Nokia-Fans und Symbian-Entwickler gehen auf die Barrikaden Elop verteidigt Microsoft-Deal in der Öffentlichkeit

Redakteur: Harry Jacob

Ein Kurseinbruch der Nokia-Aktien um 20 Prozent seit Freitag, wütende Emails und Foren-Beiträge sowie Arbeitsniederlegungen der eigenen Belegschaft folgten der Ankündigung, dass Nokia künftig auf das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 setzt. Nokia-Chef Stephen Elop versucht, die Lage wieder zu beruhigen.

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Nokias CEO Stephen Elop muss die am Freitag verkündete Partnerschaft mit Microsoft gegen harsche Kritik verteidigen.
Nokias CEO Stephen Elop muss die am Freitag verkündete Partnerschaft mit Microsoft gegen harsche Kritik verteidigen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Eigentlich hätte es ein Befreiungsschlag werden sollen: Die Ankündigung, dass Nokia nun mit Microsoft eine weitreichende Kooperation eingeht und künftig seine Smartphones mit Windows Phone 7 (WP7) ausstattet. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte zum PR-Desaster, und die Nokia-Aktien verloren zwischenzeitlich 25 Prozent ihres Wertes.

Schuld daran ist Elop selbst. Der Kanadier, der von Microsoft kommt und erst am 21. September den Chefposten bei Nokia übernommen hatte, war am vergangenen Freitag in vielen Punkten konkrete Details schuldig geblieben. Nicht einmal ein vorzeigbares Produkt konnte der Nokia-Chef präsentieren. So öffnete er Tür und Tor für Kritik und Spekulationen.

Harte Angriffe

Zur Eröffnung des Mobile World Congress 2011 (MWC) in Barcelona versuchte der Manager die Kooperation mit Microsoft besser zu vermitteln – mit bescheidenem Erfolg. Er musste sich sogar persönlicher Diffamierungen erwehren, er sei ein Handlanger von Microsoft, profitiere als Microsoft-Aktionär privat von dem Deal und sei ein „Trojanisches Pferd, das den Nokia-Kernel erreicht hat“.

Vor allem im Heimatland des Telekommunikationskonzerns schlagen die Wellen hoch – die Stellen von 6.000 Symbian-Entwicklern sollen bedroht sein. Falschmeldungen wie die Behauptung, Elop sei Microsofts siebtgrößter Aktionär, gehen in der finnischen Presse Hand in Hand mit Verschwörungstheorien, wonach Elop den Konzern aushöhlen wolle, damit Microsoft die Reste billig übernehmen kann.

Wasser auf die Mühlen der Kritiker ist jedoch die jüngste Personalie. Der Verantwortliche für das Nordamerika-Geschäft, Mark Louison, wurde gefeuert. Nachfolg ist Chris Weber – der 16 Jahre lang bei Microsoft war. Dass ein Unternehmens-Chef sich in einem neuen Unternehmen mit vertrauten Managern umgibt ist allerdings ein ganz normaler Vorgang.

Weiterhin wenig Fakten

Zumindest ein wenig klarer ist inzwischen, was Microsoft einbringt: „einen Beitrag im Milliarden-Bereich“, kündigte Elop an. Doch wiederum bleibt offen, in welcher Form das geschieht. Einfach Windows-Phone-Lizenzen an Nokia verschenken kann Microsoft nicht – das wäre ein Affront gegenüber den bisherigen (zahlenden) Kunden LG, Samsung und HTC. Vermutlich geht es um direkte Zuschüsse für die Entwicklung und Vermarktung von WP7-fähiger Hardware oder um „geldwerte Vorteile“.

Einer der größten Fehler dürfte gewesen sein, dass die Kooperation so groß angekündigt wurde, ohne irgend ein Produkt vorweisen zu können. Immerhin haben es die Nokia-Grafiker geschafft, in den zwei Tagen bis zur Mobile-Messe wenigstens ein paar Bilder von ansprechenden Gehäuse mit Windows-Phone-7-Display-Inhalten zu verknüpfen (siehe Bildergalerie).

Bildergalerie

Übers Wochenende ist auch der Zeitplan für den Umstieg gestrafft worden. Statt erst 2012 will Nokia nun schon Ende 2011 wenigstens ein Gerät mit Windows Phone 7 auf den Markt bringen. Dies dürfte der Kritik geschuldet sein, Nokia verliere durch den Umstieg Zeit und könne keine aktuelle Gerätepalette liefern. Allerdings hatte man anscheinend vergessen, dem Kooperationspartner Microsoft Bescheid zu geben. So war in der Keynote von Steve Ballmer wiederum zu hören, er rechne 2012 mit den ersten Geräten.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum Elop den Handy-Marktführer in eine prekäre Lage bringt.

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