Marktzahlen von Gartner zu Westeuropa und Deutschland im dritten Quartal 2012 PC-Markt in Deutschland schrumpft um ein Fünftel

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Harry Jacob / Harry Jacob

Weniger als 2,7 Millionen Rechner wurden im vergangenen Quartal in Deutschland verkauft, im Vorjahreszeitraum waren es noch über 3,3 Millionen. Besserung ist nur bedingt in Sicht.

Firmen zum Thema

Das „Wachstum“ ist durchwegs negativ – alle Hersteller haben nach Stückzahlen Einbußen erlitten, auch der Marktprimus Lenovo.
Das „Wachstum“ ist durchwegs negativ – alle Hersteller haben nach Stückzahlen Einbußen erlitten, auch der Marktprimus Lenovo.
(Quelle: Gartner, 11/2012, Grafik: IT-BUSINESS)

Deutlicher als in Frankreich und Großbritannien war von Juli bis September 2012 der Rückgang im PC-Markt in Deutschland. Dort schrumpfte der Markt um jeweils mehr als sieben Prozent, in ganz Westeuropa sogar um 15,4 Prozent, gemessen am Vorjahreszeitraum.

Hierzulande wurden rund 600.000 Geräte – Desktop-PCs, Notebooks, Ultrabooks und Netbooks – weniger verkauft als im dritten Quartal 2011. Es macht kaum einen Unterschied, wenn man Business- und Privatkundengeschäft oder die Bereiche Desktop und Mobil miteinander vergleicht – alle Segmente sind ähnlich stark vom Rückgang gebeutelt.

Bildergalerie

Ursachenforschung

Gartner-Analystin Meike Escherich sieht mehrere Ursachen für den einbrechenden Markt, die sich in Deutschland besonders stark addieren. Zum einen ist hierzulande das Netbook-Geschäft fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Kunden greifen stattdessen zu Smartphones und Tablets. Ultrabooks werden dagegen weitgehend verschmäht. Dieser Trend hat insbesondere Asus kalt erwischt – mit einem Rückgang der abgesetzten Stückzahlen von 37,8 Prozent ist dieser Hersteller fast doppelt so stark geschrumpft wie der Markt. Neben dem Portfolio ist auch die starke Retail-Fokussierung ein Punkt, der Asus besonders geschadet habe.

Escherich sieht zudem den Abbau von Lagerbeständen als weiteren Faktor, der das Geschäft gebremst hat, insbesondere bei Asus, aber nicht nur dort. Zum einen waren die Lager nach dem ebenfalls nicht besonders guten zweiten Quartal noch reichlich bestückt, zum anderen warteten Distributoren und Reseller auf neue Modelle und Formfaktoren, die mit dem Windows-8-Start im Oktober auf den Markt kommen sollten. Diese könnten im nächsten Quartal für eine Besserung bei den Abverkäufen sorgen.

Aussichten alles andere als rosig

Doch letztendlich ist die Kundennachfrage schwach.In Deutschland mache sich die starke Abhängigkeit der Wirtschaft von den Nachbarn in Europa und damit die Euro-Krise deutlich bemerkbar. Außerdem sei die Marktdurchdringung bei PCs und Notebooks bereits sehr hoch. Der PC-Markt hierzulande bleibe auch in Zukunft eine Herausforderung für die Anbieter, so die Gartner-Analystin.

Dreikampf Lenovo-Acer-HP

Dass Lenovo an die Nummer-1-Position vorrücken konnte, ist hauptsächlich auf agressives Pricing zurückzuführen. Damit konnte der chinesische Hersteller seine Absatzzahlen in allen Marktsegmenten verteidigen und hatte daher kaum ein Minus zu verzeichnen. Acer dagegen musste einen Rückgang von mehr als elf Prozent verbuchen und liegt jetzt auf dem zweiten Platz. Im zweiten Quartal 2012 hatte die Acer-Gruppe das Ranking noch angeführt.

HP hat nach Asus den stärksten Einbruch zu verkraften: Fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr, als HP noch die Nummer 1 in Deutschland war. Gartner-Analystin Meike Escherich weist darauf hin, dass die neue Führung zahlreiche Initiativen gestartet habe, um das Geschäft wieder auf Kurs zu bringen. Dennoch hatte der Konzern hierzulande im Consumergeschäft fast ein Drittel verloren und im Professional-Markt einen Rückgang um 27 Prozent zu verzeichnen.

(ID:36662160)