Verständnis für die Kostenstruktur Preisfaktoren bei der SD-WAN-Auswahl

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

SD-WAN-Lösungen stehen u.a. durch die pandemiebedingte Remote-Arbeit verstärkt im Fokus. Für Interessenten, die die Preisgestaltung der Anbieter verwirrend finden, haben die Experten des Systemhauses Becom Aspekte zusammengefasst, auf die Unternehmen und Organisationen achten sollten.

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Die Kombination aus vorhandenem MPLS-Netz mit Breitband-Internetanschlüssen ergibt ein hochperformantes und redundantes hybrides Netz.
Die Kombination aus vorhandenem MPLS-Netz mit Breitband-Internetanschlüssen ergibt ein hochperformantes und redundantes hybrides Netz.
(Bild: Becom)

Ob bei der Anbindung neuer Standorte oder im Zuge der Ablösung bestehender MPLS-Systeme: Unternehmen interessieren sich aktuell zunehmend für SD-WAN-Lösungen, so die Erfahrung der Becom-Experten. Die technischen Features ließen sich allerdings nur relativ schwer vergleichen – gerade auf Basis von Herstellerangaben. Gleiches gelte beim Blick auf die Preisgestaltung. Diese sei oft schwer verständlich und kaum nachvollziehbar.

Das Preismodell: Kaufen oder mieten?

Wer sich am SD-WAN-Markt umsieht, stößt sowohl auf Kauf- als auch Mietangebote. Becom zufolge steckt dahinter nicht immer eine eindeutige Philosophie des jeweiligen Herstellers, vielfach sei das jeweilige Preismodell eher historisch bedingt. So fände man unter den Kauflösungen häufig Anbieter, die ursprünglich aus dem Router- oder Firewall-Markt kommen. Bereits vorhandene Applikationen und Appliances würden hier unter neuer „SD-WAN-Flagge“ vermarktet.

Ein solches Kaufmodell entfaltet seinen Charme durch vermeintlich nur einmalige Kosten, doch die Betriebsfähigkeit liegt hier in der Verantwortung der Anwender, gibt Becom zu Bedenken. Der Hersteller selbst begrenze seine Leistung in der Regel auf Gewährleistungen bei Hardware und Softwarewartung. Die Gefahr bestehe häufig darin, dass die eigenen zusätzlichen Kosten für den Betrieb einer solchen Lösung nach dem Kauf nicht oder nur ungenügend berücksichtigt werden.

Mietlösungen würden häufig von relativ jungen, als Start-up neu gegründeten SD-WAN-Spezialisten angeboten. Der Hauptunterschied zu vorgenannten Gruppe sei, dass hier der Anbieter für den Betrieb des Netzwerks verantwortlich ist. Der Kunde kaufe diese Leistungen mit ein und entrichte dafür monatliche Gebühren.

Typische Kostenfaktoren: Bandbreite und Hardware

Sind grundsätzliche Fragen hinsichtlich einer SD-WAN-Lösung entschieden, kommen auch im Detail weitere Aspekte ins Spiel, die zu Preisunterschieden bei verschiedenen Angeboten und Herstellern führen können. So stelle beispielsweise die genutzte Bandbreite einen deutlichen Kostenfaktor dar. Bei Cloud-Anbietern sei dies noch relativ klar nachvollziehbar, da verhältnismäßig teurer Traffic der großen Anbieter genutzt werde. Interessanterweise würden jedoch oft auch andere Hersteller auf ein derartiges Preismodell setzen. Hier diene die Frage der Bandbreite allerdings eher als Marketing- bzw. Vertriebsinstrument, um eine entsprechende Preis-Staffelung rechtfertigen zu können.

Ein Faktor, der den Preis ebenfalls stark beeinflusst, sei die gewählte Hardware. Grundsätzlich gelte hierbei: Die hohe Verschlüsselungsleistung, die gerade bei größeren Bandbreiten erforderlich sei, habe buchstäblich ihren Preis – und zwar in Gestalt leistungsstärkerer (und somit teurerer) Hardware.

Gern vergessen: Infrastruktur- und Servicekosten

Wer nun das Angebot seines bevorzugten SD-WAN-Anbieters vor sich hat, sollte einen weiteren Kostenblock nicht vergessen: die Ausgaben für die darunterliegende Infrastruktur sowie die Servicekosten. Letztere könnten sich je nach benötigtem SLA (Service-Level-Agreement) deutlich unterscheiden, sollten aber in der Gesamtkalkulation eines SD-WAN-Projekts auf jeden Fall berücksichtigt werden.

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