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HP hat sein Geld nach Ansicht von IDC nicht schlecht investiert

Neues Spiel, neues Glück – HP übernimmt Palm

05.05.2010 | Autor / Redakteur: Joachim Benner / Katrin Hofmann

Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt

Am 28. April gab HP bekannt, dass es den angeschlagenen Smartphone-Anbieter Palm übernehmen wird. Der Kaufpreis beträgt 1,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 5,70 US-Dollar je Aktie. Sowohl der Aufsichtsrat von Palm als auch HP haben dem Deal bereits zugestimmt. Für Palm ist dieser Schritt überlebensnotwendig, für HP ergeben sich zahlreiche Chancen.

Der Smartphone-Hersteller Palm war schon seit geraumer Zeit am Straucheln und Spekulationen, wann das Unternehmen nun wohl endlich übernommen werden würde, gab es schon länger. Der Kauf durch HP war für Palm das Beste, was ihm in seiner derzeitigen Lage passieren konnte. Von der weltweiten Präsenz und der Kapitalstärke von HP kann Palm daher nur profitieren.

Geringes Risiko

Auf der anderen Seite ist das Risiko für HP gering. Der Markt für Smartphones wird nach Annahmen von IDC in den kommenden Jahren weiter rasant wachsen. Durch die Übernahme kann sich HP breiter im Markt aufstellen und von der Akquise eines zusätzlichen Smartphone-Betriebssystems wird das Unternehmen ebenfalls profitieren. Zudem dürfte die Integration kulturell leicht zu verdauen sein, bedenkt man, dass nicht wenige HP Personal Systems Group (PSG)-Mitarbeiter zuvor für Palm gearbeitet hatten.

Durch die Übernahme kann sich HP zu einem ernst zu nehmenden Player im Smartphone-Segment katapultieren und die Aussichten stehen nicht schlecht, dass das Unternehmen einen nicht unerheblichen Teil des Marktes für sich abknapsen kann. Kein Nachteil dürfte es dabei sein, dass nicht wenige ehemalige Apple-Mitarbeiter im Hause Palm tätig sein werden. Darunter befinden sich auch Palm-CEO und einstiger iPod-Mitentwickler Jon Rubinstein.

Gelobtes Smartphone-Betriebssystem einverleibt

Von besonderem Interesse für HP dürfte das Palm-System webOS sein. Mit webOS verleibt sich HP ein viel gelobtes Smartphone-Betriebssystem ein. Das System gilt als einfache Plattform zur Entwicklung neuer Applikationen. Seine Ähnlichkeit zu Linux-Distributionen macht es für PC-fokusierte Entwickler deutlich einfacher, zukünftig mobile Anwendungen für Smartphones zu kreieren. Dies dürfte HP als einem der führenden PC-Hersteller sehr gelegen kommen. Durch die Übernahme von webOS durch HP dürften zukünftig mehr Entwickler, aber auch einige Mobilfunkbetreiber, bereit sein, die Lösung einzusetzen. Zudem eignet sich webOS auch für den Einsatz in Tablet-PCs, einem Markt mit deutlichem Wachstumspotenzial.

Mächtige Gegner

Allerdings muss sich HP mit der Markterschließung beeilen, denn Konkurrenten wie Apple oder RIM schlafen nicht und haben eine günstigere Ausgangposition im Markt. Im Bereich der mobilen Betriebssysteme (OS) steht HP vor mächtigen Gegnern. So hat das Betriebssystem Android in den vergangenen Monaten deutlich an Bedeutung gewonnen und nach Ansicht von IDC wird es sich bis 2013 auf Platz Nummer zwei im Segment der mobilen OS hinter Symbian vorschieben. Hier einen Fuß in die Tür zu bekommen ist nicht einfach. Zudem ist Palm außerhalb der USA sehr schwach vertreten. Daher muss HP die internationale Präsenz deutlich stärken.

Insgesamt hat HP sein Geld nach Ansicht von IDC nicht schlecht investiert. Mit Palm kauft sich HP ein solides mobiles Betriebssystem mit Wachstumspotenzial ein. Mit geschickten Investitionen und überzeugendem Marketing kann HP sich hier einen Wachstumsmarkt erschließen. Allerdings werden sich die neuen Geschäftsaktivitäten nicht gerade förderlich auf das Verhältnis von HP zu Microsoft auswirken. Gleichwohl dürfte es zu keinem nachhaltigen Riss in der Beziehung führen.

Um in diesem Markt erfolgreich zu werden, muss HP einen langen Atem beweisen und zunächst in Vorleistung treten, bis sich ein durchschlagender Erfolg einstellen wird – ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit waren HPs Bemühungen im Software-Umfeld im Massenmarkt jedenfalls nicht sehr erfolgreich, dies muss aber nicht bedeuten, dass es nicht gelingen kann.

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