Produkt- und Prozess-Strategien für NGN Next Generation Networks bringen neue Herausforderungen

Autor / Redakteur: Uwe Winkler und Hendrik Langer / Sarah Gandorfer

Das auf IP-basierende Next Generation Network kommt. Die vielfältigen Möglichkeiten, die es mit sich bringt, stellen TK-Anbieter und Systemhäuser vor neue Herausforderungen. Standards wie Enhanced Telecom Operations Map (eTOM) und New Generation Operations Support System (NGOSS) sollen dabei helfen, Kosten zu reduzieren.

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Uwe Winkler, Partner von Process Consulting
Uwe Winkler, Partner von Process Consulting
( Archiv: Vogel Business Media )

Die aktuellen Herausforderungen, die kleine und große Telekommunikationsunternehmen bei der Realisierung von IP-Services der neuen Generation zu bewältigen haben, können in effizienter Weise durch den Einsatz moderner Prozessmodelle und IT-Strukturen bewältigt werden.

Um diese Trends technisch umzusetzen, werden die bisher separaten Netze mit ihren unterschiedlichen Übertragungsformen sukzessive hin zu einem einheitlichen Kommunikationssystem entwickelt. Der Weg geht weg von dienstspezifischen Kommunikationsverfahren, wie leitungsvermittelte Sprach- oder Datenverbindungen auf fest verlegten Kabeln oder Mobilfunk, hin zu einem vom jeweiligen Übertragungsmedium unabhängigen Internet Protokoll. Es spielt keine Rolle mehr, ob über Funk oder Festnetz kommuniziert wird, denn das verwendete Kommunikationsverfahren wird vereinheitlicht. Diese sich immer rascher etablierende Infrastruktur wird als Next Generation Network (NGN) bezeichnet.

Damit ist es schon heute technisch möglich, Daten vom Handy aus abzurufen, Sprache über das Internet zu übertragen, digitale TV-Programme über den Computer zu empfangen oder Videos auf dem Handy zu betrachten. Diesem Trend wird auch durch neue Endgeräte und die dazu passenden Verträge der Anbieter Rechnung getragen. Nicht ohne Grund sind die aktuellen Angebote »Triple Play« (Sprache, Daten, Video) oder »Quad Play« (Sprache, Daten, Video, Mobil) in aller Munde.

Lesen Sie mehr zum Problem der Abrechnung auf der nächsten Seite.

ABRECHNUNG NEUER DIENSTE

Dieser Entwicklung müssen sich auch die Service-Anbieter mit neuen Produkt- und Prozess-Strategien stellen. Dabei sind gerade die etablierten Abrechnungssysteme, separiert nach Online- und Offline-Billing, für die Verrechnung dieser neuartigen Dienste eine besondere Hürde. Einige Kommunikationsleistungen werden zwar wie bisher nach Zeiteinheiten, andere aber auch nach Datenvolumen, Qualität der Verbindung und Inhalten abgerechnet. Dazu sind eine flexible Prozesslandschaft und ebenso adaptierbare Abrechnungssysteme zwingend erforderlich. Gefordert sind standardisierte, modulare, hersteller- und betreiberunabhängige Lösungen, damit Verrechnungen zwischen den verschiedenen Servicegebern sichergestellt sind.

Hier hat sich in den letzten Jahren eine Organisation etabliert, die einen offenen Standard für die Next-Generation-Network-Abrechnungssysteme in der Telekommunikation propagiert: Das Tele-Management Forum (tmForum). Dieser Organisation sind die weltweit wichtigsten Netzbetreiber, Content-Anbieter und Software-Entwickler der Telekommunikationsbranche beigetreten.

VERÄNDERTE PROZESSE

Auf der Prozessebene hat das tmForum ein Modell, bezeichnet als Enhanced Telecom Operations Map (eTOM), definiert, das den kompletten Umfang an Geschäftprozessen beschreibt, die ein Telekommunikationsunternehmen zur Umsetzung seiner Wertschöpfungskette benötigt. eTOM wurde als Internationale Empfehlung M.3050 von der International Telecommunication Union (ITU-T) angenommen. Es erlaubt die Integration von neuen Prozessen in ein bestehendes Unternehmen. Durch Soll-/Ist-Vergleiche können fehlende Prozesse erkannt und die Arbeitsweise eines Unternehmens optimiert werden. eTOM unterstützt die Kommunikation mit Kunden, Partnern und anderen Serviceanbietern durch klar definierte Schnittstellen.

Lesen Sie mehr zur Definition der Schnittstellen per NGOSS auf der nächsten Seite.

TECHNISCHE UMSETZUNG

Die Aspekte der IT-technischen Realisierung eines solchen Systems werden in dem New Generation Operations Support System (NGOSS) detailliert beschrieben. Diese Spezifikation enthält alle erforderlichen Definitionen und Schnittstellen zur Realisierung eines Operations Support Systems, inklusive einer IT-Lösung zur Abrechnung, Überwachung und zum Betrieb von Telekommunikationsleistungen der neuen Generation. Ergänzt wird dieses Modell durch die erforderliche Beschreibung des modularen Datenmodells Shared Information and Data Model (SID). Damit ist die unternehmensübergreifende Datenkommunikation durchgehend gewährleistet.

FAZIT

Durch diese Vorgehensweise können Beratungsunternehmen und Systemhäuser die Telekommunikationsanbieter bei der Realisierung von Services der neuen Generation in effizienter Weise unterstützen. Dieser standardisierte Ansatz reduziert Kosten, ermöglicht die Nachrüstung von Softwarekomponenten verschiedener Hersteller, Eigenentwicklungen und erhöht die Flexibilität bei der Erweiterung des Produktportfolios. Die Marktanpassungsfähigkeit wird verbessert – die Abhängigkeiten von herstellerspezifischen Produkteinschränkungen verringert.

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