Windows-8-Start bleibt ohne positiven Folgen für die Rechner-Nachfrage PC-Markt in EMEA bricht 10 Prozent ein

Redakteur: Harry Jacob

So hatten sich die PC- und Notebook-Hersteller das Weihnachtsquartal nicht vorgestellt: 9,6 Prozent weniger Rechner als im Vorjahresquartal gingen über den Tresen. Die Gründe sind vielfältig, so die Marktforscher von Gartner.

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Die Plätze zwei, drei und vier sind im EMEA-Raum heiß umkämpft.
Die Plätze zwei, drei und vier sind im EMEA-Raum heiß umkämpft.
(Bild: IT-BUSINESS)

Der weltweite PC-Markt ging im vierten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent zurück, in der Verkaufsregion EMEA war das Minus nach Stückzahlen sogar fast doppelt so hoch.

Laut der Gartner-Analystin Mikako Kitagawa war ein entscheidender Faktor – wieder einmal – der Siegeszug von Tablets, Smartphones und Co. Diese hätten den PC nicht nur als „Weihnachtsgeschenk Nr. 1“ abgelöst. Sondern dies sei auch Zeichen eines Strukturwandels: Der Medienkonsum finde hauptsächlich auf kleinen, mobilen Geräte statt. Die bisher dafür genutzten Rechner, die regelmäßig auf den aktuellen Stand gebracht worden seien, lassen die Kunden nun veralten und investieren zuerst in die mobilen Gadgets.

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Hinzu kommt die Schwächung der Nachfrage durch die in Teilen der Welt wirtschaftlichen Unsicherheiten. Außerdem hätten Hersteller zum Teil noch Windows-7-Rechner verramscht. Doch auch der Start von Windows 8 hat nicht den erwarteten Schub für die Verkäufe gebracht. Die Gartner-Analystin merkt dazu kritisch an, dass die angebotenen Formfaktoren zum Teil langweilig gewesen seien. Zudem hätten einige Hersteller verpasst, auf die zentrale Neuerung von Windows 8 zu reagieren: die Bedienung via Touch-Screen.

HP hat die Top-Position zurück – oder gehalten?

Bei den Zahlen zum vorangegangenen Quartal hatten sich HP und Lenovo noch um die „Krone“ des weltgrößten PC-Herstellers gezankt. Denn Gartner hatte HP auf dem zweiten Platz gesehen, bei IDC dagegen war HP vorne und Lenovo erst an zweiter Stelle. Der Unterschied erklärt sich aus leicht unterschiedlichen Betrachtungen des PC-Marktes: Bei IDC zählen Workstations dazu, bei Gartner nicht.

Auch die Zahlen von IDC für das vierte Quartal 2012 unterscheiden sich wieder leicht von denen von Gartner. Aber immerhin sind sich diesmal beide darin einig, dass HP die Top-Position hat, wenn auch auf Kosten der Marge, wie Analystin Kitagawa anmerkt. Lenovo darf sich dagegen wieder über die stärksten Wachstumszahlen unter allen Herstellern freuen.

Enges Rennen in EMEA

Im Raum Europa, Middle East and Africa (EMEA) sind die Plätze hinter HP arg umkämpft. Im abgelaufenen Quartal schaffte Lenovo es auf Platz zwei mit 11,0 Prozent Marktanteil. Die Chinesen hatten fast 30 Prozent mehr Geräte abgesetzt als im Weihnachtsquartal 2011. Auf Platz drei folgt die Acer-Gruppe mit einem Marktanteil von 10,7 Prozent und einem Rückgang nach Stückzahlen von 14,6 Prozent, der sie hinter Lenovo zurückfallen ließ.

Mit einem Marktanteil von 10,0 Prozent und einem Stückzahl-Minus von 13,6 Prozent ging Asus diesmal aus dem Rennen. Der Abstand zu Acer veränderte sich nur minimal. Den Anschluss an die HP-Verfolger verloren hat jedoch Dell. Ein Rückgang von 26 Prozent bei der Zahl der abgesetzten Geräte ist das traurige Schlusslicht in diesem Quartal, der Marktanteil sank auf 8,4 Prozent.

Insgesamt hatte der EMEA-Raum einen Rückgang von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verkraften. Das war bereits das zweite „tiefrote“ Quartal in Folge. Denn bereits zum dritten Quartal 2012 hatte Gartner ein Minus von 8,7 Prozent gemeldet, den schärfsten Einbruch seit vier Jahren. Für das Gesamtjahr ergab sich ein Minus von 2,8 Prozent.

Den größten Rückgang innerhalb der EMEA-Region meldete übrigens Westeuropa. Ranjit Atwal, Research Director von Gartner, nennt die Gründe für das schleppende EMEA-Geschäft:

  • schlechte Verfügbarkeit und zu hohe Preise bei Ultrabooks;
  • Abverkauf von Windows-7-Rechnern und Notebooks im unteren Preissegment;
  • Konkurrenz durch niedrigpreisige Tablets und Smartphones.

Die mobilen Rechner hatten einen Rückgang von elf Prozent zu verzeichnen, die Desktop-PCs dagegen nur um sechs Prozent. Hoffnungen könnten die Hersteller Asus, Lenovo und HP jedoch in ihre All-in-One-Plattformen setzen.

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