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Storage und Datamanagement

Titelstory Brother

Optimistischer Blick in die Zukunft

| Autor: Klaus Länger

Mit der Datenbrille Airscouter WD-200B will Brother vor allem Kunden in der Industrie erreichen.
Mit der Datenbrille Airscouter WD-200B will Brother vor allem Kunden in der Industrie erreichen. (Bild: Brother)

Brother ist der Druckerhersteller, der mit seinem Portfolio die breiteste Palette an Drucktechnologien abdeckt und praktisch alles selbst baut. Allerdings beschränkt sich der japanischer Hersteller bewusst auf kleinere Geräte für den Arbeitsplatz. Mit der Datenbrille Airscouter und dem Videokonferenzsystem OmniJoin macht Brother zudem Schritte in andere Produktbereiche.

Etliche Druckerhersteller sorgten im letzten Jahr für Schlagzeilen: Lexmark wird von einem chinesischen Konsortium übernommen, Dell hat sich im August komplett zurückgezogen, Xerox spaltete sich auf, und Samsung verkauft seine Druckersparte an HP, mit deren Hilfe der Markt der großen A3-Geräte erobert werden soll. Ricoh schließlich hat kürzlich Entlassungen angekündigt. Bei Brother gibt es dagegen keine Sensationsmeldungen. Der japanische Druckerhersteller macht konstant gute Geschäfte, wickelt alles über den Channel ab und hat das Thema Nachhaltigkeit auf seine Fahnen geschrieben. Auch das ist ein Grund, die Firma einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Denn langweilig ist Brother trotz aller scheinbarer Konstanz keineswegs.

Aufstieg mit Nähmaschinen

Drucker sind ein Bereich der IT, in dem japanische Hersteller noch sehr stark sind. Auch Brother gehört trotz des englischen Firmennamens mit in diese Gruppe. 1971 begann die Produktion von Matrix-Druckern in Kooperation mit Centronics. Zuvor wurden seit 1961 Schreibmaschinen produziert. Die letzte Brother-Schreibmaschine aus britischer Produktion wanderte 2012 ins Museum. Auch die Produktion in Malaysia ist inzwischen wohl beendet. Schreibmaschinen sind von den Webseiten der Brother-Group verschwunden.

Begonnen hat die Geschichte von Brother allerdings mit Nähmaschinen. Bereits 1928 wurden sie in Japan unter dem Namen „Brother” verkauft, als Produkt der Yasui Brothers‘s Sewing Machine Co. Deren Geschichte reicht sogar bis ins Jahr 1908 zurück, im dem der Firmengründer Kanekichi Yasui einen Laden für die Reparatur von Nähmaschinen gründete.

Auch heute noch sind Näh- und Stickmaschinen für Haushalt und Industrie eines der Standbeine der international tätigen Brother Group. Textildrucker und Werkzeugmaschinen sind weitere. In Japan gibt es zudem noch ein Tochterunternehmen für Karaoke-Systeme. 2015 übernahm die Brother Group die Firma Domino Printing Sciences, einer der führenden Hersteller für industrielle Codier-, Markier- und Drucksysteme. Domino-Drucker werden beispielsweise für das Bedrucken von Eiern eingesetzt.

Alle Drucktechnologien in Eigenregie

Ganz so vielseitig, was die Druckmedien angeht, sind die von Brother Deutschland angebotenen Drucker nicht. Dafür ist die Firma aber der Hersteller mit der breitesten Palette an Druckverfahren. Zur Produktpalette gehören Drucker und MFPs mit Laser-, Tinten- und Thermodirekt-Technik. Dazu kommen dann noch ­Etikettendrucker, Beschriftungssysteme und Dokumentenscanner. Die in den ­Geräten eingesetzten Print-Engines entwickelt und baut Brother dabei selbst, es werden lediglich Patente anderer Hersteller genutzt.

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Bisweilen ist Brother sogar als OEM-Hersteller für andere Firmen aktiv. Durch die Unterstützung aller wichtigen Druckverfahren ist Brother laut dem Deutschland-Geschäftsführer Matthias Kohlstrung auch so flexibel bei der Erfüllung von Kundenwünschen. Was die Kunden im Büro oder zuhause einsetzen wollen, das stellt ihnen Brother zur Verfügung. Überspitzt erklärt Kohlstrung weiter, dass Brother auch Geräte mit Kartoffeldruck entwickeln und anbieten würde, wenn es eine Nachfrage dafür gäbe. Bei der Frage, ob für einen Kunden Tinte oder Laser das geeignete Druckverfahren wäre, kommt dann auch der Handel ins Spiel, der anhand der Anforderungen das richtige Gerät mit der passenden Drucktechnologie empfiehlt.

Bei Tintendruckern bietet Brother nicht nur Geräte mit herkömmlichen Piezo-Druckköpfen und separaten Tintentanks für alle Farben an, sondern auch Mono-Hochleistungsdrucker mit einem Inkjet-Linehead, der die gesamte Papierbreite abdeckt. Insgesamt 5.198 Düsen in dem fest eingebauten Keramik-Druckkopf sorgen beim HL-S7000DN100 für eine Druckgeschwindigkeit von bis zu 100 Seiten pro Minute. Damit ist der 2012 vorgestellte A4-Tintendrucker immer noch das schnellste Gerät seiner Klasse. Die Thermodirekt-Technik setzt Brother bei Etikettendruckern und den nicht einmal 500 Gramm schweren A4-Mobildruckern ein, die mit einem Akku ausgerüstet werden können.

