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Der Ehrfurchtseffekt

Sind dröge Typen die besseren Chefs?

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Ira Zahorsky

Charismatische Führungskräfte überwältigen ihre Mitarbeiter geradezu mit ihrer begeisternden Wirkung. Aber sie unterdrücken gleichzeitig den Emotionsausdruck der Mitarbeiter, weil die Mitarbeiter quasi vor Ehrfurcht erstarren.
Charismatische Führungskräfte überwältigen ihre Mitarbeiter geradezu mit ihrer begeisternden Wirkung. Aber sie unterdrücken gleichzeitig den Emotionsausdruck der Mitarbeiter, weil die Mitarbeiter quasi vor Ehrfurcht erstarren. (Bild: CC0 Public Domain)

Eine Studie der WHU - Otto Beisheim School of Management kommt zu einem verblüffenden Ergebnis: Charismatische Führungskräfte haben eine lähmende Wirkung auf Mitarbeiter und können so Unternehmen auf lange Sicht schaden.

Charismatische Führungskräfte versetzen ihre Mitarbeiter in Ehrfurcht und verhindern so, dass Mitarbeiter sich offen äußern. Das kann dem Erfolg eines Unternehmens auf lange Sicht schaden, so das erstaunliche Fazit einer neuen Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management.

Obwohl charismatische Führungskräfte Menschen rasch begeistern und für sich gewinnen können, haben diese Führungskräfte eine einschüchternde Wirkung auf Mitarbeiter. Im Bann von Charismatikern trauen sich Mitarbeiter nicht, ihre Gefühle auszudrücken. Das kann zu emotionaler Erschöpfung, weniger Zufriedenheit und unzureichendem Austausch an Informationen führen – und damit Unternehmen schaden.

Charismatische Führungskräfte wirken einschüchternd

„Charismatische Führungskräfte sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie eine einschüchternde Wirkung auf Mitarbeiter haben“, so Prof. Dr. Jochen Menges von der WHU, Leitautor der kürzlich in The Leadership Quarterly veröffentlichten Studie. „Obwohl die Ehrfurcht, die ihnen entgegen gebracht wird, die Position von Führungskräften stärkt, schadet Ehrfurcht der Zusammenarbeit und dem Ideenaustausch der Mitarbeiter innerhalb einer Arbeitsgruppe.“

Durchgeführt wurde die Studie von Prof. Dr. Jochen Menges und Sarah Kern, beide Lehrstuhl für Führung und Personalmanagement an der WHU, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martin Kilduff vom University College London und Prof. Dr. Heike Bruch von der Universität St. Gallen.

„Charismatische Führungskräfte überwältigen ihre Mitarbeiter geradezu mit ihrer begeisternden und oft auch hypnotisierenden Wirkung. Sie werden angehimmelt, das dient ihrem Machtmotiv, aber sie unterdrücken gleichzeitig den Emotionsausdruck der Mitarbeiter, weil die Mitarbeiter quasi vor Ehrfurcht erstarren. Wer seine Emotionen so unterdrückt hat eine geringere Auffassungsgabe, kann weniger erinnern und ist insgesamt weniger leistungsfähig“, erklärt Menges. „Das kann dazu führen, dass die Aussagen von charismatischen Führungskräfte nicht hinterfragt werden und die Mitarbeiter in ihrem moralischen Urteilsvermögen eingeschränkt sind. Das verblüffende an diesem Befund ist, dass Charismatiker uns zwar begeistern und mitreißen, gleichzeitig uns aber auch lähmen und einschüchtern. Das erklärt, weshalb charismatische Führungskräfte einen großen Einfluss auf Mitarbeiter haben, zum Guten, aber eben auch zum Schlechten.“

Auch der charismatischste Chef kocht nur mit Wasser

Charismatische Führungskräfte können dem Ehrfurchtseffekt entgegenwirken, indem sie auf Mitarbeiter individuell zugehen und Mitarbeitern Raum geben, sich auszudrücken. Charismatische Führungskräfte sollten sich in bestimmten Situationen bewusst zurücknehmen und verschiedene Betrachtungsweisen zu einem Thema anbieten. Für Mitarbeiter von charismatischen Führungskräfte gibt es auch einen Trick, dem Ehrfurchtseffekt entgegenzuwirken: Sie sollten sich bewusst machen, dass auch die charismatischste Persönlichkeit nur mit Wasser kocht.

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