Steigt Oracle ins Hardware-Geschäft ein oder nicht? Neue Diskussionen um Suns Server-Sparte

Redakteur: Harry Jacob

Nachdem nun bald der Weg frei sein könnte für die endgültige Übernahme von Sun durch Oracle, gleichzeitig aber Sun wieder einmal eine tiefrote Bilanz vorlegen musste, gibt es neue Gerüchte darüber, dass Oracle die Hardwaresparte abstossen wolle. IT-BUSINESS beleuchtet das Für und Wider der Diskussion.

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Nachdem im Juli die Sun-Aktionäre der Übernahme durch Oracle abgesegnet haben und vergangene Woche auch die US-Wettbewerbsbehörde grünes Licht gegeben hatte, hängt die 7,4 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme nur noch von der Zustimmung der Europäischen Kommission ab. Diese will ihre Entscheidung am 3. September verkünden, doch schon heute gehen viele Beobachter davon aus, dass sie sich dem Votum der amerikanischen Behörden anschließt und die Fusion durchwinkt.

So dürfte die aktuelle Bilanz, die Sun für das im Juni zuende gegangene Geschäftsjahr vorgelegt hat, die letzte als eigenständiges Unternehmen gewesen sein. Die Grundfarbe des Zahlenwerkes ist allerdings tiefrot: im letzten Quartal kam noch einmal ein Verlust von 147 Millionen US-Dollar hinzu, für das Gesamtjahr ergibt sich ein Fehlbetrag von 2,23 Milliarden, nach einem Gewinn von über 400 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz im letzten Vierteljahr war um rund ein Drittel gefallen, von 3,8 Milliarden Dollar auf 2,6 Milliarden.

Verkaufsgerüchte geschürt

Im April hatte Oracle den Kauf von Sun bekannt gegeben. Seitdem flackerten immer wieder Gerüchte auf, Oracle-Gründer Larry Ellison sei nur am reichhaltigen Software-Portfolio von Sun – unter anderem mit Java, Solaris und MySQL – interessiert gewesen, die Hardware-Sparte sei für ihn uninteressant. Allerdings hatte es von Anfang an ebenso Analystenstimmen gegeben, die eine Oracle-Sun-Fusion angesichts der möglichen Synergien positiv bewerteten.

Nun behauptet Jon Fortt in seinem Blog Brainstormtech unter Berufung auf „einer mit den Vorgängen betrauten Person”, es gebe aktuell Gespräche zwischen Oracle und HP über einen Verkauf von Suns Hardware-Sparte. Neben diesem unbekannten „Kronzeugen” gibt es allerdings keine besonders stichhaltigen Argumente. Oracle habe zunächst nur für das Software-Geschäft geboten, führt Fortt unter anderem an, und das Interesse von HP sei groß, da der übernommene Dienstleister EDS einer der besten Sun-Kunden sei und HP angesichts positiver Aussichten und einer gut gefüllt Kasse gut investieren könne.

Mehr Argumente dagegen als dafür

Doch die Kritiker solcher Spekulationen führen nur schwer zu widerlegende Gründe ins Feld, warum Sun ihrer Meinung nach nicht zerschlagen wird. An erster Stelle steht der Traum von Larry Ellison, sich endlich adäquat gegen den Branchenriesen IBM und dessen Konkurrenzprodukt db2 behaupten zu können. Dazu will Oracle künftig Kosten- und leistungsoptimierte Bundles aus (Sun-)Servern und (Oracle-)Applikationen schnüren.

Zum zweiten seien die wirtschaftlichen Ziele – in der näheren Zukunft soll die Akquisition bis zu zwei Milliarden Jahr Gewinn jährlich abwerfen – nur über die Hardware-Sparte zu erreichen. Und dass Sun bislang hohe Verluste schreibe, sei nicht dem Geschäft geschuldet – operativ würden Gewinne anfallen –, sondern einem unfähigen Management, das Milliardenabschreibungen auf die Zukäufe Storagetek und MySQL sowie auf zurückgekaufte eigene Aktien zu verantwortet habe und dazu noch wertvolle Software-Entwicklungen verschenke. So war auch der Verlust des vergangenen Geschäftsjahres zu rund zwei Dritteln auf Abschreibungen zurückzuführen.

Zum dritten schließlich gibt es zwar seit langem kein offizielles Statement mehr von Oracle zu diesem Thema, doch hat der Software-Gigant den Kunden von Sun und Oracle per Anzeigen und Website große Neuigkeiten angekündigt. Unter www.oracle.com/features/sunoraclefaster.html ist zu lesen: „Oracle und Sun sind schwer zu schlagen. Fragt einfach IBM. Deren schnellster Server liefert nun beeindruckende 6 Millionen TPC-C-Transaktionen, aber auf der Oracle Openworld am 14. Oktober werden wir Benchmarkzahlen vorlegen, die belegen, dass nicht einmal IBM DB2 auf IBMs schnellstem Server an die Geschwindigkeit und die Performance von Oracle-Datenbanken auf Sun-Systemen heranreicht. Kommen Sie am 14. Oktober zurück, wenn wir das Kommitment von Oracle zu Sun-Hardware und Sun Sparc demonstrieren.” Man darf also gespannt sein, was der Herbst bringt.

(Übersetzung korrigiert – vielen Dank für den Hinweis).

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