Konzentration auf Arbeitsplatzdrucker

Grenzen hat die Vielfalt bei der Größe der Geräte. Bei Laserdruckern und MFPs beschränkt sich Brother auf A4-Geräte, die als Arbeitsplatz- oder Abteilungsdrucker dienen. Der Bedarf nach großen A3-Lasern nimmt laut Kohlstrunk stark ab. Daher hat sich Brother entschieden, diesen Bereich nicht mit eigenen Geräten zu bedienen. Der Hersteller sieht sich als „Verfechter von dezentralen Drucksystemen”, integriere aber immer mehr Funktionen in die eigenen arbeitsplatznahen Geräte, die bisher nur bei A3-Systemen zu finden waren. Bei den Tinten-Farb-Multifunktionsgeräten hat der Kunde aber die Auswahl aus diversen Modellen, die auch auf A3 drucken können. Aber auch hier handelt es sich mit maximal 22 Seiten pro Minute um Systeme für den Arbeitsplatz oder maximal eine Arbeitsgruppe. A3 ist hier primär für den Grafikdruck interessant, etwa durch die Möglichkeit, ein A4-Dokument in Farbe mit Druckmarken wie Beschnittzeichen oder Passmarken zu Papier zu bringen.

Die Kunden für diese Brother-Geräte sind primär kleinere und mittlere Unternehmen. Da diese praktisch ausschließlich über den Channel einkaufen, ist auch das Drucker-Geschäft von Brother zu 100 Prozent indirekt. Dabei gibt sich die Firma größte Mühe, den Channel beim Verkauf ihrer Produkte zu unterstützen. Wichtige Faktoren sind dabei Lead-Generierung und Neukundenakquise, die Brother für seine Partner im Channel betreibt. Auch die ­Präsenz auf der Cebit gehört mit zu dieser Strategie. Alle auf der Messe gewonnenen Interessenten werden an die passenden Fachhändler weitervermittelt. Bei Projekten gibt der Hersteller seinen Händlern Starthilfe durch Lösungsspezialisten, die auf Wunsch vor Ort mit zu den potenziellen Kunden kommen.

Schritte in neue Marktsegmente

Mit Produkten wie dem Webkonferenzsystem OmniJoin oder der Datenbrille Airscouter expandiert Brother in neue Bereiche. Wie Kohlstrung erklärt, sind beide Produktkategorien noch keine großen Umsatzbringer, sondern eher als Business ­Development anzusehen. Das gelte vor allem für den Airscouter, der ja zu einer ganz neuen Klasse von Produkten gehöre, für die konkrete Anwendungen und dafür passende Software erst entwickelt werden müssen. Anwendungen für die Brille sieht Kohlstrung vor allem in der Industrie. Hier hofft der Manager langfristig auf seine Partner im Channel, die ihre Kunden kennen und wissen, wer Bedarf haben könnte. Daraus könnte sich ein interessantes Zusatzgeschäft entwickeln.

OmniJoin ist bereits ein fertiges Produkt, das auch über den Channel vertrieben wird. Hier hapert es eher an der Akzeptanz deutscher Kunden für Web-Konferenzen. Diese sei nicht nur in den USA, sondern auch in europäischen Ländern wie Großbritannien oder Frankreich wesentlich höher.

Nachhaltigkeit als Firmencredo

Ökologie und Nachhaltigkeit nehmen bei Brother einen hohen Stellenwert ein. Das zeigt die 2010 gestartete Brother-Earth-­Initiative, die alle Umweltaktivitäten des Konzerns darstellt. Diese reichen von direkten Spenden für Umweltschutzprojekte wie den Schutz des tropischen Regenwalds oder Wiederaufforstungen in China über die Unterstützung dörflicher Gemeinschaften im Amazonas-Gebiet bis hin zu umweltfreundlicheren Produkten und verbessertem Recycling im eigenen Konzern.

Besonders stolz ist man bei Brother dabei auf die Wiederaufbereitung gebrauchter Tonerkartuschen. Die werden nicht geschreddert und eingeschmolzen, sondern nach Möglichkeit repariert, gereinigt und wieder neu befüllt. Das mache sie etwa zwanzig Prozent teurer als neu produzierte Kartuschen, so Kohlstrung. Die Differenz trage Brother selbst und gebe sie nicht an die Verbraucher weiter.

Brother hat die Wiederaufbereitung gebrauchter Tonerkartuschen nicht in die Hände eines Dienstleisters gegeben, sondern im slowakischen Krupina ein eigenes Werk dafür errichtet. Daneben gibt es weltweit noch vier weitere Recycling-Standorte. Alle in Europa an Brother zurückgeschickten oder bei Wertstoffhändlern gekaufen Kartuschen werden in dem Werk erfasst, gesäubert, wenn nötig repariert und wieder befüllt. Stark beschädigte Tonerbehälter werden teilweise wiederverwertet. Es soll keinen Qualitätsunterschied zwischen neuen und aufbereiteten Kartuschen geben.

Inzwischen wird Nachhaltigkeit für immer mehr Kunden zu einem wichtigen Thema und sogar zu einem Entscheidungskriterium beim Kauf neuer Geräte. Nur mehr als vergleichbare und weniger nachhaltige Produkte dürften sie dabei trotzdem nicht kosten. Bei Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber spiele zwar der Energieverbrauch und Öko-Label wie der Blaue Engel, den praktisch alle Brother-Drucker und Multifunktionsgeräte tragen, eine Rolle, das Recycling aber leider nicht.

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