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Sapphire 2016: die Produktstrategie von SAP im Fokus SAP setzt auf Digital Enterprise und Hybrid Cloud

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Auf seiner diesjährigen Kundenkonferenz Sapphire stellte SAP die weitere Roadmap für die Produktentwicklung Cloud-basierter Lösungen und anderer Infrastrukturbausteine vor. Der Software-Konzern hat einen harten Prozess der Umwandlung in ein digitales Cloud-Unternehmen hinter sich – und die Transformation geht weiter.

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Sapphire 2016 in Orlando: Bill McDermott, CEO von SAP erläutert in seiner Keynote die weitere Unternehmens- und Produktstrategie.
Sapphire 2016 in Orlando: Bill McDermott, CEO von SAP erläutert in seiner Keynote die weitere Unternehmens- und Produktstrategie.
(Bild: © SAP SE)

„Bei SAP bewegt sich alles in Richtung SAP HANA“, sagte der Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Hasso Plattner. In der Tat gehört die Applikationsplattform HANA, die vor Jahren mal als spaltenorientierte In-memory-Datenbank anfing, mittlerweile zum Kern der SAP-Systemarchitektur, auf dem alle künftigen Produkte aufsetzen. In Orlando stellte SAP jetzt die zwölfte Version von HANA vor.

Neue HANA-Funktionen

Zwei neue Funktionen stehen dabei im Fokus, die vielleicht nicht spektakulär aussehen, aber für HANA-Anwender erheblichen Mehrwert bedeuten können. Die erste Funktion dient der Visualisierung von Datenverbindungen, die komplexe Beziehungen zwischen Personen, Orten und Dingen aufzeigen. Was zunächst wie Social Media Analytics oder eine Graph-Datenbankfunktion klingt, soll laut SAP zu einer besseren Betrugserkennung beitragen.

Die zweite Funktion ist für den Betrieb von HANA in einer Hybrid-Umgebung von Bedeutung. SAP HANA Capture and Replay ist der erste einer Reihe neuer Hybrid Cloud Services, die es einer IT-Abteilung erleichtern sollen, einen Cloud-Service in ihre On-premise-Landschaft zu integrieren und vorab bereits Berechnungen anzustellen, welche Auswirkungen diese Kopplung auf das Produktivsystem haben könnte. „Das trägt letztlich auch zu mehr Kosteneffizienz im IT-Management bei“, sagt Daniel Schneiss, Senior Vice President (SVP) und globaler Leiter des Bereichs SAP HANA Platform und Datenbanken bei SAP. „Wir haben das Programm in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden entwickelt und möchten damit richtungsweisende Datenmanagement-Dienste in der Cloud anbieten.“

Zusätzliche Wartungsoptionen und neue Angebote für KMU

Für die neue Version von SAP HANA werden auch zusätzliche Wartungsoptionen angeboten. IT-Organisationen können nun wahlweise ihre HANA-Umgebung für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren warten oder sich Innovationen für die Plattform SAP HANA zweimal jährlich bereitstellen lassen. Für KMU ist besonders von Interesse, dass sie eine neue Version der Mittelstandsvariante HANA Edge Edition angeboten bekommen.

Hasso Plattner stellt sich den Fragen der internationalen Presse.
Hasso Plattner stellt sich den Fragen der internationalen Presse.
(Bild: © Michael Matzer)

„Die neue Version unterstützt Datenbanken bis 32 GB und Kapazitäten von 128 GB für Dynamic Tiering“, sagte Hasso Plattner in seiner Keynote. Zum Vergleich: 48 Prozent der HANA-Kunden fangen mit 128 GB an, 38 Prozent nutzen 512 bis 1024 GB. Wie hoch der „günstige Einstiegspreis“ für die Edge Edition ist, gab Plattner nicht an. Im Lieferumfang des neuen Angebots enthalten ist außerdem SAP Predictive Analytics Edge Edition, die wie die Edge Edition nur über Channel-Partner zu erhalten ist. Damit lässt sich aber schon Predictive Maintenance realisieren.

Etwa zeitgleich haben die Walldorfer das neue Cloud-Paket SAP Anywhere in USA, UK und China ausgerollt. Damit sollen KMUs zwischen zehn und 200 Mitarbeitern eigene Webshops erstellen und digital bzw. mobil vermarkten können. Wie am Demo-Stand zu erfahren war, wurden dafür Mitarbeiter des NetSuite-Teams angeworben. NetSuite war eine Alternative zu Salesforce. Salesforce, das gab Plattner zu, ist in technischer Hinsicht ein Vorreiter, den es einzuholen gilt. SAP Anywhere adressiert die rund 28 Mio. Kleinunternehmen in den USA, sagt der zuständige Manager EJ Jackson. Aber deren Probleme mit veralteten Geschäftsprozessen finden sich sicherlich auch in Europa.

