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Sicherheit auf dem Airport Rote Karte für Falschparker

| Redakteur: Erwin Goßner

Falsch parken gilt gewöhnlich noch immer als Kavaliersdelikt – allerdings nicht auf Flughäfen und schon gar nicht auf der Rollbahn. Gibt’s nicht? Von wegen, der Flughafen Helsinki legte sich sogar ein spezielles Video-Monitoring System zu, um das Problem endlich in den Griff zu kriegen.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Der Flughafen Helsinki-Vantaa ist der bedeutendste Verkehrsflughafen Finnlands. Der von der Betreibergesellschaft Finavia verwaltete Flughafen hat rund 600 Angestellte, bietet mehr als 12 000 einen Arbeitsplatz und verfügt seit 2002 über drei Start- und Landebahnen. Das Passagieraufkommen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt, mit mehr als elf Millionen Fluggästen im Jahr zählt Helsinki-Vantaa bereits zu den 20 größten Flughäfen Europas. Der zunehmende Flugverkehr und die höhere Anzahl der Fluggäste erfordern aber auch umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen und einen effizienteren Einsatz des vorhandenen Sicherheitspersonals.

Problem: Parksünder

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Ein gravierendes Sicherheitsproblem in Helsinki-Vantaa entstand durch parkende Fahrzeuge auf den Rangier- und Abstellflächen für Flugzeuge. Zwar ist es Servicefahrzeugen grundsätzlich erlaubt, direkt neben einem Flugzeug zu parken, um zügiges Be- und Entladen und eine schnelle Abfertigung zu ermöglichen. Aber das gilt nur, solange ein Flugzeug am Gate steht. Ansonsten müssen alle Servicefahrzeuge auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt oder völlig vom Rollfeld entfernt werden. Das ermöglicht eine bessere Kontrolle der Servicefahrzeuge, trägt erheblich zur Reduzierung des Unfallrisikos bei und hilft, unnötige Verzögerungen zu vermeiden.

Allerdings hielt sich das Flughafenpersonal in Helsinki keineswegs immer an die Vorschriften. Obwohl die zunehmenden Sicherheitsverstöße hohe Zusatzkosten zur Folge hatten, ließ sich aber das genaue Ausmaß des Problems nicht klären. Selbstverständlich konnten einige „Falschparker“ über Videokameras, die die Servicezonen rund um die Flugzeuge überwachen, vom Sicherheitspersonal identifiziert werden. Doch konventionelle Videoüberwachungssysteme sind weitgehend wertlos ohne aufmerksames Personal, das die Bildschirme auch kontrolliert. Um die exakte Anzahl der Sicherheitsverstöße sowie alle Verursacher zu ermitteln, hätte man mehrere Tausend Stunden Videomaterial sichten müssen. „Wir setzen hier über 500 Überwachungskameras ein“, meint Jyri Vikstrom, Head of Corporate Security bei Finavia, „die wir mit unseren Leuten unmöglich alle gleichzeitig im Blick haben können. Uns blieb nur die Alternative, entweder das Sicherheitspersonal dramatisch aufzustocken oder aber sehr viel höhere Versicherungsbeiträge in Kauf zu nehmen und Klagen zu riskieren.“

Lösung: Videosoftware

Aus diesen Gründen hielt man bei Finavia nach einer technischen Lösung Ausschau, nach einem System, das in der Lage ist, auch aktiv einzugreifen und selbsttätig Warnungen abzugeben. Zudem musste es zwischen normalen „erlaubten“ Fahrzeugbewegungen und schwerwiegenden Sicherheitsverstößen unterscheiden können, ein reines Objektverfolgungssystem war nicht ausreichend. Mit Smartcatch, einer verhaltens- und regel-basierten Video-Monitoring-Software des kalifornischen Anbieters Vidient Systems, fand sich schließlich die gesuchte Lösung. Der Spin-Off des US-amerikanischen Forschungs- und Entwicklungszentrums von NEC entwickelte die Software zur Unterstützung des Sicherheitspersonals in sicherheitskritischen Bereichen wie Flughäfen, Bahnhöfen oder Firmengebäuden. Sie ermöglicht einen präziseren und effizienteren Einsatz vernetzter Video-überwachungskameras. Das Programm kann exakt zwischen Personen, Fahrzeugen und anderen Gegenständen sowie zwischen stehenden und sich bewegenden Objekten unterscheiden. So kann es auch erkennen, ob ein Servicefahrzeug in einem verbotenen Bereich, etwa im Umfeld eines Gates auf dem Flugfeld, parkt.

