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Interview mit dem PC-Ware-Vorstandsvorsitzenden Dr. Knut Löschke »SaaS erfordert eine neue Arbeitsteilung«

| Redakteur: Regina Böckle

PC-Ware ist einer der SaaS-Anbieter der ersten Stunde. Aus Sicht von PC-Ware-Chef Dr. Knut Löschke setzt SaaS lediglich die Bereitstellung von Software mit neuen technologischen Methoden fort. Der Hemmschuh aber steckt im Detail.

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Dr. Knut Löschke ist Gründer, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der PC-Ware Information Technologies AG.
Dr. Knut Löschke ist Gründer, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der PC-Ware Information Technologies AG.
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Was hat PC-Ware zum Einstieg in das SaaS-Geschäft bewogen?

Dr. Löschke: Wir sind nicht plötzlich eingestiegen, wir sind schon immer drin. Denn eines unserer Kerngeschäfte ist im weitesten Sinne die Bereitstellung von Software für IT-Infrastrukturen. In der Vergangenheit geschah dies fast ausschließlich über den Verkauf von Benutzungserlaubnissen – Lizenzen – in Verbindung mit Datenträgern, auf denen Kopien der Software zur Installation im Kundensystem geliefert wurden. Seit Jahren sehen wir eine erfreuliche technologische als auch lizenzrechtliche Entwicklung, die zahlreiche Möglichkeiten eröffnet, Software flexibel zu nutzen. Insofern beschreibt Software als Service genau dies und wir befinden uns von Anfang an mitten in diesem spannenden Geschäft.

ITB: Welche Probleme hatten Sie als Anbieter einer SaaS-Plattform zunächst zu meistern?

Dr. Löschke: Die Kapazität der Hochleistungsrechenzentren, in denen die Software läuft, ist vorhanden. Schnelle und sichere Netze, mit denen die Softwareleistung und deren Steuerung übertragen wird, sind existent und bezahlbar, und eine Menge Software selber ermöglicht die Nutzung über ASP. Technische Probleme gibt es praktisch nicht mehr. Allenfalls Akzeptanzprobleme, Preis- und Lizenzmodell-Fragen, die entweder schon gelöst sind oder noch gelöst werden müssen.

ITB: Können Sie diese beiden Punkte – Akzeptanzprobleme auf der einen und Preis- und Lizenzmodell-Fragen auf der anderen Seite – näher erläutern?

Dr. Löschke: Auf Seiten der Endkunden gibt es noch immer große Bedenken, sobald es um die Auslagerung von Daten geht. Technologisch lässt sich der Zugriff auf die Daten, ebenso wie die Daten selbst, garantiert hoch verschlüsselt schützen. Dennoch haben Kunden das Gefühl, die Daten seien einfach sicherer, wenn sie lokal vor Ort gespeichert werden. Das bedeutet: die Verarbeitungsleistung der Daten – und nichts anderes macht ja jede Software – kann immer extern erfolgen. Doch kaum ein Kunde will die Daten selbst extern hosten lassen. Erst auf diese Weise wäre es ihm aber möglich, weltweit und jederzeit sicher per Browser-Zugriff alle Unternehmensanwendungen und -daten zu nutzen. Salesforce.com ist ein gutes Beispiel dafür, dass es funktionieren kann. Ein weiteres Problem ist die Furcht vor mangelnder Verfügbarkeit, wie sie beispielsweise bei schlechten Internetverbindungen auftreten kann. Auch dies ist eher ein psychologisches Problem, denn der Hosting-Partner hat zahlreiche Möglichkeiten, seinem Kunden den Zugriff auf Software und Daten auch offline jederzeit zu gewährleisten.

ITB: Wie wichtig ist den Kunden, dass die ausgelagerten Daten dann »physisch« bei einem Hoster in Deutschland verbleiben?

Dr. Löschke: Unser ASP-Angebot lässt dem Kunden technisch wie organisatorisch die Wahl, Daten lokal, also auf den Servern des Unternehmensnetzes, ebenso wie bei uns – also außerhalb des Kundennetzes – zu speichern. Das halte ich für sehr wichtig. Ich würde vielleicht etwas polemisch sagen: kein deutscher Mittelständler, keine Bank und kein Industrieunternehmen sieht seine Daten gern auf Servern in den USA, Indien oder sonstwo.

ITB: Wie stimmig sind die aktuellen SaaS-Preis- und Lizenzmodelle?

Dr. Löschke: Obwohl SaaS derzeit von praktisch allen Software-Herstellern propagiert wird, hinken die Lizenz- und Preismodelle diesem Anspruch völlig hinterher. Der große Wurf ist hier noch nicht gelungen. Denn die Lizenzregeln werden immer komplizierter und sind auf die Bedürfnisse der SaaS-Nutzer nicht wirklich zugeschnitten.

ITB: Woran liegt das?

Dr. Löschke: Die Ursache liegt meines Erachtens darin, dass Software-Hersteller immer noch Kopier-Rechte verkaufen möchten, statt die Nutzungs-Rechte. Das ist nicht mehr zeitgemäß und hat zur Folge, dass die Leistungsberechnung für die Software-Nutzung immer intransparenter wird und damit auch schwieriger zu vergleichen.

Wie ein praktikabler Ausweg aus diesem Dilemma aussehen könnte, erläutert der PC-Ware-Vorstandsvorsitzende Dr. Knut Löschke auf der folgenden Seite.

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