vRAM-Grenzen werden hochgestuft Nach heftigen Protesten: VMware lenkt bei Lizenzierung ein

Redakteur: Regina Böckle

Mit der Ankündigung von vSphere 5 hat VMware auch das Lizenzmodell verändert. Nach Protesten von Kunden und Partnern hat der Hersteller jetzt eingelenkt und nachgebessert.

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Das neue Lizenzmodell folgt dem Kerngedanken des Cloud Computing: Die Abrechnung orientiert sich am Verbrauch statt an physikalischen Komponenten.
Das neue Lizenzmodell folgt dem Kerngedanken des Cloud Computing: Die Abrechnung orientiert sich am Verbrauch statt an physikalischen Komponenten.

Die Vorstellung von vSphere 5 und der Cloud Infrastructure Suite sorgt im Markt seit Mitte Juli für Wirbel. Nicht nur, weil es sich dabei laut VMware um den „größten Produkt-Launch der Firmengeschichte“ handelte, sondern weil der Hersteller gleichzeitig ein neues Lizenzmodell ankündigte, das Kunden und Partner in Wallung brachte.

Lizenzierung nach Verbrauch

Zwar stieß der Grundgedanke der neuen Lizen­zierung durchaus auch auf positive Resonanz – aber es waren die Details, in denen der Teufel steckte. „Die Preise für Neu-Lizenzen und Wartungsverträge (auch Renewals) werden um etwa elf Prozent steigen“, befürchtete mancher Reseller. Viele appellierten an ihre Kunden, geplante Inves­titionen möglichst noch vor dem 22. August zu tätigen. Die Proteste stießen bei VMware auf offene Ohren: der Hersteller hat inzwischen reagiert und nachgebessert. Im Kern geht es VMware bei der Neugestaltung darum, die Lizenzierung den Erfordernissen des Cloud Computing anzupassen, sie also verbrauchsorientiert zu gestalten.

„Das bisherige Lizenzmodell wurde dieser Anforderung nicht ausreichend gerecht, weil hier noch immer physikalische Grenzwerte mit eingeflossen sind. Dies haben wir jetzt geändert“, bringt Ralf Gegg, Partner Director Zentral- und Osteuropa bei VMware, die Neuausrichtung auf den Punkt.

Was sich ändert, was bleibt

Die neuen Produkte sollen in Kürze verfügbar sein. Ab diesem Zeitpunkt wird das neue Lizenzprogramm für vSphere 5 in Kraft treten, bei dem nach physikalischer CPU und virtuellem Speicher lizenziert wird.

Bislang bildeten CPU, mit Einschränkungen bei der Zahl der Prozessorkerne, und RAM (Random Access Memory) die Basis der Lizenzierung. Ab ­vSphere 5­ ändert sich das: Die CPU ist künftig der einzige physikalische Parameter für die Lizenzierung: Restriktionen hinsichtlich physikalischer Cores und physikalischem Speicher wurden aufgehoben. Stattdessen erhält der Kunde ein „vRAM-Entitlement“. Es besagt, wie viel virtueller RAM einer oder mehreren virtuellen Maschinen zugewiesen werden darf. Pro Lizenz erwirbt der Endkunde ein vRAM-Entitlement, das je nach gewählter vSphere-Edition unterschiedlich große vRAM-Kapazitäten pro virtueller Maschine beinhaltet .

Diese vRAM-Entitlements werden zu einem Pool über alle vSphere-Instanzen hinweg zusammengefasst und dann per Konfiguration auf die einzelnen aktiven virtuellen Maschinen verteilt. Wird eine virtuelle Maschine ausgeschaltet, oder wird das Entitlement einer Lizenz auf dem Server nicht komplett ausgeschöpft, kann der Kunde die freie Kapazität flexibel für andere Maschinen nutzen. Das heißt, er muss nur das lizenzieren, was er tatsächlich nutzt.

VMware vSphere ermöglichte es bisher schon, durch Pooling von Ressourcen wie CPU, Hauptspeicher und Storage die Hardware-Auslastung zu erhöhen. Mit dem neuen Lizenzmodell überträgt VMware das Pooling-Konzept von der rein technischen auf die Geschäftsebene und gestattet auch das Pooling von Lizenzen. Obendrein erleichtert diese Art der Lizenzierung auch die Weiterberechnung an interne Cost Center auf Basis der verbrauchten Kapazität.

Da vSphere 5 immer noch CPU-basiert lizenziert bleibt, können Kunden weiterhin ihre etablierten Einkaufs-, Bereitstellungs- und Lizenzmanagement-Prozesse nutzen.

Welche Erfahrungen die ersten Beta-Tester mit vSphere 5 gemacht haben, erfahren Sie auf IT-BUSINESS.de.