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Flexibles Deployment

Mittlerweile versuchen die Kunden, bei SAP den Überblick nicht zu verlieren. Das Flaggschiff auf der Anwendungsseite ist seit Januar 2015 die Business-Suite SAP S/4 HANA, die auf den Plattformen HANA und IBM Power läuft. Die Cloud-Nutzung von HANA erfolgt meistens über die HANA Cloud Platform (HCP).

„Die HCP ist unser Angebot zum Thema Platform-as-a-Service im Technologiestapel, während die SAP HANA Enterprise Cloud (HEC) die Infrastructure as a Service und SAP S/4HANA Cloud usw. die SaaS-Komponente in der Cloud bereitstellt“, erläuterte Sven Denecken, SVP für Produktmanagement und Co- Innovation SAP S/4HANA , im Gespräch.

Bill McDermott verkündete eine noch engere Ära der Kooperation mit Microsoft.
Bill McDermott verkündete eine noch engere Ära der Kooperation mit Microsoft.
(Bild: © SAP SE)

Um den Kunden mehr Flexibilität in Sachen Deployment zu bieten, steht die HCP und folglich SAP S/4HANA nicht nur auf HEC bereit, sondern auch auf Amazon Web Services und – ganz neu – auf Microsoft Azure. Zusammen mit Satya Nadella, dem CEO von Microsoft, verkündete SAP-CEO Bill McDermott eine noch engere Ära der Kooperation mit Microsoft. Wie zwei nette Kumpel saßen die beiden Vorstandsvorsitzenden auf der Bühne und plauderten darüber, was das für die Kunden bedeutet. Selbstredend ist HANA jetzt für Azure zertifiziert.

Interessanter ist indes, dass die In-memory-Datenbank HANA ab dem dritten Quartal Instanzen von bis zu 3 Terabyte Arbeitsspeicher nutzen kann. Das dürfte für die meisten Zwecke ausreichen – siehe die Angaben zum Speicherbedarf oben. Zum Vergleich: AWS bietet die größte X1-Instanz für HANA mit 2 Terabyte an.

Allianz mit Microsoft

Doch die Allianz mit den Redmondern geht noch zwei Schritte weiter. Die Apps von Office 365 lassen sich nun mit den Services in SAPs Cloud-Lösungen Concur, Ariba, SuccessFactors und Fieldglass koppeln. Umgekehrt passt SAP seine eigenen Fiori Apps in einer Cloud Edition so an, dass sie auf der SAP HANA Cloud-Plattform mit einem offenen Standard-Plug-in-Framework zu erstellen und anzuwenden sind. Als Teil dieses Frameworks können Kunden Apps erstellen, aufsetzen und schützen, die mit Microsoft Intune verwaltet werden.

Diese Vorgehensweise der Bereitstellung von Plug-ins und Entwicklertools zeigt sich auch in SAPs Ende April angekündigter Allianz mit Apple. Künftig werden 2,5 Mio. SAP-Entwickler in der Lage sein, Apps für Apples Mobil-Betriebssystem iOS zu programmieren, indem sie ein Software Development Kit (SDK) von SAP nutzen. Hinzu kommen Apps von IBM Mobile First für iOS, die sich via HCP in HANA-basierte Umgebungen integrieren lassen.

SAP hat die Bedeutung von Mobile Computing erkannt, aber Hasso Plattner wollte nicht verraten, wann eventuell mit einem speziellen SDK für Android zu rechnen sei. Das, so seine Befürchtung, könne man in Cupertino bei Apple im Rahmen dieser neuen Partnerschaft missverstehen.

SAP HANA Cloud Platform mit API Business Hub

Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied für Produkte und Innovation.
Bernd Leukert, SAP-Vorstandsmitglied für Produkte und Innovation.
(Bild: © Michael Matzer)

Bernd Leukert, der im globalen Vorstand für Produkte und Innovation zuständig ist, kündigte eine schon lange erwartete Öffnung der SAP HANA Cloud Platform (HCP) an. Zunächst gibt es mit dem API Business Hub einen zentralen Servicekatalog, auf den Kunden und Partner für die Entwicklung eigener Apps zurückgreifen können.

„Kunden, Partner und Entwickler werden den Hub nach verfügbaren Business Services durchsuchen, neue Business Services im Hub veröffentlichen und in Zusammenarbeit mit anderen innovative Business Services entwickeln und austauschen können“, so Leukert in seiner reich bebilderten Keynote. Zudem wird die HANA Cloud Integration (HCI) die zentrale Integrationstechnologie bereitstellen, um neue Anwendungen mit dem bestehenden Lösungsportfolio zu verbinden.

