Urteil im Prozess um Tomorrow Now SAP muss an Oracle 1,3 Milliarden Dollar zahlen

Redakteur: Harry Jacob

Das Verfahren von Oracle gegen SAP ist zu Ende. Die Jury setzte den Schadenersatz für Oracle auf 1,3 Milliarden US-Dollar fest. SAP überlegt, das Urteil anzufechten, denn dem deutschen Softwarekonzern droht weiterer Ungemach.

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„Bis zu vier Milliarden Dollar“ wollte Oracle haben, 28 bis 40 Millionen war SAP bereit zu zahlen. Ein von Oracle bestellter Gutachter hatte dagegen den Schaden auf „mindestens 1,65 Milliarden Dollar“ beziffert. Gut drei Wochen lang wurde vor einem Gericht in Oklahoma darüber verhandelt. Das nun verhängte Urteil der Jury gilt als der höchste Schadensersatz, der jemals für eine Urheberrechtsverletzung zuerkannt wurde.

Die inzwischen aufgelöste SAP-Tochter Tomorrow Now, die in Texas ansässig war, hatte Ende 2006 mehrere tausend Downloads von Oracle-Software und -Dokumenten durchgeführt, um danach günstigere Service-Angebote schnüren zu können. Tomorrow Now soll mit Hilfe von Login-Daten von Oracle-Kunden Support-Seiten für Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Produkte geplündert haben. Oracle hatte im März 2007 Anzeige erstattet.

Diebstahl geistigen Eigentums

Der amerikanische Software-Konzern machte geltend, dies sei zum einen ein Verstoß gegen das Urheberrecht gewesen. Zum anderen habe sich SAP durch diesen Diebstahl geistigen Eigentums einen finanziellen Vorteil verschafft, der dazu genutzt worden sei, Oracle-Kunden abzuwerben.

Nach anfänglichem Leugnen hatte SAP den Datendiebstahl schließlich zugegeben. SAP-Chef Henning Kagermann hatte sich dafür bei Oracle entschuldigt. Ein Jahr später hatte SAP die Tochter Tomorrow Now abgewickelt.

Gerichtssaal als Bühne

Anfang November 2010 hatte schließlich der Prozess vor dem Gericht in Oklahoma begonnen. Einer der aktuellen SAP-Chefs, Bill McDermott, hatte die Vorwürfe zugegeben und sich ein weiteres Mal entschuldigt, hatte den Umfang der verfehlungen aber versucht kleinzureden.

Oracle hatte außerdem versucht, Léo Aptheker, einen weiteren Ex-SAP-Chef, vor Gericht zu bekommen. Apotheker musste befürchten, dass der Prozess dazu benutzt werden sollte, ihn in der Öffentlichkeit zu diskreditieren. Denn er hatte erst kürzlich die Konzernleitung bei HP übernommen und damit den gefeuerten Mark Hurd beerbt – einen Freund von Oracle-Chef Larry Elisson. So zog er es vor, dem Schauplatz des Geschehens fern zu bleiben.

Weitere Zahlungen drohen

SAP teilte mit, man sei von dem Urteil enttäuscht und prüfe nun alle Optionen, inklusive einer Berufung. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte es das Ergebnis von SAP erheblich belasten. Bislang hatte der Software-Riese für diesen Fall nämlich nur Rückstellungen in Höhe von 160 Millionen US-Dollar gebildet.

Neben der hohen Schadensersatz-Zahlung könnte auf den Walldorfer Konzern auch noch eine strafrechtliche Verurteilung zukommen – und damit eine weitere finanzielle Belastung. Die US-Behörden haben ihre Ermittlungen bislang noch nicht abgeschlossen. SAP hat ihnen volle Kooperation zugesichert.

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