Haken, Ösen und Ängste

Zwar befreite VMware die Nutzer damit von einigen physikalischen Einschränkungen. Im Gegenzug wurde jedoch die vRAM-Kapazität pro Lizenz (vRAM-Entitlements) begrenzt. Nutzt daher ein Kunde mehr vRAM, als ihm das Entitlement erlaubt, muss er zusätzliche Lizenzen erwerben. Das könnte insbesondere ressourcen-intensive Applikationen wie beispielsweise SAP treffen, denn nicht alle Kunden können die Vorteile des Pooling nutzen.

Obendrein hatte VMware ursprünglich auch geplant, den benötigten vRAM einer virtuellen Maschine nach dem Spitzenwert („Peak“) auszulegen, den der Kunde jemals erreicht hat, auch wenn er diesen Peak nur ein einziges Mal ausschöpfte. „Einige Kunden werden mehr zahlen müssen“, befürchtete Eric Siebert, Chef-Admin bei der Boston Market Group, nach diesen Ankündigungen im Juli. „Unternehmen, die große Hosts in Betrieb haben, werden viel ausgeben müssen für ihre Lizenz-Upgrades.“ VMware-Kunden müssten sich Gedanken machen, wie sie ihre Umgebungen anders designen. „Rightsizing wird nun wirklich wichtig“, so Siebert. Verschwendung von Memory könne man sich einfach nicht mehr leisten.

Das Problem eines zusätzlichen Lizenzbedarfs habe allerdings nur für zehn Prozent der VMware-Kunden bestanden, betont VMware-Channel-Manager Ralf Gegg.

Schreckgespenster gebannt

VMware hat auf die Proteste hin nachgebessert: So wurden die ursprünglich geplanten vRAM-Entitlements deutlich erhöht.

VMware hat die bisherigen Grenzwerte bei der Lizenzierung deutlich erhöht.
VMware hat die bisherigen Grenzwerte bei der Lizenzierung deutlich erhöht.

(Siehe nebenstehende Tabelle „vRAM-Entitlements“, die sich per Doppelklick vergrößert.)

Zweitens hat VMware eine vRAM-Obergrenze für business-kritische Applikationen eingerichtet. „Wir berechnen nur bis zu 96 Gigabyte pro virtueller Maschine“, erklärt Gegg. Benötigt der Kunde pro virtueller Maschine mehr vRAM, wird der Mehrbedarf nicht berechnet. „Diese Maßnahme und die Erhöhung der ursprünglich geplanten Entitlements haben zur Folge, dass ein erhöhter Lizenzbedarf jetzt nur noch für maximal ein Prozent unserer Kunden ein Thema sein könnte“, so das Fazit des VMware-Managers.

Drittens bemisst der Hersteller den vRAM-Bedarf pro virtueller Maschine künftig nicht wie geplant nach dem einmalig erreichten Höchstwert, sondern orientiert sich hier an einem Durchschnittswert. „Wir prüfen, wie viel vRAM der Kunde über einen Zeitraum von zwölf Monaten hinweg pro Tag benötigt und ermitteln daraus einen Durchschnittswert. Auf Basis dieses gemittelten Wertes berechnen wir das Entitlement“, führt Gegg aus.

Heftig umstritten in der Partner- und Kundengemeinde war außerdem die Frage, ob das neue Lizenzmodell auch die Lizenzierung für die Desktop-Virtualisierung verteuere. „Das ist nicht der Fall“, stellt der Channel-Manager klar, „denn wir lizenzieren hier wie bisher unverändert pro Desktop und nicht pro Server“.

Migrations-Hilfen

Um die Migration von vSphere 4 auf ­vSphere 5­ zu erleichtern, stellt VMware Partnern und Kunden ein Migrations-Tool zur Verfügung, das in vCenter Server integriert ist. Es analysiert automatisch, ob und in welchem Maße der Endkunde beim Upgrade­ auf vSphere 5 seine Lizenzierung ändern muss. Wer die vSphere 4 Advanced Edition einsetzt, kann automatisch und kosten­los auf die Enterprise Edition von ­vSphere 5 migrieren, da in der neuen Ver­sion die Advanced Edition entfällt.

Bei vSphere 4 Essentials allerdings gibt es eine Deckelung (192 GB vRAM), da es bei dieser Edition nicht möglich ist, eine zusätzliche virtuelle Maschine bereitzustellen.

„Die zahlreichen Änderungen, die wir am neuen Lizenzmodell vorgenommen haben, zeigen, dass VMware auf Kunden und Partner hört, berechtigte Kritik annimmt und darauf schnell reagiert“, so Gegg. ?

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