Verwirrende Rochade Softline verkauft Prometheus – mit Rückkauf-Option

Redakteur: Regina Böckle

Gestern erst verkaufte die Softline AG die Distributionstochter Trademail, um sich künftig ganz auf die Beteiligungen an IT-Dienstleistern zu konzentrieren. Heute nun veräußerte Softline ihre Anteile an Prometheus – dem einzigen IT-Dienstleister, den Softline im Portfolio führt –, um ihn später wieder zurückzukaufen. Wie passt das zusammen? Eine Analyse.

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„Ungewöhnliche Zeiten bedürfen ungewöhnlicher Mittel“, kommentierte Softline-Vorstand Christoph Michel die jüngsten Maßnahmen des Offenburger Beteiligungsunternehmens.

Allerdings ist es nicht ganz einfach zu verstehen, weshalb sich die Softline AG nur einen Tag nach dem Verkauf der Software-Distributionstochter Trademail, auch vom erfolgreichen IT-Dienstleister Prometheus trennt. Sämtliche Softline-Anteile an der Prometheus (65 Prozent) gingen heute in den Besitz eines nicht genannten Beteiligungs-Unternehmens über.

Dabei hatte Softline erst gestern noch die Losung ausgegeben, man wolle sich künftig verstärkt an IT-Dienstleistern beteiligen und sei bereits mit einem potenziellen Kandidaten in Übernahmeverhandlungen.

Obendrein hieß es in der heute verbreiteten Presse-Erklärung, man wolle Prometheus schon Ende des Jahres wieder in die Softline-Gruppe zurückführen.

Ein Blick auf das Gesamt-Konstrukt könnte die Verwirrung lichten. Wie das aussieht, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Strategie Teil eins: Töchter verkaufsfertig machen

Im Laufe des vergangenen Geschäftsjahres (das am 30. Juni 2009 endete), hat sich die Softline-Holding darauf konzentriert, ihre Töchter so zu strukturieren, dass sie erstens keine Verluste mehr schreiben und zweitens als selbstständige Unternehmen weiterverkauft werden können. So wurden beispielsweise all jene Backoffice-Leistungen, die die Holding noch für einige der ursprünglich neun Töchter erbrachte, komplett in die einzelnen Gesellschaften zurückgeführt.

Der Verkauf von Trademail sowie weiterer europäischer Beteiligungen war damit möglich geworden.

Strategie Teil zwei: Holding verschlanken

Die Softline AG selbst, also die Holding, war über Jahre hinweg darauf ausgerichtet, eine Vielzahl an Beteiligungen zu managen. Aus Sicht des heutigen Softline-Vorstands Christoph Michel war dieser Apparat allerdings für die aktuelle Zahl an Beteiligungen viel zu groß – und zu teuer. 1,7 Millionen Euro Verlust schrieb diese Holding im vergangenen Geschäftsjahr.

Diesen Verlust will Michel noch dieses Jahr um zwei Drittel auf 500.000 Euro reduzieren. Dazu soll die Mannschaft kleiner, die Organisation schlanker werden. Die dazu nötige Umstrukturierung kostet aber Geld, das Softline aktuell nicht flüssig hatte. Zwischenfinanzierungen durch Banken sind momentan nur für teures Geld zu haben, wenn sie denn überhaupt gewährt werden. Liquide Mittel mussten also her.

Woher das nötige Kleingeld für den hausinternen Umbau und den Rückkauf von Prometheus kommen soll, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Frisches Geld durch Verkäufe

Das nötige Kleingeld für den hauseigenen Umbau holt sich die Softline AG nun durch den Verkauf von Distributor Trademail und IT-Dienstleister Prometheus. Trademail ging an die Eigentümer der SOS Software Service (IT-BUSINESS berichtete), Prometheus wurde an eine namentlich nicht genannte Beteiligungsgesellschaft verkauft.

Offenbar bestehen mit diesem Unternehmen Vereinbarungen, die den Rückkauf der Prometheus Ende des Jahres gewährleisten sollen. Doch auch für diesen Rückkauf benötigt Softline Geld. Und nicht zu vergessen: Softline kündigte gestern obendrein an, Ende des Jahres einen weiteren IT-Dienstleister übernehmen zu wollen. Für die Beschaffung des nötigen Kleingelds hat man offenbar Mittel und Wege gefunden.

Wer finanziert den Prometheus-Rückkauf?

Ein Blick auf die vergangene Hauptversammlung der Softline gibt darüber Aufschluss: Auf dieser Versammlung wurde eine Kapital-Erhöhung durch Aktienverkäufe beschlossen im Umfang von bis zu fünf Millionen Stück Aktien. Der Verkauf soll im Anschluss an die nächste Hauptversammlung stattfinden, die für Spätherbst dieses Jahres geplant ist. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Aktien soll dazu verwendet werden, um erstens Prometheus zu 100 Prozent zurückzukaufen und zweitens den zweiten Dienstleister wie bereits angekündigt zu übernehmen.

Wenn diese Käufe mit einem Mix aus Aktien-Einlagen und Anteilskäufen gegen bare Münze bestritten werden, senkt das den Bedarf an liquidem Kapital. Ob dies so funktioniert, wird sich zeigen.

Was Prometheus-Geschäftsführer Michael Reiserer von den Plänen hält, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Prometheus-Geschäftsführer Michael Reiserer äußerte sich gelassen über die Pläne: „Das gesamte Vorgehen ist in enger Abstimmung auch zwischen Prometheus und Softline erfolgt, und ich stimme damit voll und ganz überein. Prometheus ist eine tragende Säule des künftigen Dienstleistungs-Geschäfts, das die Softline forcieren wird.“ Das Geschäft brumme derzeit, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe Prometheus den Umsatz um 55 Prozent erhöht, das Ergebnis um 25 Prozent. Im Februar dieses Jahres erklärte Dell das Unternehmen zum Preferred Supplier, seit Juli ist Prometheus außerdem Preferred Supplier für T-Systems.

Angesichts des Wachstums wurde die Prometheus-Geschäftsführung mit Oliver Fritz verstärkt. Der Manager ist bereits seit 2004 im Unternehmen tätig und verfügt über jahrelange Erfahrung im IT-Markt, unter anderem aus seiner früheren Tätigkeit bei Compaq.

Fazit

Mit einigen Klimmzügen will Softline zwei Dinge erreichen: Der Verkauf der Töchter soll das nötige Geld für die Verkleinerung der Softline AG eintragen. Die Kapitalerhöhung per Aktienverkauf soll den Rückkauf der Prometheus und den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts ermöglichen.

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