Business Discovery Qliktech will Datenanalyse für die „Generation Google“ bieten

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Das Interview führte Dr. Stefan Riedl / Harry Jacob

Was ist der Unterschied zwischen Business Intelligence (BI) und dem Qliktech-Begriff „Business Discovery“? Wolfgang Kobek, der DACH-Chef des Datenanalyse-Spezialisten, meint: „Die Art und Weise, wie man sucht.“ Außerdem könne man neue Möglichkeiten der Erkenntnis fernab starrer BI-Cubes mit vordefinierten Abfragedimensionen nutzen.

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Aus Qliktech-Sicht sind Analysen mit BI-Cubes zu statische Verfahren.
Aus Qliktech-Sicht sind Analysen mit BI-Cubes zu statische Verfahren.
(© Peter Adrian - Fotolia.com)

ITB: Qliktech hat vor kurzem die Eröffnung des hauseigenen Qlikmarkets gefeiert. Welches Konzept steckt dahinter?

Wolfgang Kobek, Managing Director DACH und Regional Vice President, QlikTech
Wolfgang Kobek, Managing Director DACH und Regional Vice President, QlikTech
(Qliktech)

Kobek: Wir haben den Qlikmarket als eine strategische Initiative für unseren Partnerkanal sowie Qlikview-Kunden und -Interessenten ins Leben gerufen. Diese Online-Plattform ist ein Marktplatz, auf dem unsere Partnerunternehmen ihre Anwendungen, Extensions und Konnektoren rund um Qliktech anbieten können.

Nachdem das auf der weltweiten Partnerkonferenz im April angekündigt wurde, war die Resonanz aus der Reseller-Gemeinde immens. Bereits zum Launch am 20. September hatten wir um die 50 Lösungen live auf der weltweiten Plattform. In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bereits über 40 Partner ihr Interesse angemeldet.

ITB: Welche Qliktech-Apps sind denn gute Beispiele für den Qlikmarket?

Kobek: Beispielsweise eine Account-Management-Lösung, eine Anbindung an Microsoft Dynamics oder Konnektoren an andere ERP-Systeme.

ITB: Wie sieht denn das Geschäftsmodell dahinter aus? Wie werden die Partner entlohnt und wie das Unternehmen Qliktech, das die Plattform bereitstellt?

Kobek: Die Idee dahinter ist ja, einen Online-Marktplatz zu schaffen, auf dem Qliktech-Partner ihre Applikationen und in einem zweiten Schritt ihre Dienstleistungen anbieten können. Die Preisgestaltung liegt beim Partner selbst – mitunter werden hier auch kostenlose Apps zur Verfügung gestellt, aber später etwas für den Service verlangt. Wir treten lediglich als Plattform-Anbieter auf und stellen den Partnern frei, welche Applikationen sie zu welchen Preisen einstellen.

Es bleibt also dem Partner überlassen, inwieweit er Geld verlangt, oder ob er lediglich ein kostenloses Appetithäppchen für weitere Geschäftsmöglichkeiten anbieten will. Wir behalten uns lediglich vor, im Vorfeld die Qualität der eingereichten Lösungen und Apps zu prüfen. Unsere Intention ist es letztlich, Qlikview-Lizenzen zu verkaufen. Von daher stellen wir diese Plattform unseren Partnern aktuell kostenlos zur Verfügung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Qliktech ins Google-Partnerprogramm eingetreten ist.

ITB: Kommen wir zur nächsten Plattform, nämlich der Google Cloud. In diesem Bereich ist Qliktech einem Partnerprogramm von Google beigetreten. Würden Sie hier bitte die Hintergründe erläutern?

Kobek: Die Google Cloud ermöglicht es Kunden, große Datenmengen in der Cloud vorzuhalten. Da passt nichts besser, als hier on top das Qlikview-Analyseprogramm dahinter zu legen, mit dem Auswertungen und Analysen in der Google Cloud vorgenommen werden können, und zwar – und das ist der springende Punkt – in Form einer In-Memory-Auswertung, wie es bei Qlikview der Fall ist.

ITB: Sie meinen, dass die zu analysierenden Daten von der Cloud direkt in den Hauptspeicher des Rechners geladen werden, auf dem Qlikview läuft, damit sie dort schnell ausgewertet werden können.

Kobek: Genau. Die In-Memory-Analyse ist eines der Alleinstellungsmerkmale von Qlikview gegenüber Wettbewerbsprodukten. Durch die Partnerschaft mit Google können direkt die in der Google Cloud gehaltenen, großen Datenmengen analysiert werden. Durch solche Partnerschaften kann es uns letztlich egal sein, wo die Daten gehalten werden: als Excel auf dem Desktop, in einem Data Warehouse oder als Datenwolke in der Google Cloud. Für die wichtigsten Anwendungen im Markt – sei es SAP, sei es Salesforce – haben wir zudem entsprechende Konnektoren, um einen Direktzugriff auf die gemeinsame Datenbasis zu ermöglichen.

