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DSAG-Jahreskongress

SAP-Anwender diskutieren hybride IT-Architekturen

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

Die Zahl der in ERP-Systemen abgebildeten Prozesse wird sinken“, prognostiziert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck. „Um den Kern herum benötigen Unternehmen agile Prozesse in Richtung Kunden und Lieferanten, und diese werden typischerweise über ergänzende Cloud-Module abgebildet.“
Die Zahl der in ERP-Systemen abgebildeten Prozesse wird sinken“, prognostiziert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck. „Um den Kern herum benötigen Unternehmen agile Prozesse in Richtung Kunden und Lieferanten, und diese werden typischerweise über ergänzende Cloud-Module abgebildet.“ (Bild: DSAG)

„Business ohne Grenzen – Architektur der Zukunft“ lautet das Motto des Jahreskongresses der SAP-Anwendervereinigung DSAG. Über 5000 Besucher diskutieren in Leipzig den Weg in die Digitalisierung. Hybride Systeme lautet das Schlagwort, engere Integration steht auf der Wunschliste.

Vernetzung ist das große Thema auf dem Jahreskongress der SAP-Anwendervereinigung DSAG in Leipzig: „Unternehmen müssen künftig Daten aus verteilten Prozessen zusammenführen, und zwar sowohl im eigenen Haus als auch über dessen Grenzen hinweg“, erläutert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck in seiner Keynote. „Mehrwerte für die Kunden schaffen Unternehmen nur in enger Kooperation.“

Diese Art des Wirtschaftens beeinflusse die IT-Systeme, aber eine Blaupause für deren Architektur stehe noch aus. Wie die einzelnen Bausteine funktionieren, hätten die meisten SAP-Anwender verstanden. Nun gehe es um die ganzheitliche Sicht auf eine IT-Architektur, die klassische und neue Ansätze der Vernetzung abdeckt und den Weg in die Digitalisierung ebnet.

ERP muss künftig mehr sein als ein stabiler Kern

Die bisherige Rolle unternehmensweiter Standardsoftware (ERP) als stabiler Kern reiche künftig nicht mehr aus. „Die Zahl der in ERP-Systemen abgebildeten Prozesse wird sinken“, prognostiziert Lenck. „Um den Kern herum benötigen Unternehmen agile Prozesse in Richtung Kunden und Lieferanten, und diese werden typischerweise über ergänzende Cloud-Module abgebildet.“

Bislang ungeklärt sei die Frage, wie die Geschäftsprozesse in einem derartigen hybriden Modell aussehen: „Für einen übergreifenden Austausch müssen die Datenmodelle einheitliche Strukturen aufweisen und den Zugriff aus Analyse- und Planungswerkzeugen heraus ermöglichen“, erläutert der DSAG-Chef. Die IT-Systeme aller beteiligten Plattformen sollten ohne aufwändige Konvertierung miteinander kommunizieren. Die Integration reiche künftig über Unternehmensgrenzen hinaus, und daher bräuchten Unternehmen offene Systeme.

In die Cloud wandern Marketing und Vertrieb

Die Cloud ermöglicht durch permanent aktualisierte Systeme für Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil. Marketing- und Vertriebsprozesse nutzen aktuell 48 Prozent der Befragten aus der Cloud. Kernprozesse hingegen verlagern lediglich 10 Prozent der Befragten dorthin. Lenck leitet daraus eine weitere Forderung an die SAP ab: „Wir brauchen weniger Cloud-only Entwicklungen und erwarten funktionale Weiterentwicklungen im Rahmen der Wartung und keine neue Cloud-Subskription. Funktionen innerhalb von Kernanwendungen müssen integriert bleiben.“ Nur so ließen sich Geschäftsprozesse effizient abbilden.

