Virtualisierungs-Technologie integriert, eigene Weiterentwicklung eingestellt Oracle stampft Virtual Iron ein

Redakteur: Regina Böckle

Branchenkenner hatten es bereits vermutet, jetzt ist es offenbar Fakt: Oracle lässt die Server-Virtualisierungs-Produkte von Virtual Iron als eigenen Brand sterben. Erst im Mai, kurz nach der Sun-Übernahme, hatte sich der Software-Gigant den Virtualisierungs-Spezialisten einverleibt.

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Oracle hat offenbar das Aus für die Virtual-Iron-Produkte beschlossen, die sich der Konzern erst im Mai dieses Jahres einverleibt hatte. Laut Informationen von „The Register“ will Oracle die Lösungen schon ab Ende Juni 2009 nicht mehr weiterführen. Lizenzen dürften lediglich noch an bestehende Kunden verkauft werden. Stufenweise soll zudem der Support für die Virtual Iron Exended Enterprise Editions entfallen: Version 4.4 soll noch bis 3. September dieses Jahres unterstützt werden, Version 4.5 noch bis 14. Januar 2010. Dann soll Schluss sein.

Damit bestätigt sich, was Branchenkenner bereits seit der Übernahme des Open-Source-basierten Server-Virtualisierungsspezialisten durch Oracle vermuteten: Oracle pickt sich die Rosinen aus dem Virtual-Iron-Kuchen heraus, integriert sie in die eigene Plattform Oracle VM und stampft die Virtual-Iron-Linien dann ein.

Virtual Irons Lösungen basieren – ebenso wie Suns Virtual Box und Oracles hauseigene High-End-Virtualisierungs-Lösung Oracle VM – auf dem freien Hypervisor Xen. Kleiner, aber wichtiger Unterschied: Virtual Iron adressierte vorrangig den kleinen bis größeren Mittelstand und ergänzt so das bisherige Oracle-Angebot.

Vor allem aber verfügt Virtual Iron über weiter entwickelte Management-Funktionen, die Oracle nun wohl in die eigene Plattform VM integriert, um Anwendern damit ein besseres Kapazitäts-, Konfigurations- und Applikations- sowie aktives Strom-Management zu ermöglichen.

Oracle selbst verweigert nach wie vor jede Stellungnahme zu diesem Thema und stößt damit Vertriebspartner wie Endkunden vor den Kopf. „Wir haben zahllose Anrufe von Kunden erhalten, die jetzt verständlicherweise wissen möchten, wie es weiter geht – ob es beispielsweise ein Migrations-Konzept gibt, über das Virtual-Iron-Kunden zu günstigen Konditionen auf Oracle umsteigen können et cetera. Diese Fragen können wir aber nicht beantworten, denn Oracle äußert sich nicht dazu“, erklärt einer der Partner.

Hierzulande gibt es laut Schätzungen der Branchenkenner rund 300 Virtual-Iron-Installationen. Dass Oracle Kunden, bei denen diese Systeme installiert sind, künftig einfach dem Mitbewerb überlassen wird, ist eher unwahrscheinlich. Ein Migrations-Plan könnte dies verhindern. Doch auch zur Frage ob und wann es diesen geben wird, schweigt sich Oracle bis zur Stunde aus.

Das Gemunkel um Virtual Irons Zukunft hierzulande war in Fachhandelskreisen bereits seit Spätherbst vergangenen Jahres in vollem Gange. Damals hatte Virtual Irons bisheriger Value-Added-Distributions-Partner Avnet entschieden, die Produkte nicht mehr aktiv zu vertreiben. Schließlich übernahm der Berliner Value Added Distributor Zycko die Vermarktung. In der Zeit dazwischen allerdings klagten Reseller und teilweise auch Endkunden, die sich für Virtual Iron entschieden hatten, über massive Probleme, bei Virtual Iron überhaupt einen Ansprechpartner zu finden, Anfragen blieben unbeantwortet.

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