Cloud Computing und das Subscription-Modell Sage rüstet sich für das Software-Business der Zukunft

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Insbesondere für große Player wie Sage Software können Technologieumbrüche gefährlich werden, wenn man allzu starr am Altbewährten festhält. Diese Feststellung zog sich quer durch den Sage-Partnertag 2012 in Stuttgart. Insbesondere das Subscription-Modell wurde heiß diskutiert.

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Die Hauptniederlassung von Sage Software in Frankfurt am Main.
Die Hauptniederlassung von Sage Software in Frankfurt am Main.
(Sage Software)

Um nichts geringeres als den Wandel in der Software-Branche und dessen Auswirkungen auf das Partnergeschäft ging es auf dem Sage-Partnertag 2012 in Stuttgart.

Die Einstimmung

Das zeigte sich gleich zu Beginn in der Keynote von Prof. Dr. August Scheer zum Thema „IT-Welt im Wandel“. Der IT-Unternehmer (IDS Scheer AG), Erfinder des ARIS-Konzeptes (Architektur integrierter Informationssysteme) und ehemalige Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes ist als Gastdozent zur Sage-Veranstaltung in den Stuttgarter Messe angereist. Scheer skizzierte das große Bild hinsichtlich aktueller Trends und ordnete ähnliche Umbrüche geschichtlich ein.

Unterschätzte Garagenfirmen

So wies Scheer darauf hin, dass etablierte Großunternehmen dann schwere Zeiten durchmachen können, wenn „Garagenunternehmen“ aktuelle Trends besser aufgreifen. So haben beispielsweise die etablierten Kutschenhersteller so lange die Erfindung „Automobil“ unterschätzt, bis ihnen neu gegründete „Garagenunternehmen“ den Rang abgelaufen haben. Dass Quelle mit dem Print-Katalogkonzept irgendwann nicht mehr „up to date“ war, während im selben Zeitraum Amazon zu einem Großkonzern avancierte, ist für Scheer ein aktuelles Beispiel.

Wachsam bleiben

Derlei Effekte gibt es laut Scheer auch heute noch, selbst wenn Konzerne mit modernen Konzepten wie Vorschlagswesen aktiv versuchen, dass keine gute Idee an mögliche, zukünftige Wettbewerber verloren geht. „Microsoft hat Google groß werden lassen und Google hat Facebook groß werden lassen“, bringt es Scheer auf den Punkt. Und das, obwohl die Geschäftskonzepte der neuen Konkurrenten sicherlich auch schon mal in der einen oder anderen Form auch bei Microsoft beziehungsweise Google diskutiert wurden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite ein aktuelles Beispiel für die Auswirkungen von Technologieumbrüchen.

Megatrends

Amazon surfte sich auf der E-Commerce-Erfolgswelle an die Spitze. Aktuelle Megatrends werden weitere Big Player hervorbringen. Scheer nannte die Trends beim Namen: Internet, Cloud, Big Data, In Memory, Social Media, Mobility, Collaboration.

Das klingt nach Buzzwording. Scheer wurde allerdings konkret und beschrieb, wie das Konzept „Smart Production“ dazu imstande sei, einen Technologieumbruch in der Massenfertigung auszulösen: Alle Objekte in einem Fertigungsbetrieb (also vor allem Maschinen und unfertige Produkte) seien dabei über das Internet der Dinge miteinander verknüpft. Logistische Prozesse und die Arbeitsweise von ERP-Software könnte sich so in Hinblick auf einen weitaus höheren Automatisierungsgrad in der Fertigung verbessern.

Die Sage-Situation

Durch diese Keynote sensibilisiert für Technologieumbrüche und deren Folgen, konnte Sage-Chef Peter Dewald das Gesagte in einen aktuellen, auf Sage bezogenen Kontext rücken. „Jetzt ist die Zeit für Veränderungen“, könnte man als Kernbotschaft zusammenfassen. Ein Technologieumbruch beschäftigt Sage samt Partner dabei besonders intensiv: Cloud Computing und die Auswirkungen auf das Partnergeschäft. So formulierte Dewald im Gespräch mit IT-BUSINESS vor wenigen Wochen eine unbequeme Wahrheit für Reseller: Nur Wertschöpfung kann vergütet werden. Cloud Computing nimmt aber insbesondere bei Bestandskunden Wertschöpfung aus dem Channel, was in letzter Konsequenz auch zu Anpassungen im Reseller-Margenmodell führen müsse.

Das Subscription-Modell

Das Subscription-Modell aus der Sage-Perspektive.
Das Subscription-Modell aus der Sage-Perspektive.
(Sage Software)
Dewald skizzierte die Entwicklung des Subscription-Modells, welches hinter Miet-Software steht, aus der Sage-Perspektive: Phase 1 war der klassische Vertrieb von ewigen Lizenzen, die über Channel-Partner vertrieben wurden. Phase 2 war auch bei Sage eine Übergangsphase: Während die Anwendung selbst noch als Lizenz verkauft wurde, gab es spezielle Support-Leistungen sowie Nutzungsmöglichkeiten angeflanschter Services nur in vertraglich auslaufenden Zeiträumen gegen eine Service-Gebühr. Phase 3 in der Evolution der Software-Bereitstellungsmodelle ist folgerichtig die reine monatliche Subskription. Gegen eine Monatsgebühr gibt es dabei das volle Paket: Anwendung, Support und Connected Services (siehe Grafik).

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zur neuen SMB-Struktur bei Sage.

Die neue SMB-Struktur

Darüber hinaus stellte sich Matthias Schneider als neuer SMB- und Channel-Verantwortlicher vor (siehe Kasten „Organisation von Sage“). Auch Schneider thematisierte konsequenterweise das Subscription-Modell und dessen Folgen für das Partner-Geschäft. Der frischgebackene SMB-Chef zeigte am Beispiel von Office Line, inwieweit man das Subscription-Modell auch aus Margen- und Channel-Sicht positiv sehen kann: Vergleicht man die kumulierten Margen zwischen Office Line 24 und der entsprechenden On-Premise-Version, sei die Margensituation ungefähr ab 3,5 Jahren im Subscription-Modell besser.

Keep it simple

Wichtig war Schneider auch die Botschaft, dass man sich das Leitmotiv „Keep it simple“ zu eigen machen wolle, insbesondere was den Lizenz-Dschungel angeht. Eine weitere Priorität sei für ihn, die verschiedenen Leo-Margenmodelle zusammenzuführen. Im Sage-Universum steht „Leo“ für „leistungsorientierten Margenmodell“, in welchem nicht nur Umsatz, sondern verschiedene Leistungsmerkmale wie Fortbildungsneigung oder Neukundenakquise besonders belohnt wird. In diesem Bereich strebt man bei Sage insgesamt mehr Transparenz an, so Schneider. □

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