Falls das Servicefahrzeug dort abgestellt ist, sich jedoch zur gleichen Zeit kein Flugzeug an diesem Gate befindet, wird automatisch sofort ein Alarm ausgelöst und das Sicherheitspersonal benachrichtigt. „Uns war zwar durchaus klar, dass wir ein Problem hatten, aber nicht, wie groß das Problem war. Nach der Installation der neuen Software stellte sich heraus, dass wir bislang nur fünf Prozent aller Verstöße gegen die Sicherheitsrichtlinien auf dem Rollfeld registriert hatten“, sagt Jyri Vikstrom.

Da man jetzt Videoaufzeichnungen von allen Parksündern besaß und jede einzelne Übertretung problemlos nachweisen konnte, ließen sich auch leicht organisatorische Änderungen durchsetzen, mit deren Hilfe man das Parkproblem besser in den Griff bekam und die Betriebskosten reduzieren konnte. „Ein falsch abgestelltes Fahrzeug automatisch zu identifizieren, ist heute kein allzu großes Problem mehr. Aber nur dann Alarm auszulösen, wenn in unmittelbarer Nähe kein Flugzeug gewartet wird, ist etwas völlig anderes“, meint Brooks McChesney, CEO von Vidient Systems. „Die meisten Systeme würden hier dauernd falschen Alarm schlagen, genau das konnten wir aber mit Hilfe der Verhaltenserkennung und des integrierten Alarmmanagements unseres Programms vermeiden.“

Umsetzung: erfolgreich...

Die Einbindung der Video-Monitoring-Software in die Sicherheitsinfrastruktur des Flughafens übernahm die Niederlassung von NEC in Deutschland. Die Integration verlief reibungslos, denn das Programm läuft auf allen Betriebssystemen und verfügt über zahlreiche Applikationsschnittstellen zur individuellen Anpassung an vorhandene Systeme und Anwendungen. Die Implementierung nahm rund zwei Wochen in Anspruch. Die Software benötigt noch einen zusätzlichen Server, in Helsinki installierte NEC einen Windows-Rechner mit einem Dual Xenon Prozessor mit 2,8 Gigahertz. Dieser Rechner kann über die eingebaute Video-Grabberkarte bis zu vier Kameras bedienen. Hinzu kommt noch eine separate Festplatte für die Speicherung der Videoaufzeichnungen. Die Ausgabe der Daten an das Sicherheitspersonal erfolgt über einen zusätzlichen Bildschirm, zur Kontrolle genügt ein Wachmann, der Warnmeldungen des Systems prüft und an das zuständige Personal weitergibt.

Bei Finavia war man mit der Lösung so zufrieden, dass die Software nach ausgiebigen Testläufen jetzt auch für weitere Anwendungsszenarien eingesetzt werden soll. Zu diesem Zweck wurden bereits mehrere Lizenzen erworben. So ist das Programm zum Beispiel auch in der Lage, unbeaufsichtigt zurückgelassene Gegenstände in den definierten Sicherheitszonen aufzuspüren oder Verletzungen der vorgegebenen Ausgangsrichtung an einer Eingangsschranke zu erfassen. In Helsinki soll es demnächst dabei behilflich sein, längere Wartezeiten für die Fluggäste vor dem Security-Check-In zu vermeiden. Immer wenn die Schlange eine bestimmte Länge überschreitet, wird das System automatisch Alarm geben. So kann rechtzeitig ein weiterer Schalter geöffnet werden, um die Abfertigung zu beschleunigen.

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