchschnittswert von 0 Punkten.

Offenbar zeigt die Brexit-Entscheidung vom Juni inzwischen Wirkung. In den drei Monaten seit dem Referendum ging die Konjunkturerwartung kontinuierlich zurück. So hat bereits die Ankündigung, dass Großbritannien aus der EU austreten wird, die Verunsicherung ansteigen lassen. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass das Ifo-Geschäftsklima im Juli und August ebenfalls gesunken ist.

Folglich wurden auch die bisher vorliegenden Prognosen für den Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes in Europa zuletzt etwas zurückgenommen, so die GfK. So sehe die Deutsche Bundesbank in ihrem Konjunkturausblick auch für Deutschland in diesem und im kommenden Jahr ein leicht schwächeres Wachstum als noch vor einigen Monaten.

Zudem sind die Verbraucher sicherlich auch durch die nach den Anschlägen in Bayern bewusster wahrgenommene Terrorgefahr stärker beunruhigt, vermutet die GfK. Eine solche allgemeine Verunsicherung schlage sich häufig in sinkenden Werten bei der Konjunkturerwartung nieder.

Einkommenserwartung

Das regelmäßige Auf und Ab der Einkommenserwartung findet auch im September seine Fortsetzung. Nach den Zuwächsen im Vormonat büßt der Indikator aktuell 5,7 Punkte ein. Damit werden jedoch die spürbaren Zuwächse von 8,6 Punkten im August nur zu einem Teil wieder zunichte gemacht. Der Einkommensindikator behauptet sich mit 52,6 Zählern oberhalb der 50-Punkte-Marke.

Hinsichtlich ihrer künftigen finanziellen Situation sind und bleiben die Verbraucher der GfK zufolge überaus optimistisch. Und das nicht zu unrecht. Eine sehr stabile Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt mit noch zunehmender Beschäftigung sorge dafür, dass auch die tariflichen Einkommen spürbar steigen. Und vor dem Hintergrund einer sehr niedrigen Inflation verbleibe den Beschäftigten auch real mehr in den Geldbeuteln.

Da von der guten Lohnentwicklung auch die gesetzlichen Renten profitieren, sehen die Ruheständler ebenfalls optimistisch in die Zukunft, wenn es um ihre finanzielle Lage geht, so die Marktforscher.

Anschaffungsneigung

Im Sog der Einkommenserwartung ist der GfK-Konsumklimastuide zufolge auch die Anschaffungsneigung in diesem Monat leicht zurückgegangen. Der Indikator sinkt um 4 Punkte auf 53,3 Zähler. Doch auch hier gilt ähnliches wie beim Einkommensindikator: Die Konsumlust weist weiter ein überaus hohes Niveau auf und behauptet sich über der Marke von 50 Punkten.

Auch hier kann man nicht von einer Trendwende sprechen, erklärt die GfK. Die Kauflust bleibe weiter ungebrochen. Solange der Arbeitsmarkt rund läuft und die Arbeitnehmer demnach keine Sorge um ihren Arbeitsplatz haben müssen, dürften die Signale für den Konsum weiter auf grün stehen, prognostizieren die Marktforscher. Zumal der Gegenpol des Konsums, das Sparen, angesichts anhaltend niedriger Zinsen auch künftig einen schweren Stand haben dürfte. Die Europäische Zentralbank signalisiere derzeit klar und deutlich, dass die Zinsen auch in den kommenden Monaten im Keller verharren werden. Dazu trage auch das zuletzt sogar noch ausgeweitete Anleihekaufprogramm der EZB bei.

Konsumklima

Für Oktober 2016 prognostiziert der Gesamtindikator 10,0 Punkte nach 10,2 Zählern im September. Dennoch kann man der GfK zufolge, von einem stabilen Konsumklima auf gutem Niveau sprechen.

Der aktuelle Rückgang zeige aber, dass die Konsumstimmung nicht völlig immun ist gegenüber einer zunehmenden Verunsicherung, die auch die Konsumenten zu erfassen scheint. Diese Verunsicherung werde in erster Linie durch die bewusster wahrgenommene Terrorgefahr in Deutschland sowie durch die Entscheidung der britischen Bevölkerung genährt, die für einen Ausstieg aus der Europäischen Union gestimmt hat. Welche Folgen dies für die europäische und insbesondere deutsche Wirtschaft haben wird, ist noch völlig unklar, erklärt die GfK.

Dennoch bestätigt die GfK die Prognose für 2016, wonach ein Anstieg der realen privaten Konsumausgaben von etwa 2 Prozent erreichbar und realistisch erscheint. Somit bleibe der Konsum eine wichtige Säule der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Brexit hemmt das Konsumklima

GfK-Konsumklimastudie für Deutschland

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27.07.16 - Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK hat sich die Verbraucherstimmung in Deutschland im Juli leicht abgeschwächt. Geschuldet sei dies dem Brexit. lesen

Zur Studie

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte.

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