Eine Chance für Open Source

Am API Business Hub sollen künftig auch Open Source-Apps aus CloudFoundry andocken dürfen, kündigte Leukert an. Ganz konkret heißt das laut Presseinformation: „Zur Unterstützung von offenen Systemen und Open-Source-Software in der Cloud hat SAP die Betaversion von SAP HANA Cloud Platform, die Starter-Edition für Cloud-Foundry-Services, veröffentlicht. Die Betaversion unterstützt verschiedene Cloud-Foundry-Buildpacks und Services, darunter Java, Node.js, HTML5, MongoDB, Redis, PostgreSQL und RabbitMQ. Diese Services, die über das SAP-HCP-Cockpit verfügbar gemacht werden, sollen Entwicklern helfen, neue und innovative Anwendungen auf Basis von Cloud Foundry zu erstellen, die auf der HANA Cloud Platform ausgeführt werden.“ Hinzu kommen die oben erwähnten SAP Fiori Cloud Edition Apps und selbstredend auch Erweiterungen für SAP S/4HANA.

SAP AppCenter mit Anwendungen von über 400 Partnern

Um all diese bunte Vielfalt künftig verwalten zu können, steht das SAP HANA AppCenter quasi Gewehr bei Fuß. Dort sind bereits Anwendungen von über 400 Partnern zu finden. Hier wurden die Navigation und die Sortierung verbessert. Partner können Apps selbst veröffentlichen. Zudem sind Website-Besucher in der Lage, nutzerbasierte Pakete für die HCP über den einfachen digitalen Kauf im SAP Store sofort bereitzustellen. Man sieht: Alles wird nun schneller gehen.

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„Für unser umfangreiches Kunden- und Partnernetz ist es von entscheidender Bedeutung, Transformation und Innovation in der Cloud voranzutreiben“, so Björn Goerke, Executive Vice President und Corporate Officer der SAP SE. „Die neuesten Updates der SAP HCP geben Unternehmen die Flexibilität, Wahlfreiheit und Effizienz, die sie brauchen, um in allen Geschäftsbereichen innovativ zu bleiben und Wachstum zu fördern.“

Nicht mehr Zukunftsmusik

Während eine neue Cloud-Anwendung für Healthcare und die geplante Integration von SuccessFactors, Fieldglass, Concur und Ariba auf ein gewisses Achtungsinteresse stießen, trauten die rund 20.000 Besucher ihren Augen kaum, als Hasso Plattner die kommenden Anwendungen vorführen ließ. Nachdem der nunmehr allgemein verfügbar gewordene „Digital Boardroom“ Echtzeitdaten mobil darstellen kann, sollen im Laufe des Jahres die Finanzanwendungen „SAP RealSpend“ und „SAP Financial Statement Insights“ folgen. Sie sind ebenso kinderleicht zu bedienen, verschaffen aber rasche Einsichten.

Für eine gewisse Verblüffung sorgte indes die Demo von „SAP Knowledge Workspace“, bei der gezeigt wurde, wie sich unterschiedlichste Informationen zu sinnvollen Aussagen in Echtzeit und mobil auf einem Touchscreen verknüpfen lassen. Die Info-Quellen werden auf dem Touchscreen einfach mit dem Finger zueinander geschoben. So will Plattner beispielsweise auch Lebensläufe aus digitalen Bewerbungsunterlagen rasch auswerten und mit offenen Stellen verknüpfen lassen, um geeignetes Personal schneller zu finden. Alle vier Mashup-Anwendungen laufen auf dem erwähnten API Business Hub und der HCP.

Summa summarum

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, verkündete Plattner stolz. Damit meinte er vor allem den langen Turnaround seines SAP-Supertankers zu einem wendigen Cloud-Schlachtschiff, das es mit den Rivalen Oracle und Salesforce.com aufnehmen können soll – nicht zuletzt in Form zweistelliger Wachstumszahlen. Dafür hat sich der Firmenmitgründer den Beistand großer Cloud-Platzhirsche wie Microsoft, IBM, Google und Apple gesichert.

„Mit inzwischen 3.200 Kunden und rund tausend laufenden Projekten ist SAP S/4HANA sehr gut aus den Startlöchern gekommen“, so Plattner, „wenn auch die Umsetzung der Projekte nicht so schnell geht, wie die Aufträge reinkommen.“ Das bedeutet aber für SAP-Partner nur Gutes: Sie können hier gewinnbringend einsteigen. Für SAP-Kunden gibt es einen vierstufigen Migrationspfad für die Software-Konvertierung auf SAP S/4HANA, und mit SAP S/4HANA Value Assurance Service Packages (VASP) eine Selbstverpflichtung der Walldorfer, mit SAP S/4HANA Qualität und Mehrwert zu liefern.

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