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Attachmate und Microsoft teilen sich die Beute

Novell wird zerschlagen

22.11.2010 | Redakteur: Harry Jacob

Ron Hovsepian, CEO von Novell, ist höchst zufrieden mit dem Verkauf an Attachmate und Microsoft.
Ron Hovsepian, CEO von Novell, ist höchst zufrieden mit dem Verkauf an Attachmate und Microsoft.

Für 2,2 Milliarden US-Dollar kauft Attachmate das Traditionsunternehmen Novell. Weitere 450 Millionen US-Dollar erhalten die Novell-Aktionäre von Microsoft – doch wofür?

Vor einem knappen Jahr versuchte sich Novell durch eine Umstrukturierung zu stärken: Security, Management and Operating Platforms wurden die eine Säule, Collaboration Solutions die andere. Ziel war es, eine stärkere Position im Markt für Intelligent Workload Management zu erlangen.

Trotz verbesserter Bilanzzahlen – das schwächelnde Unternehmen kam bei der Marktentwicklung nicht voran. Möglicherweise, weil das Produktportfolio, das aus Suse Linux, Zenworks-, Platespin- und Novell-Tools besteht, einfach zu heterogen ist.

Nun wird Novell von Attachmate übernommen - zumindest zum größten Teil. Den hinter Attachmate stehen mehrere Investoren. Neben Francisco Partners und Golden Gate Capital auch Thoma Bravo LLC, der eine ganze Reihe von Software- und Technologie-Unternehmen zusammengekauft hat, darunter auch den Security-Anbieter NetIQ. Auf diese beiden soll der Novell-Konzern aufgeteilt werden – in einen Novell-Teil und einen Suse-Teil.

Quo Vadis, Microsoft?

So weit, so gut. Doch noch ein weiterer Player spielt hier mit: Microsoft. Der Software-Riese hat eigens für diese Investition ein Konsortium unter dem Namen CPTN kreiert. Wer außer Microsoft noch dazu gehört, liegt bislang im Dunkeln. Und auch darüber, was CPTN beziehungsweise Microsoft von Novell für die avisierten 450 Millionen US-Dollar erhält, wollen bislang weder Novell noch Microsoft Details herausrücken. Bei der US-Börsenaufsicht SEC ist lediglich zu erfahren, dass es sich um 882 Patente und Lizenzrechte handelt.

Update: Die Mitglieder des CPTN-Konsortiums

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das CPTN-Konsortium ein Joint Venture von vier Branchen-Schwergewichten ist: Apple, EMC, Microsoft und Oracle haben sich zusammengetan, um den übernommenen Patent-Pool gemeinsam zu verwalten. Das Konsortium hatte die Übernahme zunächst beim Bundeskartellamt angemeldet, das die Mitglieder offengelegt hatte. Der Antrag wurde wieder zurückgezogen, um die Übernahme der anderen Novell-Assets durch Attachmate nicht zu gefährden. Das Dokument des Bundeskartellamts zum Verfahren B5-148/10 verschwand daraufhin wieder aus dem Netz.

Die Open-Source-Gemeinde befürchtet, Microsoft & Co. könnten sich Rechte sichern, die die Existenz von Unix, Linux und Open Office gefährden. Auch wollte Novell im kommenden Jahr ein Suse-Meego-Linux-Derivat für Netbooks und Smartphones herausbringen, das mit Windows 7 Phone konkurrieren würde.

Nichts konkretes

Zwar hatte Microsoft schon einmal im Jahr 2006 versucht, die Linux-Gemeinde mit rechtlichen Drohgebärden einzuschüchtern. Doch letztendlich einigten sich Microsoft und Novell auf ein auf fünf Jahre befristetes Stillhalte-Abkommen, das Anfang 2012 ausgelaufen wäre.

Die Open-Source-Gemeinde hatte den Deal jedoch weiterhin argwöhnisch beäugt.

Ein weiterer Teil der Vereinbarung besagte, dass Microsoft und Novell zusammenarbeiten wollten, um Kunden gemeinsam bei gemischten Linux-/Unix-/Windows-Unternehmens-Umgebungen zu beraten. Daher könnte sich Microsoft auch für die Unix-Rechte und -Tools von Novell interessieren, um die Kundenbetreuung künftig im Alleingang sicherzustellen. Schließlich hatte Forrester erst vor kurzem festgestellt, dass die Early Adopter dieser Kooperation einen RoI von 82 Prozent erreicht hatten.

Eine weitere Spekulation kommt von IDC-Analyst Matt Eastwood. Er teilte per Twitter mit, dass nach seiner Meinung Microsoft an der Platespin-Technologie interessiert ist. Das Unternehmen, das Software-Lösungen zur Optimierung von Datenzentren entwickelt, war im Februar 2008 von Novell übernommen worden.

Bonus für Novell-Aktionäre

Im März dieses Jahres hatte sich bereits schon einmal ein Investor für Novell interessiert. Anders als Thoma Bravo ging es dem Hedge-Fond Elliot Associates jedoch nicht um ein strategisches Investment, um die Firma weiterzuentwickeln, sondern nur darum, den Unternehmenswert hochzutreiben und dann Kasse zu machen. Das Novell-Management hatte das Angebot von Elliot als zu niedrig abgetan.

Es lag bei 5,75 Dollar pro Aktie, zusammen rund zwei Milliarden US-Dollar für das Unternehmen. Nun bekommen die Aktionäre 6,10 Dollar pro Anteil von Attachmate, und dazu einen saftigen Bonus von Microsoft – zusammen rund 30 Prozent mehr als im März.

Ron Hovsepian, Präsident und CEO von Novell, teilte mit, nach der Prüfung mehrerer Möglichkeiten sei der Aufsichtsrat zu dem Entschluss gekommen, dass diese Transaktionen den größten Profit für die Aktionäre erbringe und auch den Kunden, Partnern und Mitarbeitern erhebliche Vorteile bringe.

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