#IThelpsUkraine So wirkt sich der Russland-Ukraine-Krieg auf den ITK-Markt aus

Von Melanie Staudacher

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine trifft die gesamte Weltwirtschaft: Die Preise für Energie und Rohstoffe steigen, Lieferketten sind noch anfälliger, Ransomware-Angriffe nehmen zu. Auch die ITK-Branche und speziell der PC-Markt sind betroffen.

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Hohe Energie- und Strompreise, Lieferengpässe und Cybergefahren sind die unmittelbaren Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs.
Hohe Energie- und Strompreise, Lieferengpässe und Cybergefahren sind die unmittelbaren Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs.
(Bild: barks - stock.adobe.com)

Erholt hat sich die Weltwirtschaft von den Rückschlägen durch die Corona-Pandemie noch nicht. Nun wird sie durch den Krieg in der Ukraine erneut belastet. In nur wenigen Tagen sind die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe geschossen und die Lieferketten sind weiterhin enorm gefährdet.

Da Europa stark von russischem Öl und Gas abhängig ist, schwächen die steigenden Energiepreise die Kaufkraft. Laut Canalys übersteigt der Ölpreis zum ersten Mal seit 2014 die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Und um bis zu 62 Prozent stieg der Erdgas-Preis zum Zeitpunkt der Untersuchungen des Marktforschungsunternehmens Anfang März.

Des Weiteren prognostiziert Canalys-Tech-Analyst Trang Pham, dass die Fluggesellschaften aufgrund von Luftraumverboten die steigenden Kosten für Frachtflüge zwischen Europa und Asien auf die Verbraucher verlagern werden. Dies würde zusätzlichen Druck auf die Lieferketten ausüben und die Materialkosten noch weiter in die Höhe treiben.

Halbleiter-Knappheit verschärft sich

Eine Enttäuschung für Hersteller und Verbraucher, die vor der Invasion die Hoffnung hatten, dass sich die Engpässe der Halbleiterindustrie in diesem Jahr endlich lösen würden. Da zwei ukrainische Unternehmen, die das für die Herstellung von Halbleitern benötigte Neongas liefern, ihre Produktion eingestellt haben, wird sich die Situation jedoch noch weiter verschärfen. Denn von den beiden Herstellern Ingas und Cryoin stammte bisher etwa die Hälfte der weltweit benötigten Produktion.

Neben den Lieferkettenschwierigkeiten und der Inflation identifiziert IDC weitere Auswirkungen des Krieges auf die ITK-Branche:

  • Schwankungen der Technologienachfrage: Während die Entwicklungen den Geschäftsbetrieb in der Ukraine zum Erliegen gebracht haben, bekommt die russische Wirtschaft die Auswirkungen westlicher Sanktionen zu spüren. Dies wird die Technologieausgaben in beiden Ländern stark beeinflussen, wobei die Analysten von IDC für 2022 einen zweistelligen Rückgang der lokalen Marktnachfrage erwarten. In der Zwischenzeit könnten die Technologieausgaben in den westeuropäischen Ländern teilweise aufgrund erweiterter Verteidigungs- und Sicherheitszuweisungen steigen.
  • Verfügbarkeit von Bargeld und Krediten: Die bisher verhängten Finanzsanktionen stellen die Verfügbarkeit ausländischer Kredite in Russland vor ernsthafte Herausforderungen und führen gleichzeitig zu potenziellen Verlusten bei Krediten, die von EU-Ländern an Russland vergeben wurden. Ohne Zugang zu Krediten werden die meisten Unternehmen kurzfristig gezwungen sein, Investitionen in neue Technologien auszusetzen. Das Land leidet auch unter einem starken Bargeldmangel, der sich erheblich auf die Konsumausgaben auswirkt.
  • Wechselkursschwankungen: Russlands Währung stürzte als Reaktion auf die Sanktionen ab, was die Importe von IT-Ausrüstung und -Dienstleistungen erheblich verteuerte. Infolgedessen weigern sich laut IDC viele Unternehmen, Bestellungen nach Russland zu versenden, selbst wenn die Zahlung möglich ist.

In einem Webinar am 17. März werden Analysten von IDC die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zu den Auswirkungen des Kriegs auf die ITK-Branche erläutern.

Cyberangriffe als Folge des Russland-Ukraine-Kriegs

Der Krieg wirkt sich auch auf den Cyberspace aus. In den ersten drei Tagen des Kampfes stiegen laut den Analysten von Check Point die Cyberattacken auf den Regierungs- und Militärsektor der Ukraine um 196 Prozent.

In den Tagen danach sank dieser Prozentsatz. Check Point geht davon aus, dass die Hacker dazu übergegangen sind, andere Regierungen, die sich auf den Konflikt konzentrieren, anzugreifen. Allerdings haben die Attacken auf alle Branchen in der Ukraine und in Russland zusammengerechnet deutlich zugenommen.

In der Ukraine dokumentierte Check Point seit Beginn des Krieges einen Anstieg der Angriffe auf alle Branchen um 20 Prozent. Pro Woche seien 1.466 Organisationen angegriffen worden. In Russland hingegen verzeichnete der Hersteller einen Anstieg der Cyberangriffe auf alle Branchen um ein Prozent und einen Durchschnitt von 1.274 Angriffen pro Woche pro russischer Organisation.

Außerdem hat Check Point aufgeschlüsselt wie viele Cyberangriffe es im Rest der Welt bisher während des Krieges und wie viele Attacken es vor dem Krieg gab:

  • In der EMEA-Region lagen die durchschnittlichen wöchentlichen Angriffe pro Organisation bisher bei 1.068. Das sind 14 Prozent mehr als vor Beginn des Konflikts.
  • In Nordamerika wurden Organisationen pro Woche durchschnittlich 991 Mal angegriffen. Dies sind 17 Prozent mehr als vor Beginn des Kriegs.
  • In Asien und Ozeanien (APAC) lag die Zahl der durchschnittlichen wöchentlichen Angriffe pro Organisation bei 1.718, 11 Prozent höher als vor Beginn des Konflikts.
  • 1.837 Angriffe pro Woche pro Organisation wurden in Lateinamerika verzeichnet. Das sind 17 Prozent mehr als vor Beginn des Konflikts.
  • In Afrika lagen die durchschnittlichen wöchentlichen Cyberangriffe pro Organisation bei 1.987. Dies sind zwei Prozent weniger als vor Beginn des Krieges.

Weitere Details zu den Analysen von Check Point finden Sie hier.

Auch die deutsche Regierung ist aufgrund der Hackerangriffe in höchster Alarmbereitschaft. Das BSI rief eine „abstrakt erhöhte Bedrohungslage“ aus. Dennoch sei für das Bundesamt keine akute unmittelbare Gefährdung der Informationssicherheit in Deutschland im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine ersichtlich. Dies könne sich jedoch jederzeit ändern.

Daher ruft das BSI weiterhin Unternehmen, Organisationen und Behörden dazu auf, ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. Konkrete Informationen stellt das BSI im Rahmen der Allianz für Cyber-Sicherheit bereit.

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