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DSAG-Technologietage 2019

SAP-Anwender wollen Integration und Automatisierung

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

„Do IT yourself. Wege in die Cloud: gemeinsam denken, individuell handeln“ - das Thema der DSAG-Technologietage 2019 lockte rund 2.500 Teilnehmer ins World Conference Center nach Bonn.
„Do IT yourself. Wege in die Cloud: gemeinsam denken, individuell handeln“ - das Thema der DSAG-Technologietage 2019 lockte rund 2.500 Teilnehmer ins World Conference Center nach Bonn. (Bild: Foto Fabry / DSAG)

„Do IT yourself. Wege in die Cloud“ – so lautete das Motto der diesjährigen Technologietage der SAP-Anwendervereinigung DSAG. Im Fokus der Diskussionen standen Fragen zum Weg in die Cloud, zur Integration sowie zur Automatisierung.

Mit 2.500 Teilnehmern erzielten die Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) in Bonn einen neuen Rekord. Das liegt wohl am Thema. Die Digitalisierung verändert das Business rasant. Die dazugehörigen Technologien und Services entwickeln sich zu einem differenzierenden Bestandteil der Wertschöpfungskette. Der Erfolg vieler Unternehmen dürfte künftig von ihrer IT-Kompetenz abhängen.

Leonardo ergänzt Transaktionssysteme um Innovation

„Die Cloud verschafft Unternehmen Zugang zu Innovationen, Skalierbarkeit und Elastizität“, erläutert er neue DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch. „Anwender müssen aber Know-how aufbauen zu verteilten Anwendungen und zum Umgang mit Applikationen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln.“
„Die Cloud verschafft Unternehmen Zugang zu Innovationen, Skalierbarkeit und Elastizität“, erläutert er neue DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch. „Anwender müssen aber Know-how aufbauen zu verteilten Anwendungen und zum Umgang mit Applikationen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln.“ (Bild: Foto Fabry / DSAG)

Cloud-Technologien spielen in der Digitalisierung eine wichtige Rolle. „Für viele Neuinvestitionen ist die Cloud die richtige Stoßrichtung“, erläutert der neue DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch. „Es werden aber nicht alle Anwendungen und alle Daten in die Cloud wandern.“ Cloud-first ja, Cloud-only nein, lautet sein Credo. Diese Betriebsvariante stelle für viele Unternehmen Zugang zu Innovationen, Skalierbarkeit und Elastizität und entlaste sie von der Verantwortung für den Systembetrieb. Die Public Cloud sei ein strategischer Wachstumsmarkt mit großem Potenzial für viele Anbieter – auch für SAP.

Die SAP empfiehlt für die Digitalisierung eine bimodale Architektur, bei der die Transaktionssysteme On Premises oder in der Private Cloud laufen, während innovative Systeme wie Machine Learning oder Blockchain über SAP Leonardo aus der SAP-Cloud kommen. „In dieser Architektur entkoppeln wir die Innovationsgeschwindigkeiten der Transaktionssysteme und der innovativen Erweiterungen“, berichtet Markus Noga, Senior Vice President Machine Learning bei der SAP. „Das Feedback der Unternehmen ist gut, denn SAP agiert hier Cloud first, aber nicht Cloud only.“ Eine On-Premises-Anwendung könne über die Cloud-Platform innovative Anwendungen leichtgewichtig integrieren.

Unternehmen müssen Cloud-Know-how aufbauen

DSAG-Technologievorstand Pietsch sieht die einheitliche SAP Cloud Platform prinzipiell als Vorteil, warnt aber dennoch vor den Herausforderungen: „In den Unternehmen muss ein Know-how-Aufbau erfolgen. Nicht nur zum Thema Cloud und verteilte Anwendungen, sondern auch zum Umgang mit Applikationen und Lösungen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln.“

Viele Unternehmen hätten massiv in SAP-Software und deren Anpassungen investiert und bezahlten hohe Wartungsgebühren für ihr On-Premises-Portfolio. Daher erwarteten sie auch, dass ältere Produkte grundlegend weiterentwickelt und gesetzliche Anforderungen umgesetzt würden. Vor einer Migration in die Cloud müssten die jeweiligen Lösungen funktional zulegen und zumindest gleichwertig mit den heutigen On-Premises-Applikationen sein.

