Aktionäre träumen vom Comeback der einstigen Nummer 1 Nokia macht trotz Milliardenverlusten Hoffnung

Redakteur: Harry Jacob

Knapp eine Milliarde Verlust verzeichnete Nokia im ersten Quartal des Jahres, im zweiten sogar 1,4 Milliarden Euro Miese. Doch die Stimmung kann das nicht verderben.

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Die Lumia-Serie ist derzeit der größte Hoffnungsträger für Nokia.
Die Lumia-Serie ist derzeit der größte Hoffnungsträger für Nokia.

Um mehr als 16 Prozent stieg vergangenen Donnerstag der Aktienkurs von Nokia auf dem Frankfurter Parkett, als die aktuellen Quartalszahlen verkündet wurden. Tags zuvor hatte die Aktie ein neues Jahrestief markiert. 200 Millionen Euro mehr Umsatz als im Vorquartal und unerwartet hohe Cash-Reserven von 4,2 Milliarden Euro ließen die Aktionäre träumen, dass die längst vergangenen Erfolgszeiten zurückkehren könnten. Doch lange hielt der Traum nicht an: bis zum Freitagabend waren gerade noch 0,2 Cent Kursgewinn übrig. Und am Montag ging es zunächst wieder zwei ganze Cent nach unten, nach einer positiven und einer neutralen Bewertung durch Börsenanalysten dann aber sogar wieder 2 Cent über den Schlusskurs vom Freitag.

Realismus gefragt

Der Umsatz, der im abgelaufenen Quartal 7,5 Milliarden Euro erreichte, wurde von Börsenexperten als stabil bezeichnet. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres gab es einen leichten Zuwachs, doch im Vergleich zum Vorjahr, als noch 9 Milliarden Euro in die Kassen flossen, ist dies ein herber Rückgang und keineswegs ein Grund zu feiern. Schon gar nicht angesichts des sich weiter ausdehnenden Defizits, allen bisherigen Sparbemühungen zum Trotz. Wenngleich auch hier verkehrte Welt herrscht: Das Defizit war zwar um 400 Millionen Euro höher als im Vorquartal, lag aber gleichzeitig 500 Millionen Euro unter den Erwartungen der Börsianer, die darüber hocherfreut waren.

Positiv entwickelt hatten sich vor allem die Verkäufe der Lumia-Serie, die dem einstigen Handy-Weltmarktführer endlich Erfolge im Smartphone-Markt bescheren. Doch deren Verkäufe gehen in den folgenden Monaten vermutlich wieder zurück. Die Carrier werden die Lager räumen und auf die Windows-Phone-8-Modelle warten, prognostiziert IDC-Analyst Francisco Jeronimo. Das Problem: die bislang vertriebenen Lumia-Modelle können nicht auf Windows Phone 8 upgedatet werden und zählen damit schon bald als „Altgeräte“.

Es sei daher entscheidend, dass Nokia zu den ersten Anbietern gehöre, die ihre nächste Generation von Windows-Smartphones auf den Markt bringen. Bis das geschafft sei, müsse Nokia noch eine Durststrecke überwinden.

Neben den Lumia-Modellen für die Industrie-Länder hat Nokia laut Jeronimo noch ein zweites heißes Eisen im Feuer. Die Asha-Devices seien ideal für Schwellenländer, in denen es noch keine schnellen Netzwerke gibt. Denn von den Asha-Geräten würden die bei Consumern beliebtesten Funktionen abgedeckt werden: Facebook, Twitter, E-Mail, Web, Kartendienste und Exchange ActivSync.

Markteinführung der Windows-8-Generation

Laut Financial Times plant Nokia, die Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone 8 nicht auf breiter Front einzuführen, sondern mit einigen ausgewählten Partnern. Die Exklusivverträge sollen sicherstellen, dass die beteiligten Provider sich stärker im Marketing engagieren. Im Gegenzug sollen sie höhere Erfolgsbeteiligungen kassieren dürfen.

Ob die Strategie aufgeht ist ungewiss. Denn damit kopiert Nokia der Wettbewerber Apple, der seine iPhones in Deutschland zunächst nur über die Telekom vermarktet hatte, um den Hype anzuheizen. Seit knapp zwei Jahren ist die Exklusivität passé – jetzt ist die breite Vertriebsfront wichtiger für den Erfolg.

Man darf gespannt sein, ob es die Finnen und ihre Vertriebspartner tatsächlich schaffen, rund um die Windows-Phone-8-Smartphones einen Hype zu erzeugen, der den Wettbewerbern Apple und Samsung spürbar Marktanteile abjagt. Die verkaufen derzeit noch jeweils rund zehnmal so viele Smartphones pro Quartal wie Nokia.

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