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Samsung drängt ins Lösungsgeschäft

| Autor: Klaus Länger

Auf dem Weg von den Produkten hin zu Lösungen: Das B2B-Geschäft des Elektronik-Giganten aus Südkorea.
Auf dem Weg von den Produkten hin zu Lösungen: Das B2B-Geschäft des Elektronik-Giganten aus Südkorea. (Bild: Samsung)

Samsungs B2B-Zweig erwirtschaftet inzwischen jeden fünften Euro des Gesamtumsatzes in Deutschland. Dabei verkauft das koreanische Unternehmen über seine Partner vor allem Lösungen und geht dabei auch ungewöhnliche Allianzen ein. Wichtige Themen sind dabei der Arbeitsplatz der Zukunft, die Digitalisierung des Handels oder der Vorstoß in den Automotive-Sektor.

Dass Samsung ein Megakonzern ist und vom Speicherchip bis hin zum Supertankern alle möglichen Produkte herstellt, ist für die breite Öffentlichkeit durchaus geläufig. Auch dass Samsung das größte Unternehmen Südkoreas ist, dürfte vielen ein Begriff sein.

Trotzdem wird die Firma hierzulande vor allem als Hersteller von Consumer-Produkten wie den Galaxy-Smartphones, TV-Geräten, Waschmaschinen oder Geschirrspülern wahrgenommen. Allenfalls der Samsung-Monitor im Büro oder der Laserdrucker werden als Business-Produkte registriert.

Tatsächlich spielt die B2B-Sparte für die deutsche Dependance des koreanischen Unternehmens eine immer größere Rolle. Von elf auf 19 Prozent ist der Umsatzanteil in den vergangenen 30 Monaten gestiegen, der im B2B-Channel-Geschäft erzielt wird, erklärt Martin Böker, Director B2B bei Samsung Electronics. Damit ist Deutschland für den Konzern insgesamt der fünftgrößte B2B-Markt.

Weiteres Wachstum sieht Böker beispielsweise im Automotive-Sektor. Hier wurde mit Harman ein wichtiger Zulieferer für Connected-Car-Technologien erworben. Für Böker öffnet gerade dieses Thema auch die Tür für andere Digitalisierungsprojekte bei den Automobilherstellern, bei denen seine Firma ihre Partner mitnimmt.

Mobilgeräte als Umsatzbringer auch für B2B

Der umsatzstärkste Teil der B2B-Sparte sind Mobilgeräte und unter ihnen primär Smartphones, Android-Tablets und damit verbundene Services. Das Geschäft mit Notebooks und PCs in Europa haben die Koreaner 2014 weitestgehend aufgegeben, auch wenn sie seit Anfang 2016 mit den Galaxy-Tab-Modellen wieder 2-in-1-Tablets mit Windows 10 anbieten. In anderen Regionen verkauft der Hersteller weiterhin aktuelle Notebooks bis hin zum Gaming-Boliden, Chromebooks und sogar All-in-One- oder Design-PCs.

Ergänzendes zum Thema
 
Fisch und Chips: Die Geschichte von Samsun

Natürlich drängt sich die Frage auf, warum Smartphones dem B2B-Sektor zugeschlagen werden. Antwort: Die hierzulande angebotenen Mobilgeräte sind Bestandteile eines mobilen Arbeitsplatzkonzepts im Sinne einer „Open Economy”, bei der die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen und „Bring your own Device“ zum Normalfall wird.

Da bei diesen Szenarien die Datensicherheit, die Trennung zwischen privaten ­Daten und denen der Firma, sowie ein einfaches Management der Geräte gewährleistet sein müssen, ist unter der ­Bezeichnung „Knox” ein ganzes Bündel an Lösungen und Diensten im Programm, die über die Partner vertrieben werden. Mit dem Knox-Bootcamp wurde auch ein neues Schulungsformat für die Partner etabliert. Auf Knox gehen wir näher in dem Artikel über den Distributor Komsa und dessen Beziehung zu Samsung auf Seite 28 ein.

Mit dem Galaxy S8 oder S8+ sowie der Dex-Station soll auch die Grenze zwischen Smartphone und Arbeitsplatz-PC fallen. Ähnlich wie bei Microsofts Continuum wird das Smartphone in ein Dock eingesteckt, an das wiederum Monitor, Keyboard und Maus angeschlossen sind.

So lassen sich einerseits viele Android-Apps auf einem Windows-ähnlichen Desktop nutzen, andererseits ist über VDI-Lösungen, wie Citrix Receiver, VMware Horizon Client und Amazon Workspaces auch der Zugriff auf virtuelle Windows-Rechner möglich.

Schwergewicht bei Digital Signage

Ein weiteres wichtiges Element in der B2B-Strategie sind Displays. Das Unternehmen ist nicht nur einer der größten Hersteller von PC-Monitoren, sondern auch führend im Digital-Signage-Markt. Die Koreaner haben ihr entsprechendes Portfolio in drei Segmente gegliedert: Smart Signage, Smart Hospitality und Smart LED-Signage.

Die erste Kategorie umfasst Large-Format-Displays und Video-Walls für den In- und Outdoor-Einsatz, interaktive Whiteboards und sogar digitale Preis- oder Hinweisschilder auf E-Paper-Basis. Eine Besonderheiten im Sortiment ist ein in Spiegeln integriertes Display.