Diese Daten werden dann in den Hauptspeicher geladen, wo sie unter Umständen noch mit anderen Daten zusammen In-Memory analysiert werden. Wichtig für unseren Ansatz ist es, nicht bandbreitenabhängig zu sein, auch in Zeiten von Cloud Computing und von Storage-as-a-Service-Angeboten. So können wir beispielsweise Vertriebsdaten von Salesforce mit Kundendaten aus einem lokal gespeicherten Excel oder aus anderen Datenquellen kombinieren und auswerten – anders würden das Qlikview-Konzept und die In-Memory-Auswertung auch nicht funktionieren.

ITB: Qliktech hat den Begriff „Business Discovery“ eingeführt, in Abgrenzung zu „normaler“ Business Intelligence. Das klingt nach einer weiteren Marketing-Phrase in der IT-Branche. Oder steckt da mehr dahinter?

Kobek: Wir verwenden den Begriff, weil wir uns doch sehr unterscheiden von klassischer Business Intelligence. Die Marktforscher von Gartner haben vor rund eineinhalb Jahren das Wording „Data Discovery“ eingeführt, für Werkzeuge, mit denen einfacher als bis dahin auf Daten zugegriffen werden kann. Wir hatten also die Begriffe „Business Intelligence“ und „Data Discovery“. Auch wenn uns Gartner als Aushängeschild im Bereich Data Discovery positioniert, sprechen wir lieber von Business Discovery, weil es nicht nur um Daten geht, sondern wir den Business-Ansatz in den Vordergrund stellen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über das Konzept „Business Discovery“.

ITB: Inwieweit ist der Ansatz denn anders, wenn man ihn mit gängigen Datenanalyseverfahren vergleicht?

Kobek: Business Discovery passt vom Handling her mehr in eine Zeit, in der Menschen sehr Google-orientiert nach Informationen suchen. Das heißt, sie wollen eine einfache Applikation haben und beim Suchen nach Informationen und Erkenntnissen nicht eingeschränkt sein. Konkret heißt das, dass Qlikview keine Einschränkungen hinsichtlich der Analysefragen macht. Im Gegensatz zu klassischen Business-Intelligence-Systemen mit vorgegebenen Abfragemodellen, die lediglich Antworten auf vorgegebene Fragen liefern, bleibt Qlikview viel offener und liefert Antworten auf neue Fragen. Damit können schneller neue und vielleicht unerwartete Erkenntnisse über das Geschäft gewonnen werden.

Aus Qliktech-Sicht sind Analysen mit BI-Cubes zu statische Verfahren.
Aus Qliktech-Sicht sind Analysen mit BI-Cubes zu statische Verfahren.
(© Peter Adrian - Fotolia.com)

ITB: Sie sprechen von den BI-Cubes, mit denen viele klassische BI-Systeme arbeiten. Die Daten werden als Dimensionen eines Würfels dargestellt. Und durch Navigieren in diesen Würfeln, beispielsweise durch rein- und rauszoomen, liefert das System Antworten auf Fragen wie: Welchen Umsatz konnte in der Region Bayern im letzten Quartal mit diesem oder jenem Produkt erzielt werden ...

Kobek: Genau – das ist der klassische Ansatz, und das Problem dabei ist, dass Sie auf die Möglichkeiten solcher vorgegebener Würfel beschränkt sind. Wenn Sie eine andere Betrachtung wünschen und andere Daten miteinander in Verbindung bringen wollen, muss sich der Anwender in der Regel an die IT-Abteilung wenden, damit diese ihm einen neuen Würfel baut. Bei Business Discovery bewegt sich der Anwender hingegen viel freier in den zur Verfügung stehenden Daten. Und nur so lassen sich wichtige Zusammenhänge erst entdecken. Das soll der Ausdruck „Business Discovery“ widerspiegeln. In der Praxis ist es doch so, dass fast jede Erkenntnis zu weiteren Fragen führt. Wenn ich beispielsweise einen Report der Landesgesellschaft in Österreich bekomme und feststelle, dass der Umsatz zurückgegangen ist, dann stellen sich sofort eine Menge Fragen:

Warum ist der zurückgegangen?

In welchen Bereichen ist der zurückgegangen?

In welchem Vertriebsmonat wurde weniger verkauft?

Welcher Händler hat weniger verkauft?

Welche Produkte sind weniger verkauft worden?

Mit klassischen BI-Systemen bin ich nicht in der Lage, ad hoc alle diese Fragen sofort zu beantworten. Selbst komplexe BI-Systeme sind in der Regel nicht in der Lage, ohne nachgelagerte IT alle diese Fragen zu beantworten, weil eben erst OLAP-Würfel angepasst werden müssten. Bei Business Discovery kann der Anwender hingegen selbst alle Zusammenhänge herstellen, die er gerne untersuchen möchte. Durch diese Offenheit entdecken die Anwender dann Zusammenhänge, die weder in den Reportings noch in den vorgegebenen OLAP-Würfeln zu finden sind.