SAP wandele mit der Cloud vom reinen Entwicklungshaus zum Betreiber von Lösungen und Plattformen. Damit veränderten sich auch die Qualitätsanforderungen der Kunden: „Waren früher Benutzerfreundlichkeit, Fehlerfreiheit und Vollständigkeit die zentralen Schlagworte, sind es heute zusätzlich Skalierbarkeit und Elastizität, Stabilität und Verfügbarkeit, Self-Services und Automatisierung“, erläutert Pietsch. „Hinzu kommen Best Practices, Referenzarchitekturen und Schulungskonzepte, die auf 14-tägige Releases statt auf jährliche Neuerungen ausgelegt sind.“

Offene Schnittstellen sollen die Integration erleichtern

Viele Geschäftsprozesse werden heute über mehrere Anwendungen hinweg orchestriert. Dadurch steigt die Zahl der Applikationen und der eingesetzten Technologien. Die Integration werde zum Schlüsselfaktor, sowohl auf technischer als auch auf semantischer Ebene. Pietsch fordert daher von SAP eine API-first-Strategie (Application Programming Interface, API), die sämtliche Funktionen und Daten einer Anwendung über öffentliche, standardisierte und dokumentierte Schnittstellen zugänglich macht. „Eine API-first-Strategie für On-Premise-Applikationen und Cloud-basierte Lösungen ist eine wichtige Voraussetzungen, um SAP-Software mit Eigenentwicklungen, Partnerlösungen und Drittanbietersoftware zu integrieren.“ Bessere Schnittstellen alleine reichen laut Pietsch allerdings nicht aus: „Der Vorteil bei Koppelung von zwei oder mehr SAP-Lösungen untereinander muss in semantisch kompatiblen Datenmodellen liegen. Nur dann funktioniert Integration Out-of-the-box“.

Automatisierung des SAP-Betriebs ist der DSAG zu gering

Die Automatisierung ist ein weiteres Thema der DSAG Technologietage. Zunächst geht es um den Betrieb der SAP-Systeme. Um eine hohe Innovationsgeschwindigkeit zu erreichen, müssen sich laut DSAG Veränderungen an bestehenden Systemen und Prozessen schnell umsetzen lassen. Das setze voraus, dass sich SAP-Lösungen durchgängig automatisiert betreiben lassen. Testautomatisierung, Sicherheitschecks auf Konfigurations- und Code-Ebene sowie umfangreiches Monitoring seien besonders wichtig. „Die Unterstützung des SAP-Standards für eine durchgängige Automatisierung von Entwicklungs- und Betriebsprozessen nehme ich bislang als zu gering wahr“, kritisiert Pietsch. „Ich wünsche mir durchgängigere Lösungsbausteine, die Unternehmen den Weg in die Cloud ebnen. Sei es mittels Weiterentwicklungen durch SAP oder durch die Integration von Lösungen aus der Open-Source-Community“.

Algorithmen automatisieren Prozesse anwendungsübergreifend

„Mit Contextor haben wir für die Robotic Process Automation On-Premises-Fähigkeiten zugekauft, die vielfältige Konnektoren in Drittsysteme umfassen“, berichtet Markus Noga, Senior Vice President Machine Learning bei der SAP. „Diese Technologie integrieren wir mit unserer selbstentwickelten Cloud RPA.“
„Mit Contextor haben wir für die Robotic Process Automation On-Premises-Fähigkeiten zugekauft, die vielfältige Konnektoren in Drittsysteme umfassen“, berichtet Markus Noga, Senior Vice President Machine Learning bei der SAP. „Diese Technologie integrieren wir mit unserer selbstentwickelten Cloud RPA.“ (Bild: DSAG)

Auch die Geschäftsprozesse selbst will die SAP automatisieren. Noga unterscheidet hier mehrere Ebenen. Zum einen die in Anwendungen eingebettete Intelligenz. Hier gehe es darum, transaktionale Systeme beispielsweise in der Finanzbuchhaltung über integrierte Machine-Learning-Modelle zur automatisieren. Die zweite Säule sei die prozess- und anwendungsübergreifende Automatisierung, auch Robotic Process Automation (RPA) genannt. SAP hat dazu im November des vergangenen Jahres den französischen Anbieter Contextor übernommen. Dessen Portfolio umfasst interaktive Assistenten, über die sich Aktionen der Anwender analysieren lassen. Der Assistent orchestriert die dahinterliegenden Applikationen, glättet Prozesse und automatisiert Aufgaben.

Vor etwa acht Wochen hatte SAP angekündigt, dass sie die Anwendungen von Contextor ins eigene Portfolio integrieren will. Bereits im nächsten Monat sollen laut Noga die ersten Produkte auf den Markt kommen: „Mit Contextor haben wir breite On-Premises-Fähigkeiten zugekauft, die vielfältige Konnektoren in Drittsysteme umfassen. Diese Technologie integrieren wir mit unserer selbstentwickelten Cloud RPA. Wir schlagen dabei Brücken zwischen Inhouse- und Cloud-Systemen und erleichtern die Automatisierung über vordefinierten Content.“

Jürgen Frisch
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