Samsung gehört zu den Herstellern, die bei Digital Signage auf Projektoren verzichten und sich statt dessen komplett auf Displays konzentrieren. Bei Ultra-HD-Displays verwendet der Hersteller die eigene Quantum-Dot-Technologie, die auch sehr kleine Farbnuancen realistisch darstellen können. Die vom koreanischen Mitbewerber LG favorisierte OLED-Technik nutzt Samsung nur bei Smartphones. Die Entwicklung transparenter OLEDs für den Signage-­Bereich wurde bei Samsung ebenfalls gestoppt.

Zur zweiten Kategorie gehören Displays für das Hotelgewerbe oder Krankenhäuser, zur dritten große Videowalls aus LED-Modulen für die Außenwerbung, als Display in Stadien oder bei Großveranstaltungen. Die Grenzen sind dabei durchaus fließend, und Samsung bringt hier für konkrete Projekte auch spezialisierte Partner aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Ein Beispiel dafür ist die Kooperation mit dem Büromöbel-Hersteller Vitra, in der gemeinsam Konzepte für einen modernen, flexiblen und kommunikativen Arbeitsplatz entwickelt werden. Samsung war 2016 auch auf der Büromöbelmesse Orgatec vertreten.

Der Begriff „Smart” hat bei vielen der ­Large-Format-Displays durchaus seine Berechtigung. Denn sie sind mit Samsung-SoCs und einem eigenen Betriebssystem ausgestattet. So kommen sie bei den meisten Anwendungen ohne einen zusätzlichen PC als Zuspieler aus. Aktuell sind die Koreaner bei der vierten Iteration ihrer Smart-Signage-Plattform angekommen. Sie be­inhaltet nicht nur stärkere Prozessoren und einen größeren Arbeitsspeicher im Display, sondern vor allem das primär in Eigenregie entwickelte Tizen als Betriebssystem.

Das quelloffene Tizen nutzt Linux als Kernel und API, es enthält auch Teile von Samsungs Bada. Anwendungen werden primär als HTML5-Apps ausgeführt. Gemeinsam mit Microsoft arbeitet der Hersteller zudem an .Net für Tizen. Der Hersteller nutzt Tizen auch als Betriebssystem für Smart-TV-Geräte, die Gear-Smartwatches und als Basis für Samsung Connect Auto. Knox läuft inzwischen auch auf ­Tizen. Böker sieht darin einen wichtigen Schritt hin zu mehr Sicherheit für IoT-­Geräte.

Für die LFDs mit Tizen verspricht Samsung neben einer unkomplizierten Entwicklung von Web-Applikationen mit JavaScript auch umfangreiche Remote-Management-Funktionen. Auf der letzten ISE im Amsterdam wurde unter anderem die direkte Anbindung von Smart-Displays mit Touch-Funktion an gängige Warenwirtschaftssysteme demonstriert und sogar ein Tizen-Display mit direkt angeschlossenem Barcode-Scanner gezeigt.

Eine weitere Stärke der Smart Signage Plattform 4.0 soll die einfache Einbindung von Mobilgeräten wie Smartphones als ­„Second Screen” sein sein, mit denen zusätzliche Informationen zu den auf dem LFD dargestellten Inhalten abgerufen werden. Auch das ist ein gutes Beispiel, wie Partner aus dem Mobil- und aus dem Digital-Signage-Bereich an einem Projekt zusammen arbeiten können.

SSDs im Aufwind auch bei B2B

Eine immer wichtigere Produktkategorie für den Business-Channel sind laut Böker die SSDs. Hier kann der IT-Fachhandel nicht nur auf eine ganze Reihe von Client-SSDs mit SATA- und NVMe-Interface zugreifen, sondern auch auf Server-SSDs und die kompakten portablen SSDs der T3-Baureihe mit USB-Typ-C-Schnittstelle. Storage ist eine der Spezialisierungen innerhalb des Partnerprogramms, das unter der Bezeichnung STEP läuft. Weitere Spezialisierungsbereiche sind Display, IT & Mobile sowie Printing. Großkunden werden von eigenen Named-Account-Teams betreut, die über Produktgruppen hinweg organisiert sind. Sie arbeiten bei Projekten mit Partnern aus verschiedenen Bereichen zusammen.

Abschied auf Raten: Samsungs Druckersparte

Ein Teilaspekt bei Projekten waren bisher nicht selten auch die Drucker oder Multifunktionsgeräte von Samsung. Allerdings wurde die Druckersparte an HP verkauft, die Übernahme soll in der zweiten Hälfte des Jahres über die Bühne gehen. Bis dahin soll das Geschäft laut Böker wie gewohnt weitergehen. Auch danach sollen Drucker und Multifunktionsgeräte noch zwei Jahre unter der Marke Samsung weitergeführt werden, Ersatzteile sogar für fünf Jahre. Das jedenfalls teilte Norbert Höpfner mit, der Chef der deutschen Druckersparte. Die Marke Samsung werde dabei als Geschäftsbereich bei HP integriert, sämtliche Partnerverträge laufen zu den bisher bestehenden Konditionen weiter.

HP hat schon vor dem Kauf bei der Entwicklung der aktuellen Generation von A3-Geräten mit dem koreanischen Konzern zusammengearbeitet. Der US-Hersteller will durch die Übernahme der Samsung-Druckersparte vor allem den Einstieg in den Markt für große A3-Maschinen schaffen, der bisher noch von Büromaschinenspezialisten dominiert wird. Dabei sollen etwa 1.300 Entwickler und 6.500 Patente helfen, die HP mit übernimmt. Böker geht für die Zukunft von einer intensiven Zusammenarbeit mit HP aus.

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