Kunden und Symbian-Entwickler gehen auf die Barrikaden

Nokia-Chef Stephen Elop verteidigt Microsoft-Deal

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Entwickler und Kunden zweifeln

Analysten, Kunden und Angestellte von Nokia rätseln jedoch, wie sich die Geschäfte angesichts der Abkündigung des selbstentwickelten Smartphone-Betriebssystems Symbian entwickeln werden. Es werde noch eine Weile weiterleben und -entwickelt, zumindest als Betriebssystem für Entwicklungsländer, so Elop vorigen Freitag. Gleichzeitig verkündete er, dass Nokia noch 150 Millionen Geräte auf Basis von Symbian verkaufen wolle.

En passant deklassierte er das alternative Betriebssystem Meego, das eigentlich schon seit 2010 die Oberklasse der Handys und Smartphones bedienen sollte. Meego, ein Gemeinschaftsprodukt mit Intel, wurde von Elop zum „Lernprojekt“ degradiert, die Entwicklung werde allerdings fortgesetzt, um Smartphones „der nächsten Generation“ damit auszustatten. In den kommenden Wochen soll es Gespräche mit Intel zur Zukunft von Meego geben. Der Chip-Riese stellte derweil schon einmal klar: Meego wird kommen – zur Not auch ohne Nokia.

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Nokias eigenes Meego-Smartphone N9 soll nach unterschiedlichen Medienbereichten entweder wegen Tastaturproblemen zur Nachbesserung zurückgezogen worden sein oder komplett eingestampft werden. Elop versprach jedoch, dass bis Jahresende ein Meego-Gerät von Nokia auf den Markt kommen soll.

Börse: Abstimmung mit den Füßen

Seit Mittwochabend hat die Nokia-Aktie 25 Prozent ihres Wertes verloren. An der New Yorker Börse hatte der Kurs bis zu 11,73 US-Dollar erreicht. Es folgte der Brandbrief von Elop am Donnerstag, der das Kursniveau bereits auf 10,88 Dollar drückte.

Dass Microsoft nun Nokias Kooperationspartner wird, sorgte am Freitag für einen weiteren Kursrutsch auf 9,36 Dollar. Und nach den immer noch schwammigen Aussagen auf dem Mobile World Congress in Barcelona sackte der Kurs weiter ab – zum Redaktionsschluss auf 8,80 Dollar.

Damit war der Kurs nur noch knapp über dem Tief von 8,74 Dollar vom März 2009, als fallende Umsätze und Gewinne sowie schwache Wachstums-Chancen kommuniziert werden mussten.

Ein weiteres Tief gab es im Juli 2010, als der Markt erkannte, dass Nokia den Smartphone-Trend komplett verschlafen hatte und von Apples iPhone und iPad sowie von der Android-Konkurrenz abgehängt worden war. Der Kurs ging auf 8,02 Dollar zurück, Elops Vorgänger Olli-Pekka Kallasvuo wurde gefeuert.

Kommentar von Harry Jacob, Redaktionsleiter IT-BUSINESS

Nokia hat es bislang nicht geschafft, seinen Ovi-Store so attraktiv zu bekommen, dass er breiten Kundenschichten als Kaufsargument zu vermitteln ist. Und das, obwohl die für 5,7 Milliarden Euro übernommene Navigationssoftware von Navteq an Nokia-Kunden quasi verschenkt wird.

Durch den Eiertanz um Symbian und Meego werden dringend benötigte Entwickler abgeschreckt, denn die werden kaum bereit sein, eine Plattform zu unterstützen, deren Ende absehbar ist, erst recht, wenn Nokia sich davor drückt, einen konkreten Termin zu nennen. Auch für Kunden ist es keine Option, heute Apps zu kaufen, die auf einer Plattform laufen, für die es morgen keine Hardware mehr gibt.

Wer nur telefonieren will, dem kann das Betriebssystem egal sein. Mit solch einfachen Handys ist aber wenig verdient, auch wenn Nokia als Marktführer immerhin auf Skaleneffekten bei Produktions- und Vertriebskosten setzen kann. Trotzdem muss Nokia weiter mit diesen Produkten bis 2012 wirtschaftlich überleben, obwohl der eigentliche Plan war, aus dieser Falle herauszukommen.

Das Ende der Symbian-Smartphones wird schneller kommen, als Elop denkt. Zwar hat er für den Angriff auf Android mit Windows Phone 7 nun eine gute Waffe in Aussicht – aber die muss erst noch geschärft werden, und Nokia hat mindestens ein weiteres Jahr im Smartphone-Geschäft verloren.

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