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Provider-Latein oder die Vertuschungsaktion der Telekom

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Verwirrung Nummer zwei

Aber nicht nur im großen Stile schafft die Telekom es, mich nachhaltig zu verwirren. Ein Kunde von mir erhielt diese Woche ein Schreiben der Telekom, das seinen „Dynamic Virtual Server“-Vertrag (DVS) betraf. Dort teilt die Telekom mit, dass der Vertrag einseitig zum 30. Juni 2013 gekündigt werde. Dies ist noch nicht wirklich außergewöhnlich, aber die Gründe für die Kündigung haben mich schon beeindruckt.

Dort schreibt die Telekom nämlich, dass mit dem aktuellen Betriebssystem (BS) eine sichere Fortführung der Plattform nicht mehr gewährleistet sei, und man deshalb das komplette Produkt einstelle. Angeblich gab es auch massive Angriffe auf den Server meines Kunden und da solle man doch auf die sicheren Server der Telekom-Tochter Strato wechseln.

Als mein Kunde mir den Brief weiterreichte, dachte ich zunächst an einen verspäteten Aprilscherz. Denn ist es nicht die Kernaufgabe des Providers für den sicheren Betrieb der Plattform zu sorgen? Doch bei meinem Anruf bei der Telekomtechnik wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Es handelt sich bei unserem DVS-Paket um einen unmanaged Server und mit seinem alten BS CentOS 4.5 sei dieser nicht mehr patchbar. Hier war ich schon kurz davor meine Schuld anzuerkennen und den verantwortlichen Kollegen mal zu fragen, wieso das System nicht hochgepatcht wurde.

Doch dann fiel mir ein, dass unser System wohl doch nicht so ganz unmanaged ist, wie mir das gerade verkauft werden sollte. Denn auf die Frage, wann mein Kollege denn eine neue BS-Version aufspielen kann, wurde mir erklärt, dass wir gar nicht die Möglichkeit haben, ein neues BS einzuspielen. Wir könnten nur das installierte System patchen. Hier war ich dann geistig überfordert mit der Telekom-Logik.

Von oben sieht man besser

Aber in solchen Momenten löst sicher glücklicherweise mein Astralleib von meinem eng begrenzten Körper und beginnt in höheren Sphären zu schweben. Von dort aus hat man den im Management oft angeführten „Blick auf das große Ganze“. Was wäre also, wenn man diese Server nicht mehr wirtschaftlich betreiben kann oder diese teure Telekom-Abteilung gegen eine neue günstigere Strato-Abteilung ausgetauscht werden soll?

Denn wenn man die Kunden in der vorhandenen Struktur hätte halten wollen, dann hätte man das BS upgraden können. Wäre das Schreiben mit der Sicherheitswarnung ohne die Kündigung bei meinem Kunden eingetroffen, dann hätte ich die Telekom an dieser Stelle für ihr vorbildliches Informationsverhalten gelobt. Aber in der Kombination mit der Kündigung, hat dies leider einen faden Beigeschmack. Es beschleicht mich hier der Eindruck, als wolle man langjährige Kunden elegant und kurzfristig entsorgen.

Im Großen wie im Kleinen müssen meine Kunden und auch ich oftmals mit den Entscheidungen der Konzerne leben. Aber dem Management sollte immer bewusst sein, das diese hinterfragt werden. Und dann können wir zu ganz anderen Schlüssen kommen, als uns das offizielle Provider-Latein gerne verkaufen möchte.

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