Digital Skills, Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge (IoT) betrachten DSAG-Mitglieder laut Umfrage als wichtigste Themen bei der digitalen Transformation. 34 Prozent sehen sich für diesen Wandel gut aufgestellt.
Digital Skills, Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge (IoT) betrachten DSAG-Mitglieder laut Umfrage als wichtigste Themen bei der digitalen Transformation. 34 Prozent sehen sich für diesen Wandel gut aufgestellt. (Bild: DSAG)

Im Sommer hat die DSAG CIOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz online befragt. Rund die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern. Wichtigstes Thema in den Betrieben ist der Aufbau digitaler Mitarbeiter-Skills gefolgt von künstlicher Intelligenz/Machine Learning und Vorhaben rund um das Internet of Things. Über ein Drittel der befragten DSAG-Mitglieder schätzen sich bei der digitalen Transformation als weit bis sehr weit ein. Im Vergleich zu 2017 ist dieser Wert um Prozentpunkte gestiegen.

Zu den wichtigen Bestandteilen der Architektur der Zukunft zählen Plattformen für unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse. Bei den DSAG-Mitgliedern herrscht hier eine Vielfalt vor: 55 Prozent der Umfrageteilnehmer bescheinigen der SAP Cloud Platform eine hohe Relevanz für die Digitalisierung. Es folgen Microsoft Azure mit 50 Prozent und Amazon Web Services mit 31 Prozent. Google kommt abgeschlagen auf 15 Prozent.

S/4HANA hat laut DSAG-Studie für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform ist mit 47 Prozent im Rennen, SAP Leonardo mit 30 Prozent. Mit der Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation.
S/4HANA hat laut DSAG-Studie für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform ist mit 47 Prozent im Rennen, SAP Leonardo mit 30 Prozent. Mit der Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte ihre Transformation. (Bild: DSAG)

S/4HANA gilt als Treiber der Digitalen Transformation

Auch die Relevanz von SAP-Lösungen für die digitale Transformation hat die Online-Umfrage untersucht. S/4HANA hat für über drei Viertel der Befragten eine hohe Relevanz. Die SAP Cloud Plattform ist mit 47 Prozent im Rennen, SAP Leonardo mit 30 Prozent. Mit der SAP Business Suite als zentralem System plant über die Hälfte der Befragten ihre Transformation. Die Weiterentwicklung der Business Suite muss daher laut Lenck gewährleistet bleiben und darf nicht zugunsten der Cloud reduziert oder gar aufgegeben werden.

Bei der Frage nach der Migration auf S/4HANA schätzen 41 Prozent der Unternehmen, dass sie ihre Systeme bis 2015 komplett umgestellt haben. Weitere 28 Prozent zumindest teilweise. „Aktuell sind in S/4HANA noch nicht alle abgekündigten Funktionen des alten ERP abgebildet“, berichtet Lenck. „Wenn sich das nicht ändert, brauchen wir Alternativen für die ERP-Transformation.“

SAP vereinigt Datenmodelle über Business Services

SAP gliedert ihre IT-Architektur in zwei Ebenen: standardisierte Geschäftsabläufe laufen im Kernsystem S/4HANA, agile innovative Anwendungen in der Cloud. Unter dem Dach von Leonardo bündeln die Walldorfer in der SAP-Cloud Innovationsbausteine wie etwa Internet of Things und Blockchain. Grundsätzlich sind die Vorstellungen der SAP und der Anwendervertreter über die IT-Architektur der Zukunft ähnlich.

SAP-Technologievorstand Bernd Leukert greift in seiner Keynote das Thema Vernetzung auf und benennt hierfür drei Elemente: Intelligente Systeme, intelligente Plattformen als Datenlieferant und intelligente Technologien wie Machine Learning. Die Integration dieser Elemente laufe über wiederverwendbare Business Services, die das geforderte einheitliche Datenmodell realisierten und einen Single Point of Truth schafften. Diese Art der Integration sei der Mehrwert, der die SAP Cloud-Plattform von anderen Clouds unterscheide.

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