Hersteller-Initiative »Verified by Intel« Notebook-Standards spalten die Branche

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Die Zahl Sieben hat für Zahlenmystiker und Märchenfreunde eine ganz besondere Bedeutung. Für Intel auch. Sieben standardisierte Notebook-Komponenten rollen inzwischen von den Bändern der Barebone-Größen. IT-BUSINESS beleuchtet den Stand der Dinge.

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Ziel des VBI-Programms ist es, sieben standardisierte Komponenten herstellerübergreifend als »Zutaten« für den Notebook-Bau im Markt zu etablieren.
Ziel des VBI-Programms ist es, sieben standardisierte Komponenten herstellerübergreifend als »Zutaten« für den Notebook-Bau im Markt zu etablieren.
( Archiv: Vogel Business Media )

Den Großteil des Barebonemarktes bedienen die drei asiatischen Größen Compal, ASmobile (ein Asus-Brand) und Quanta. Die drei Massenfertiger liefern in Kooperation mit Intel Barebones mit sieben standardisierten Komponenten, die über einheitliche und herstellerübergreifende SKUs (»Stock Keeping Units«, Identifikationsnummern in der Lagerverwaltung) verfügen. Diese Barebones finden ihren Weg auf den Markt unter dem Label zahlreicher OEM-Hersteller.

Die gemeinsamen Zutaten – Common Building Blocks genannt – sind Festplatten, optische Laufwerke, LCD-Panels, Akkus, Netzteile, Keyboards und Frontplatten für Notebook-Deckel, die hinsichtlich ihrer Abmessungen und Anschlüsse so gebaut sind, dass sie stets untereinander ausgetauscht werden können.

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Die ganz großen Hersteller im Markt mit starker Marke finden tendenziell weniger Gefallen an den Standards, da sie ihre Differenzierungsmöglichkeiten zum Wettbewerb einschränken. So manch kleinerer Hersteller hingegen freut sich, dass er von der einheitlichen Garantie-Abwicklung von Intel profitieren kann.

Ein Brief, der die Barebonekompatibilität und zweijährige Garantie auf die Komponenten bestätigt, wird den Notebooks beigelegt. Ein weiterer Anreiz – vor allem für kleinere Notebookhersteller – sind die günstigeren Einkaufskonditionen durch Großbestellungen. Aus dieser Perspektive betrachtet kommt VBI (Verified by Intel) in einer sich konsolidierenden Branche der Artenvielfalt in der Herstellerlandschaft entgegen.

Von III zu VBI

Als das Programm vor etwa einem Jahr startete, lief es noch unter dem Zungenbrecher »Intel Interchangeability Initiative« oder kurz III. Nun wird es »Verified by Intel« (VBI) genannt. Hannes Schwaderer, Geschäftsführer bei Intel Deutschland sagte gegenüber IT-BUSINESS: »Es läuft sehr erfolgreich, auch wenn naturgemäß nicht so viel davon nach außen dringt«. TK-Distributor Breitpoint, sammelt für das VBI-Programm die Aufträge seitens anderer Distributoren. »So erreichen wir die Volumina, die man für günstige Einkaufskonditionen bei den Barebonegrößen Quanta, ASmobile und Compal braucht«, erläuterte Schwaderer.

Praxisbericht von Tarox

Uwe Hüfner konnte als Leiter Produktmanagement bei Tarox bisher gute Erfahrungen mit VBI machen, nennt aber auch Kritikpunkte:

»Tarox setzte von Beginn an auf das Intel VBI-Programm, und die Erfahrungen aus dieser Zeit zeigen Licht- und Schattenseiten. Für mich liegt die Attraktivität vor allem im Zugriff auf die Barebone-Modelle der weltweit führenden Hersteller Compal und Quanta. Die Maschinen sind bestens auf unser B2B- sowie das Lösungsgeschäft abgestimmt und haben sich bislang durch eine erfreulich geringe Ausfallquote von unter einem Prozent bewährt.

Allerdings ist es generell schwer, an Informationen zu gelangen. In der Regel muss alles nachgefragt werden. Eine Bevorratung von Modellen durch die Distribution findet bislang überhaupt nicht oder nur in homöopathischen Mengen statt. Die Beschaffung erfolgt in der Praxis nach Bestellung oder nur über Forecasts. Das VBI-Programm bietet Tarox durch die Standardisierung von Komponenten erhebliche Vorteile.

Einen wesentlichen und praktischen Nutzen bilden die Vereinheitlichung von Tastatur, Akku und Netzteil für die unterschiedlichen Barbones. Die Standardisierung der Batterien beispielsweise sorgt für Sicherheit in der Beschaffung auch nach mehreren Jahren. Als Fluch oder Segen kann man den Bekanntheitsgrad der Maschinen bewerten.

Klar, dass bei Weltmarktanteilen von 24 Prozent – Quanta – beziehungsweise 18 Prozent – Compal – auch andere Mitstreiter dieselben Modelle verwenden. Vor diesem Hintergrund bringt es einen schon zum Schmunzeln, wenn Testmagazine berichten, dass sich das eine oder andere Gerät etwas ähnelt. Standardisierung und Volumen bringen auch Preisvorteile, die wir als Tarox gerne weitergeben. Derzeit bieten wir bei den Volumen-Modellen das Netzteil, den Akku und die Docking Station zu einem EVP von je 99 Euro an. Das halte ich für knackig, denn das bedeutet eine Preisreduktion gegenüber früher zwischen 30 bis 50 Prozent für den Endverbaucher.«

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