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World Robotics Report: Deutschland auf Platz 3

Roboter erobern die Fertigung

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Die einfache Formel lautet: Je höher die Roboterdichte in einem Land, desto effizienter die Fertigung.
Die einfache Formel lautet: Je höher die Roboterdichte in einem Land, desto effizienter die Fertigung. (Bild: © complize | m.martins - stock.adobe.com)

Wie misst man den Automatisierungsgrad der Fertigungsindustrie in verschiedenen Ländern? Der Weltroboterverband hat neue Zahlen zur Roboterdichte im Ländervergleich veröffentlicht. Die Automation der Volkswirtschaften läuft weltweit auf Hochtouren: Mit einer durchschnittlichen Roboterdichte von 74 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter hat der globale Durchschnitt in der Fertigungsindustrie einen neuen Rekord erreicht.

Der Weltroboterverband IFR hat dieser Tage den „World Robotics Report 2017“ zusammen mit dem Forschungspartner Fraunhofer IPA veröffentlicht, der Zahlen aus 2016 widerspiegelt. Dass die Zahlen nicht aktueller publiziert werden können, liege am hohen Organisationsaufwand beim Eruieren der weltweiten, länderspezifischen Zahlen. Er enthält statistische Daten aus circa 40 Ländern, aufgeschlüsselt nach Anwendungsbereichen, Industriesektoren, Roboterarten und anderen technischen und wirtschaftlichen Aspekten. Für ausgewählte Länder sind Produktions-, Export- und Importdaten aufgeführt.

Warum sich der Aufwand lohnt, erklärt Junji Tsuda, Präsident der International Federation of Robotic (Weltroboterverband): „Die Roboterdichte ist ein wichtiger Vergleichsstandard, um die Unterschiede im Automatisierungsgrad der Fertigungsindustrie verschiedener Ländern zu berücksichtigen.“ Aufgrund der zahlreichen Roboterinstallationen in Asien während der letzten Jahre weise die Region die höchste Wachstumsrate auf: Zwischen 2010 und 2016 lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Roboterdichte in Asien bei 9 Prozent, in Amerika bei 7 Prozent und in Europa bei 5 Prozent.

Die Top-10-Länder im Roboter-Ranking

Die Automation der Volkswirtschaften läuft weltweit auf Hochtouren: Mit einer durchschnittlichen Roboterdichte von 74 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter hat der globale Durchschnitt in der Fertigungsindustrie einen neuen Rekord erreicht (2015: 66 Einheiten). Aufgeschlüsselt nach Regionen liegt die durchschnittliche Roboterdichte in Europa bei 99 Einheiten, in Amerika bei 84 und in Asien bei 63 Einheiten. Die Top 10 der am höchsten automatisierten Länder der Welt sind: Südkorea, Singapur, Deutschland, Japan, Schweden, Dänemark, USA, Italien, Belgien und Taiwan. Dies sind Ergebnisse aus dem World Robotics Report 2017.

China wächst am schnellsten

Die Roboterdichte in China war die dynamischste weltweit. Insbesondere zwischen 2013 und 2016 verzeichnete das Reich der Mitte ein starkes Wachstum bei den Installationen: Die durchschnittliche Roboterdichte stieg von 25 Einheiten im Jahr 2013 auf 68 Einheiten im Jahr 2016. Heute liegt China weltweit auf Platz 23. Die chinesische Regierung will diese Entwicklung weiter forcieren und bis 2020 in die Top 10 der am stärksten automatisierten Nationen der Welt aufsteigen. Bis dahin soll die durchschnittliche Roboterdichte auf 150 Einheiten steigen. Darüber hinaus sollen bis 2020 insgesamt 100.000 im Inland produzierte Industrieroboter verkauft werden (2017: 27.000 Einheiten chinesischer Roboterlieferanten, 60.000 Einheiten ausländischer Roboterlieferanten).

