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Microsoft und die Chip-Branche müssen Rückgänge verkraften

Schlapper PC-Markt schlägt auf die Bilanzen durch

| Redakteur: Harry Jacob

Steve Ballmer beim weltweiten Launch von Windows 8, „ dem wichtigsten Produkt für Microsoft seit 17 Jahren“.
Steve Ballmer beim weltweiten Launch von Windows 8, „ dem wichtigsten Produkt für Microsoft seit 17 Jahren“. (Bild: Microsoft)

Windows 8 hat im vergangenen Quartal weder Microsoft noch den PC-Herstellern oder den Halbleiterproduzenten den erhofften „Kick“ gebracht. Das belegen die aktuellen Quartalszahlen.

Laut Bitkom erwartet die IT-Branche in Deutschland für das laufende Jahr einen Zuwachs von 1,6. Insgesamt werde die Branche „optimistisch zur CeBIT“ fahren, so der BITKOM-Vizepräsident Heinz-Paul Bonn. Der Blick zurück auf das vergangene Quartal zeigt jedoch, dass nicht alle Marktteilnehmer Grund zur Hoffnung haben.

Microsoft gibt sich ungebrochen optimistisch: Windows 8 liege bei der Einführung auf dem Niveau des Vorgängers Windows 7, tönt es aus Redmond. Alles in Ordnung also?

Wie sollte man das glauben. Haben sich doch in den letzten fünf Jahren, seit der Einführung von Windows 7, die Rechnerverkäufe stetig nach oben entwickelt. Und die Preise für Windows 8 in einer dreimonatigen Einführungsphase auf ein fast schon vernachlässigbares Niveau: 15 Euro für die jüngsten Käufer von Windows-7-Rechner, 30 Euro für alle Kunden, die von Windows XP und dessen Nachfolgern updaten. Dafür gibt es bis 31. Januar Windows 8 Pro, das der Software-Konzern ab 1. Februar für 280 Euro verkaufen will.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen kann ein Absatz „auf dem Niveau von Windows 7“ nur als Rückschritt gelten – und genau so werden die Zahlen von den Marktexperten wahrgenommen. Auch die Verkäufe des ARM-basierten Surface-Tablets aus dem eigenen Hause scheinen nicht großartig zu sein. Microsoft selbst gibt keine Zahlen dazu bekannt. Bezeichnend ist aber die Reaktion von Samsung: Die Koreaner stellen den Verkauf auf dem US-Markt ein, da die Kunden nicht verstehen würden, dass Windows RT eben kein Windows 8 ist, auf dem sie beispielsweise ihre Desktop-Software installieren können.

Umsatz rauf, Gewinn runter

Immerhin, die Windows-Sparte konnte den Umsatz im vergangenen Quartal um 11 Prozent steigern und einen Gewinn von knapp 3,3 Milliarden Dollar einfahren, die neue Betriebssystemversion hat also ihre Spuren im Geschäftsverlauf hinterlassen. Im Bereich Server und Tools war ebenfalls ein Zuwachs zu verzeichnen, der bei rund neun Prozent lag. Die Business-Division schrumpfte zwar um zehn Prozent, dies ist jedoch dem anstehenden Versionswechsel bei Office geschuldet, der zu einer Kaufzurückhaltung führt.

Entertainment und Devices, die Sparte für Xbox-Konsolen, Spiele und Peripherie musste ebenfalls einen Umsatzrückgang von elf Prozent ausweisen, konnte aber den Gewinn um satte 15 Prozent steigern. Die Online-Division schreibt nach wie vor rote Zahlen, konnte den Verlust aber halbieren.

In Summe kommt Microsoft im Weihnachtsquartal 2012 auf einen Rekordumsatz von knapp 21,5 Milliarden US-Dollar (plus drei Prozent) bei einem Gewinn von fast 6,4 Milliarden Dollar, fast vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Hier schlugen Entwicklungskosten und die Marketingausgaben für Windows 8 durch.

Harte Zeiten für Chip-Hersteller

Nachdem IDC und Gartner bereits dargelegt hatten, dass der PC-Markt bereits zwei Quartale hintereinander schrumpft, war es keine große Überraschung, was Intel vorige Woche verkündete: der Umsatz im vierten Quartal 2012 sank um 3 Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn ging sogar um 27 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zurück. Im Gesamtjahr sank der Intel-Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr leicht von 53,9 auf 53,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn betrug nur noch 11 Milliarden, gegenüber 12,9 Milliarden im Jahr 2011.

Intel-Chef Paul Ottelini kündigte „eine neue Welle von Intel-Innovationen quer durchs ganze Computer-Spektrum“ an. Insbesondere im Geschäft mit Tablets und Smartphones will Intel endlich nennenswerte Anteile erzielen. Hier ist derzeit die ARM-Technologie führend.

AMD rutscht ab

Intel-Konkurrent AMD hat es allerdings noch schlimmer getroffen: Hier brach der Umsatz im letzten Quartal 2012 um mehr als 30 Prozent ein. Unterm Strich stand ein Quartalsverlust von 102 Millionen US-Dollar. Für das Gesamtjahr ist die Entwicklung ein Desaster: Um 17 Prozent ging der Umsatz zurück, und nach einem Gewinn von 491 Millionen Dollar 2011 schrieb der Konzern vergangenes Jahr einen Verlust von knapp 1,2 Milliarden Dollar.

Texas Instruments kam dagegen noch glimpflich davon. Hier betrug der Umsatzrückgang im vierten Quartal 2012 vergleichsweise moderate 13 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar, der Gewinn sank um 11 Prozent auf 264 Millionen Dollar, allerdings gestützt durch eine Steuergutschrift.

TI hatte allerdings im November angekündigt, sich aus dem boomenden Markt für Smartphones und Tablets zurückzuziehen, aufgrund der starken Wettbewerbssituation und der hohen Entwicklungskosten in diesem extrem schnellebigen Markt. Hier fährt man also einen Kurs, der konträr zu dem von Intel steht.

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