ITB: Haben Sie ein nachvollziehbares Beispiel für Neuentdeckungen parat, die mit klassischem BI nicht so problemlos gemacht worden wären?

Kobek: Klar. Als im vergangenen Jahr das Erdbeben in Japan war, analysierte ein großer Konzern in der Kosmetik-Branche die zu erwartenden Umsatzrückgänge in Japan. Dabei zeigte sich über die assoziative Abfragetechnik, bei der mit Stichworten gesucht werden kann, dass in Japan nicht nur Verkäufer, sondern auch Zulieferer betroffen sind. Ein weiterer Drill-Down zeigte schnell die Produkte auf, die jetzt von Versorgungsengpässen betroffen sein könnten.

Dann zeigte sich, dass für betroffene Produkte gerade eine millionenschwere Werbekampagne für den Marktstart in Australien in Auftrag gegeben werden sollte. Durch Business Discovery war es möglich, hier schnell alle möglichen Auswirkungen eines Ereignisses zu durchschauen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Das wäre innerhalb der vorgegebenen Pfade eines klassischen Business-Intelligence-Systems nicht möglich gewesen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über brachliegende Daten und deren Potenzial.

ITB: Die Datenvolumina explodieren regelrecht. Seitens der BI-Anbieter heißt es oft, deren Auswertung könne man in bare Münze verwandeln. Haben Sie Beispiele parat, in welchen typischen Fällen brachliegende Daten erfolgreich genutzt werden können?

Kobek: Wenn man den Statistiken und Studien glauben darf, dann verdoppelt sich gegenwärtig das Datenvolumen alle 14 Monate. Wie solche ungenutzten Datenpools sinnvoll für Geschäftsentscheidungen herangezogen werden können, ist sehr oft das definierte Ziel in unseren Kundenprojekten.

Ein Beispiel aus Deutschland: Carglass wertet die Umsätze aus, vergleicht diese auf Wochen-, Monats- oder Jahresebene und stellt sie den Wareneinsätzen gegenüber. Außerdem werden Daten aus dem Customer Contact Center, der Buchhaltung und des Beschwerdemanagements ausgewertet. Das Management sowie Vertrieb und Marketing haben viele Möglichkeiten, mit diesen Daten zu arbeiten. Analysiert werden Änderungen des Käufer- und Interessentenverhaltens, beispielsweise in Zusammenhang mit ausgestrahlten Fernseh- oder Radiowerbespots. So kann der Erfolg einzelner Werbemaßnahmen ausgewertet werden.

Es gibt ja diesen berühmten Spruch von Henry Ford, dass die Hälfte seiner Ausgaben für Werbung zum Fenster hinausgeworfen sei, er aber leider nicht wisse, welche Hälfte. Mit Qlikview lässt sich das ganz gut in Erfahrung bringen.

ITB: Noch vor ein paar Jahren waren BI und Data Mining eher was für große Konzerne. Auch schlichtweg deswegen, weil Datenanalyse-Projekte damals noch erheblich teurer waren. Inwieweit hat sich das inzwischen geändert?

Kobek: Datenanalyse ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr nur ein Thema für große Unternehmen. Das hängt natürlich auch mit den Kosten für Analysesysteme zusammen, die inzwischen weitaus günstiger sind. Sogar Kleinstunternehmen tendieren inzwischen dazu, vorhandene Daten auszuwerten.

Die Frage ist halt, welche Werkzeuge sie nutzen. In vielen Fällen ist Excel unser größter Wettbewerber, was das Thema Datenanalyse angeht. Allerdings stoßen Unternehmen hier oft schon bei einfachen Pivot-Tabellen an die Grenzen.

Problematisch ist häufig auch die Datenbasis, wenn beispielsweise verschiedene Versionen eines Excel-Files kursieren und ausgewertet werden. Auf Dauer tut man sich mit Excel schwer, sinnvolle Entscheidungen für sein Unternehmen abzuleiten.

ITB: Ich weiß, das ist schwierig zu beantworten, weil in Projekten viele Faktoren eine Rolle spielen, aber ich frage trotzdem: Wie teuer kommt eine durchschnittliche Qlikview-Einführung?

Kobek: Das ist wirklich schwer zu sagen. Allgemein lässt sich sagen, dass durch den Business-Discovery-Ansatz im Nachgang schon mal weniger Kosten anfallen, weil keine BI-Cubes erstellt werden müssen.

Lassen Sie es mich so formulieren: Wir haben mittelständische Kunden, die mit einer Einzelplatzlizenz arbeiten, die so um die 2.000 Euro kostet, und die für die gesamte Implementierung über einen Qliktech-Partner etwa 20.000 Euro bezahlt haben.

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