Südkorea unschlagbar in Führung

Weltweit hat die Republik Korea die mit Abstand höchste Roboterdichte in der Fertigungsindustrie – eine Position, die das Land seit 2010 hält. Die Roboterdichte übertrifft den globalen Durchschnitt um gut das Achtfache (631 Einheiten). Diese Rate ist das Ergebnis der fortgesetzten hohen Anzahl von Roboterinstallationen – insbesondere in der Elektro- und Elektronikindustrie sowie in der Automobilindustrie. Singapur folgt an zweiter Stelle mit einer Rate von 488 Robotern pro 10.000 Mitarbeiter im Jahr 2016. Rund 90 Prozent der Roboter sind in der Elektronikindustrie in Singapur installiert. Auf Platz drei folgt Deutschland mit 309 Industrierobotereinheiten pro 10.000 Beschäftigte in der Fertigungsindustrie.

Japan rangiert auf Platz vier der Welt: 2016 wurden 303 Roboter pro 10.000 Beschäftigte in der Fertigungsindustrie installiert, wobei Japan der weltweit führende Industrieroboterhersteller ist: Die Produktionskapazität der japanischen Zulieferer erreichte 2016 mit 153.000 Einheiten den höchsten jemals registrierten Wert. Heute decken japanische Hersteller 52 Prozent des weltweiten Bedarfs.

Europa unter der Lupe

Betrachtet man Europa gesondert, ist das am höchsten automatisierte Land Deutschland – mit 309 Einheiten. Der Jahresabsatz und der operative Bestand an Industrierobotern im Jahr 2016 hatten einen Anteil von 36 Prozent beziehungsweise 41 Prozent am gesamten Roboterabsatz in Europa. Zwischen 2018 und 2020 wird der jährliche Absatz in Deutschland aufgrund der steigenden Nachfrage nach Robotern in der allgemeinen Industrie und in der Automobilindustrie weiterhin um durchschnittlich mindestens 5 Prozent pro Jahr wachsen, so die Schätzungen des Weltroboterverbandes. Frankreich hat eine durchschnittliche Roboterdichte von 132 Einheiten (Platz 18 der Weltrangliste). Das liegt zwar deutlich über dem globalen Durchschnitt von 74 Robotern – ist aber im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ schwach. EU-Mitglieder wie Schweden (223 Einheiten), Dänemark (211 Einheiten), Italien (185 Einheiten) und Spanien (160 Einheiten) sind mit Industrierobotern im Fertigungsbereich wesentlich höher automatisiert. Die neue Regierung in Frankreich ist allerdings dabei, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes im verarbeitenden Gewerbe zu stärken. Dies könnte dazu führen, dass in den nächsten Jahren neue Roboter installiert werden. Im Jahr 2017 dürfte die Zahl der Roboterinstallationen in Frankreich um rund 10 Prozent gestiegen sein. Zwischen 2018 und 2020 ist mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate zwischen 5 und 10 Prozent zu rechnen. Großbritannien hat mit 71 Einheiten eine durchschnittliche Roboterdichte unter dem Weltdurchschnitt von 74 Einheiten (Rang 22). Ein Grund für die Briten zu Investieren, heißt es aus dem Weltroboterverband.

Roboter in den USA

Die Roboterdichte in den Vereinigten Staaten stieg im Jahr 2016 sehr dynamisch auf 189 Einheiten an – die USA belegen damit den siebten Platz weltweit. Seit 2010 hat die Modernisierung der inländischen Produktionsanlagen den Roboterabsatz in den USA angekurbelt. Ziel war unter anderem, die Produktion im eigenen Land zu halten oder auch die Produktion aus dem Ausland zurück zu holen. Die Automobilindustrie machte bei Industrierobotern rund 52 Prozent des Gesamtumsatzes im Jahr 2016 aus. Der Roboterabsatz in den USA könnte zwischen 2017 und 2020 weiter im Schnitt um mindestens 15 Prozent pro Jahr steigen.

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